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Tech-Konzern:Apple tüftelt an eigener Suchmaschine - und kommt voran

Apple stellt Neuheiten vor - iPhone 12 erwartet

Wird aus dem iPhone-Konzern bald auch ein Suchmaschinenbetreiber? Zumindest tüftelt Apple an eigenen Suchfunktionen.

(Foto: Vincent Yu/dpa)

Das Monopol von Google kann keiner brechen. Oder doch? Der iPhone-Hersteller macht offenbar Fortschritte bei einem eigenen Suchmaschinen-Projekt. Doch der Plan hat Tücken.

Von Helmut Martin-Jung, München

Das Geschäftsmodell ist zweifellos genial: Milliarden Nutzer suchen etwas im Netz, Google findet es und profitiert sowohl von Anzeigeneinnahmen als auch von den Daten, die dabei gesammelt werden. Wie lukrativ das ist, lässt sich auch daran ermessen, dass der Konzern bislang geschätzte acht bis zwölf Milliarden Dollar allein an Apple zahlt, damit der iPhone-Hersteller die Google-Suche als Standard auf seinen Handys installiert. Die Frage ist nur, wie lange noch. Denn auch Apple soll inzwischen an einer eigenen Suchmaschine tüfteln - und kommt mit diesem Projekt wie es scheint auch voran.

Auf Handys mit der Version 14 von Apples Betriebssystem iOS werden bereits eigene Suchergebnisse angezeigt, wenn auch nur in sehr begrenztem Umfang: Sie erscheinen nur dann, wenn der Nutzer den Startbildschirm nach rechts wischt und das Suchfenster nutzt, das anschließend angezeigt wird. Bei der Suche auf Webseiten erscheinen wie gewohnt das Google-Logo und die dazugehörigen Suchergebnisse.

Von einem Google-Rivalen aus Cupertino kann also noch nicht wirklich die Rede sein. Und doch könnte Apple mit seinen Suchmaschinen-Plänen deutlich mehr im Sinn haben als das, was man bislang als Nutzer sieht. Die Financial Times (FT) berichtet unter Berufung auf Suchmaschinen-Experten, dass sich im Web die Aktivitäten eines sogenannten Crawlers von Apple stark erhöht hätten. Unter einem Crawler versteht man eine Software, die das Web automatisch durchsucht und so einen Such-Index aufbaut. Die FT zitiert einen früheren hochrangigen Google-Manager, der es Apple durchaus zutraut, eine eigene Suchmaschine aufzubauen.

Es bleibt die Frage, ob das unter kartellrechtlichen Gesichtspunkten sinnvoll ist. Die Versuchung, eigene Produkte zu bevorzugen, wäre groß - und ebenso die Gefahr, dass die Behörden sich das sehr genau ansehen. Der Anreiz für Apple, bei der Websuche auf Eigenständigkeit zu setzen, ist zuletzt allerdings stärker geworden. Und auch das hat letztlich mit der Entscheidung einer Behörde zu tun. Das US-Justizministerium ermittelt gegen Google wegen des möglichen Missbrauchs seiner Monopolstellung. Und ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Milliardenzahlung an Apple für die Vorinstallation der Suchmaschine. Das könnte auch für den iPhone-Hersteller ein Problem werden.

Ein Problem, das Apple gerade gar nicht gebrauchen kann. Schließlich steckt man schon in einer ähnlichen Auseinandersetzung mit dem Spielehersteller Epic Games. Hier geht es um die Kontrolle, die Apple mit seinem App Store auf das Geschäft mit den Handy-Programmen ausübt. Epic geht gerichtlich gegen Apple vor, weil der Konzern nach Ansicht der Gaming-Firma zu viel an den Apps mitverdienen will.

Auch wenn Apple bislang wenig mit Suchmaschinen zu tun hat: Es wäre nicht das erste Mal, dass der iPhone-Konzern in eine Technologie drängt, die scheinbar nicht zum Kerngeschäft gehört. Dabei geht es meist darum, nicht von anderen abhängig zu sein. So hat Apple von Intel die Abteilung übernommen, die 5G-Chips entwickelt - ein Team, das in Deutschland sitzt und früher zu Infineon gehörte.

Der eigene Kartendienst war anfangs ein Flop

Schon vor Jahren haben die Kalifornier begonnen, in die Entwicklung eigener Hauptchips zu investieren - mit beachtlichem Erfolg. Apples A14, der das neue iPhone 12 antreibt, rechnet um Einiges schneller als die der Konkurrenz etwa von Qualcomm. Bald könnte auch ein Laptop auf der Basis dieses Chips vorgestellt werden.

So gut klappt es allerdings nicht immer. Als Apple 2012 seinen eigenen Kartendienst präsentierte, war der derart fehlerhaft, dass sich Hohn und Spott über den Konzern ergoss. Wegen des gewaltigen Flops musste Scott Forstall, ein langjähriger Weggefährte von Firmengründer Steve Jobs, das Unternehmen verlassen. Mittlerweile funktioniert der Dienst gut.

Apple, das wertvollste Unternehmen der Welt, tut sich vergleichsweise leicht damit, für seine Vorhaben profilierte Experten von der Konkurrenz abzuwerben. Für das Suchprojekt wurde John Giannandrea als Leiter gewonnen, der davor acht Jahre lang für Googles Suchmaschine zuständig war. Offiziell lautete seine Jobbeschreibung, Apple bei künstlicher Intelligenz in Verbindung mit der sprachgesteuerten Assistentin Siri voranzubringen.

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