bedeckt München 29°

EU: einheitliche Kabelstecker:Viele Handys, ein Ladegerät

Wer künftig ein neues Handy kauft, muss nicht mehr jedes Mal ein neues Ladegerät erwerben: Mobiltelefon-Hersteller haben sich EU-weit auf einheitliche Kabelstecker geeinigt.

Cerstin Gammelin

Noch bevor er ein Wort gesagt hatte, reckte EU-Industriekommissar Günther Verheugen an diesem Montag in Brüssel seine Hände mit mehreren kleinen schwarzen Geräten in die Höhe. "Das ist ein Ärgernis", rief er in den Pressesaal. "Allein in meinem Schreibtisch habe ich sechs verschiedene Ladegeräte für Handys gefunden."

Es gibt allein 30 verschiedene Stecker für Handys.

(Foto: Foto: AP)

Dass jedes Mobiltelefon ein eigenes, spezielles Ladegerät brauche, damit sei nun bald Schluss, kündigte Verheugen an. Gedrängt von der Europäischen Kommission, hätten sich führende Handyhersteller auf einen einheitlichen Standard für Ladegeräte geeinigt. "Unser Ziel ist es, dass alle Handys mit demselben Ladegerät bedient werden können", sagte Verheugen.

Die erste Generation der neuen Mobiltelefone, die nicht mehr nur mit einem bestimmten Kabelstecker geladen werden können, soll im kommenden Jahr auf den europäischen Markt kommen. Wer dann ein neues Gerät kaufe, muss nicht mehr jedes Mal ein neues Ladekabel erwerben. Verheugen lobte die Vereinbarung der Hersteller als "gutes Beispiel, dass die Selbstregulierung der Industrie funktioniert".

Andernfalls hätte die Europäische Kommission den einheitlichen Standard per Richtlinie durchsetzen müssen. Zu den Unterzeichnern der gemeinsamen Erklärung gehören die Anbieter Apple, LG, Motorola, NEC, Nokia, Qualcomm, Research in Motion, Samsung, Sony Ericsson und Texas Instruments. Sie decken etwa 90 Prozent des Marktes in der Europäischen Union ab.

Künftig sollen die Ladegeräte durch sogenannte Micro-USB-Stecker kompatibel gemacht werden. Solche USB-Buchsen werden bisher genutzt, um Daten zu übertragen. Ein Viertel aller Mobiltelefone ist bereits damit ausgestattet.

Micro-USB-Stecker

Künftig sollen Micro-USB-Stecker auch zum Laden genutzt werden. Für ältere Handys sollen Kopplungsstücke angeboten werden. "Das heißt, Mobiltelefone können künftig überall mit einem universellen Ladegerät aufgeladen werden", sagte Verheugen. Er gehe davon aus, dass sich der zunächst nur für die Europäische Union vereinbarte einheitliche Standard weltweit durchsetzen werde.

Durch das einheitliche Ladegerät reduziere sich die Menge an Elektronikschrott, sagte der Industriekommissar. Verbraucher müssten alte Ladegeräte nicht mehr wegwerfen, wenn sie ein neues Telefon kauften. Allein in diesem Jahr werden in der Europäischen Union etwa 175 bis 180 Millionen neue Mobiltelefone verkauft. Die EU-Kommission schätzt den Bestand auf 350 bis 400 Millionen Geräte.

Die EU-Kommission und die Hersteller gehen davon aus, dass das universelle Ladegerät für alle Mobiltelefone nicht zu wirtschaftlichen Einbußen führen wird. Die Ladegeräte würden heute nahezu vollständig in China hergestellt und seien "eigentlich nur ein Kostenfaktor", sagte Bridget Cosgrove, Generaldirektorin des Verbandes Digital Europe. Zufrieden zeigte sich auch der Präsident des deutschen Fachverbands Bitkom, August-Wilhelm Scheer. Die einheitliche Lösung helfe "Verbrauchern und Umwelt", sagte Scheer.

Langfristig strebe die Europäische Kommission auch einheitliche Ladegeräte für andere elektronische Geräte an, sagte Verheugen. Er gehe davon aus, "dass man eines Tages für seine gesamte IT-Ausrüstung das gleiche Ladegerät nutzen können wird". Bis dahin sei es aber noch ein weiter Weg. Vor allem technische Probleme müssten gelöst werden. So verbrauchten elektronische Geräte wie Mobiltelefone, Digitalkameras oder Laptops während ihres Betriebs unterschiedliche Mengen an Strom. Deshalb sei es noch nicht möglich, sie an ein universelles Ladegerät anzuschließen. "Aber wir werden diese Lösung nicht aus dem Auge verlieren", sagte der Industriekommissar abschließend.

© SZ vom 30.06.2009/mri

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite