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Umgang mit Präsidenten-Statements:Erste Facebook-Mitarbeiter kündigen wegen Streit um Trump-Beitrag

Facebook-Chef Mark Zuckerberg

Konzernchef Mark Zuckerberg rechtfertigte vor seinen Mitarbeitern Facebooks Umgang mit einem Beitrag von US-Präsident Donald Trump.

(Foto: ANDREW CABALLERO-REYNOLDS/AFP)

Sie protestieren gegen ihr eigenes Unternehmen, das eine Drohung Präsident Trumps nicht beanstandete. Konzernchef Zuckerberg verteidigt die Entscheidung.

Erste Facebook-Mitarbeiter haben aus Protest gegen die Haltung von Unternehmenschef Mark Zuckerberg im Streit um Postings von US-Präsident Donald Trump gekündigt. Der Konflikt um den Umgang mit Inhalten ist ungewöhnlich, weil er in aller Öffentlichkeit ausgetragen wird und die Konzernspitze entsprechend unter Druck setzen könnte.

Als Grund für ihre Rücktritte nannten die Programmierer, dass Zuckerberg sich weigere, gegen aufhetzende Facebook-Botschaften Trumps vorzugehen. Zuckerberg selbst verteidigte sein Vorgehen. Twitter hatte eine Nachricht Trumps über angebliche Fälschungen bei Briefwahlen mit einem Hinweis zu Faktenchecks versehen. Ein weiterer Tweet Trumps wurde als "gewaltverherrlichend" markiert. Facebook dagegen hatte die Nachrichten nicht nur stehen gelassen, Zuckerberg hatte die Untätigkeit zudem als wichtigen Schritt für die Meinungsfreiheit verkauft.

Der Programmierer Timothy Aveni erklärte, er halte die Weigerung Facebooks, gegen Trumps Botschaft vorzugehen, nicht länger aus. Deshalb habe er gekündigt. Auch Manager Owen Anderson twitterte, er könne die Grundsätze von Facebook nicht länger mittragen und verlasse das Unternehmen.

Hintergrund der Debatte ist die Frage, ob und wie Online-Plattformen Äußerungen ihrer Nutzer zensieren, kommentieren oder richtigstellen sollen. Zuckerberg argumentiert, die Meinungsfreiheit müsse garantiert bleiben. Der Fall Trump ist noch komplizierter, weil es um einen Nutzer geht, der ein wichtiges öffentliches Amt bekleidet. Wenn der US-Präsident sich äußere, sei das immer eine wichtige Nachricht, die von Facebook nicht anzutasten sei, sagen Gegner einer Einflussnahme durch Facebook. Aber was, wenn der Präsident Gewalt auf den Straßen anstachelt?

Besonders viel Ärger unter einigen Facebook-Mitarbeitern hat Trumps Ankündigung "Wenn geplündert wird, wird auch geschossen" hervorgerufen. Zuckerberg schrieb dazu: "Unsere Position ist, dass wir so viele Äußerungen wie möglich zulassen sollten, es sei denn, von ihnen geht eine unmittelbare Gefahr aus." Am Dienstagabend verteidigte Zuckerberg in einem Videocall mit Mitarbeitern die Entscheidung, Trumps Beitrag stehen zu lassen. Er kündigte an, nach Möglichkeiten zu suchen, als problematisch eingestufte Nachrichten zwar auf der Plattform zu lassen, sie aber entsprechend zu kennzeichnen. Damit würde er doch noch Twitters Weg folgen.

© SZ/AP/Reuters/jab
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