Games:Von Ritterspielen und Virtual-Reality-Märchen

Streit um ein Mittelalter-Rollenspiel, "Age of Empires" in ultrahochauflösend und clevere VR-Problemlösung mit "Moss": Diese Spiele waren im Februar wichtig.

Von Caspar von Au, Daniel Wüllner und Matthias Huber

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Slay the Spire

Slay the Spire

Quelle: Megacrit

Selbstoptimierung ist eine schreckliche Angewohnheit. Der ständige Zwang, etwas verbessern zu wollen, macht jedes Abenteuer zunichte. Jetzt versucht das Computerspiel "Slay the Spire", die ständige Verbesserung des Selbst zum Abenteuer zu machen.

Zu Beginn wählt der Spieler einen von zwei Helden, und erhält einen Standardsatz virtueller Karten - mit Aktionen wie "Hauen" und "Verteidigen". Mit dem kämpft er sich von Raum zu Raum den Turm (Englisch: spire) empor. Auf seinem Weg nach oben werden zufällig Begegnungen generiert, in jedem neuen Raum warten Monster, Ereignisse, Händler und Rastmöglichkeiten. Und wie im sogenannten Rouge-like-Genre üblich, stirbt der Spieler ziemlich oft. Die Botschaft nach dem "Game Over" in Slay the Spire ist eindeutig: Wer nicht optimiert, verliert.

Also geht es vom Fuße des Turms wieder von vorne los. Und das ohne alle gesammelten Errungenschaften - wieder nur mit den Basiskarten. Und wieder ringt der Optimierungsgedanke mit dem Entdeckergeist: Dieses Mal einen anderen Weg wählen, ein neues Relikt kaufen oder eine Karte aus dem Stapel (dem Deck) schmeißen, um im Kampf besser dazustehen. Die sind ein intelligenter Schlagabtausch. Erst spielt der Held eine Karte, dann reagieren die mit viel Liebe gestalteten Monster: eine verrückte Horde Goblins, ein Pilzwesen, das aus einer toten Ratte herauswächst, und Endgegner, die knackig schwer sind. Slay the Spire mischt das Rouge-like-Genre mit einem Deckbau-Mechanismus, der dem Brettspiel "Dominion" entliehen ist. Aber selbst das sorgfältigst optimierte Deck kann scheitern. Dann geht es mal wieder von vorne los.

"Slay the Spire" ist im Early Access für PC erhältlich.

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Shadow of the Colossus

Shadow of the Colossus

Quelle: Sony Interactive Entertainment / Screenshot Caspar von Au

Grau ist es im Reich der 16 Kolosse, aber auch faszinierend schön. Der junge Wander ist mit seinem Pferd Agro durch Wüsten, Sümpfe und Gebirge gereist, um ein Mädchen von den Toten zurückzuholen. In dem Schrein am Ziel seiner Reise erfährt er: 16 Kolosse muss er besiegen, dann wird Mono, das Mädchen, wieder leben.

"Shadow of the Colossus" ist das Remake eines viel gelobten Action-Adventures von 2005, es stammt vom Japaner Fumito Ueda, der auch "ICO" (2001) und zuletzt "The Last Guardian" (2016) mitentwickelt hat. Uedas Spiele stehen im Kontrast zu den meisten anderen erfolgreichen Titeln der Branche: In Shadow of the Colossus gibt es keine Level, die der Spieler erreichen muss, keine Gegenstände zum Sammeln, keine Massen von Gegnern. Stattdessen sind da nur Wander, Agro und eben die riesigen Kolosse, die es zu besiegen gilt. Als Spieler setzt man sich deshalb intensiv mit Wanders Geschichte und der Landschaft auseinander. Dabei profitiert das Remake stark von seiner überarbeiteten Grafik (alles andere haben die Entwickler nahezu unberührt gelassen).

"Shadow of the Colossus" ist am 7. Februar 2018 für Playstation 4 erschienen.

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Kingdom Come: Deliverance

Kingdom Come Deliverance

Quelle: Deep Silver / PR

In Böhmen tobt Bürgerkrieg. Eine Armee von Söldnern hat das Dorf Skalitz überfallen, dessen Burgherr zu König Wenzel IV. hält. Wenzels Halbbruder Sigismund steckt hinter dem Angriff, der Konflikt um den böhmischen Thron hat sich 1403 wohl wirklich so zugetragen. Dem Mittelalter-Rollenspiel "Kingdom Come: Deliverance" zufolge kämpft mittendrin - und an dieser Stelle wird's fiktiv: Heinrich, der Sohn eines Schmieds. Seiner Heimat beraubt kämpft er gegen die Truppen Sigismunds.

Von der Machart her erinnert Kingdom Come in einigen Punkten an die Spiele der "Elder Scrolls"-Reihe. Die Entwickler der tschechischen Warhorse Studios wollten im Gegensatz dazu aber ein realistisches Mittelalter-Spiel schaffen. Das bedeutet zum einen: Drachen, Magie und dergleichen gibt es nicht. Zum anderen: Große Teile des Spiels sollen historisch akkurat sein. Das ist den Entwicklern nur oberflächlich gelungen. Setting und Landschaft stimmen wohl einigermaßen, viele Details sind zumindest umstritten. Zudem entfachte sich eine Debatte um die politischen Einstellungen des Chefentwicklers, dem Rassismus vorgeworfen wurde. Ein rassistisches Spiel ist Kingdom Come zwar nicht, aber am Ende stellt sich die Frage: Kann - und soll - ein Computerspiel die Geschichte überhaupt realistisch abbilden?

Link-Tipp:

Unseren Artikel, der sich mit der Rassismus- und Realismus-Debatte um Kingdom Come: Deliverance auseinandersetzt, lesen Sie hier.

"Kingdom Come: Deliverance" ist am 13. Februar 2018 für PC, Playstation 4 und Xbox One erschienen.

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Fe

Fe Screenshot

Quelle: Electronic Arts / PR

Der Wald spricht zu Fe. Oder genauer: Die wunderlichen Pflanzen und Tiere reagieren auf die Laute der fuchsähnlichen, schwarzen Kreatur Fe. Jault sie eine Blume mit einem riesigem Auge als Blüte an, lässt die einige Sporen fliegen. Die Sporen bilden eine Treppe, über die der Fuchs zu einer zuvor unerreichbaren Plattform gelangt.

So steuert der Spieler Fe in dem gleichnamigen Action-Adventure durch einen düsteren Wald. Stumme Wesen haben ihn befallen und nehmen die anderen Tiere gefangen. Der Fuchs soll herausfinden, was passiert ist, und die Tiere retten. Um mit ihnen zu kommunizieren, kann Fe singen. Im Spielverlauf lernt er, den Gesang verschiedener Pflanzen und Tiere zu imitieren. Fe ist ein ruhiges Spiel, das den Spieler in eine geheimnisvolle Welt schickt und sich dann fast vollständig zurücknimmt. Die Rätsel der Natur muss der Spieler alleine lösen. Genau das macht das Spiel einzigartig, das visuelle und auditive Gesamterlebnis steht im Vordergrund.

"Fe" ist am 16. Februar 2018 für Nintendo Switch, PC, Playstation 4 und Xbox One erschienen.

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Age of Empires: Definitive Edition

Age of Empires

Quelle: Microsoft / PR

21 Jahre nachdem es zum ersten Mal erschien, hat "Age of Empires" eine Überarbeitung verpasst bekommen. "Definitive Edition" nennt Microsoft die Version des Strategie-Klassikers. Auffälligstes Merkmal ist die verbesserte Grafik mit 4K-Auflösung. Zusätzlich hat ein Orchester den Soundtrack neu eingespiel, einige kleinere Dinge hat Microsoft inhaltlich überarbeitet. So ist Baugrund nicht mehr blockiert, wenn darauf ein Dorfbewohner steht. Das ist ziemlich praktisch: In der Originalversion musste der Spieler den Dorfbewohner händisch wegschicken, in der Definitive Edition läuft er selbstständig zur Seite.

Doch bei vielen Spielern kommt die 4K-Variante bisher nicht gut an. Zum einen hätte Microsoft wohl ruhig noch mehr eingreifen können und Age of Empires an moderne Standards anpassen. So lässt sich die Bildschirmauflösung im Spiel nicht verändern. Zum anderen hat - und das ist wohl der schwerwiegendere Grund - die Definitive Edition mit technischen Problemen zu kämpfen: Das Spiel stürzt ab, die Grafik ruckelt, es kommt zu Anzeigefehlern. Und das, obwohl lange am Remake gebastelt wurde. Eigentlich sollte es schon vor einem Jahr erscheinen.

"Age of Empires: Definitive Edition" ist am 20. Februar 2018 für PC erschienen.

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Moss

Moss Screenshot

Quelle: Polyarc / PR

Es war einmal in einem fernen Mäusekönigreich... Zu Beginn des Virtual-Reality-Adventures "Moss" findet sich der Spieler in einer Bibliothek vor einem dicken Märchenbuch wieder. Eine Stimme berichtet von einer unbekannten bösen Macht, die das Königreich überfallen hat. Nun braucht es einen Helden, der es rettet.

Das ist im Fall von Moss nicht etwa der Spieler, zumindest nicht direkt - sondern die Mäusedame Quill. Der Spieler übernimmt als eine Art Geist gleich mehrere Rollen. Zum einen steuert er über diesen die kleine Maus, zum anderen kann er Steine aus dem Weg räumen, die für Quill zu groß und schwer sind. Auf diese Weise entgeht das Spiel auf clevere Art und Weise einem Problem, das Virtual Reality (VR) aktuell noch hat: die uneingeschränkte Bewegungsfreiheit des Spielers in einer 360-Grad-Welt. Denn der Geist selbst bewegt sich nicht, er blickt eher von außen auf das Geschehen. Was der Immersion - das entscheidende bei VR - jedoch kaum schadet. Moss ist ein spannendes VR-Märchen mit vielen Puzzles, das zeigt, dass bei dieser Technologie nicht immer aus der Ego-Perspektive gedacht werden muss.

"Moss" ist am 27. Februar 2018 für Playstation VR erschienen. Zum Spielen wird außerdem eine Playstation 4 benötigt.

© SZ.de/jab
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