Ersatzteile Warum sich Apple gegen ein "Recht auf Reparatur" wehrt

Einmal nicht aufgepasst, schon ist das Smartphone-Display kaputt - und die Reparatur kann richtig teuer werden.

(Foto: AP)
  • Einige US-Bundesstaaten wollen ein "Recht auf Reparatur" einführen.
  • Hersteller sollen damit verpflichten werden, Ersatzteile auch an Verbraucher und unabhängige Dienstleister zu verkaufen.
  • Auch deutsche Werkstätten und Kunden könnten von offiziellen Ersatzteilen und Reparaturanleitungen profitieren.
Von Marvin Strathmann und Mirjam Hauck

Am Donnerstag sollen Apple-Verantwortliche im Parlament des US-Bundesstaates Nebraska zum "Right to Repair" aussagen. Mit diesem Recht auf Reparatur wollen mehrere US-Bundestaaten erreichen, dass Hersteller Ersatzteile auch an unabhängige Werkstätten verkaufen müssen. Hinter dem geplanten Gesetz steht unter anderem die Lobbygruppe "Repair Association". Neben Ersatzteilen sollen die Hersteller Reparaturanleitungen und Diagnosewerkzeuge für Kunden zugänglich machen, fordern die Lobbyisten. Dabei geht es ihnen nicht nur um Handys sondern auch um große landwirtschaftliche Maschinen.

Warum wehrt sich Apple dagegen?

Apple möchte nicht, dass Kunden oder freie Werkstätten die Geräte selbst reparieren, das sei viel zu gefährlich. Die Akkus könnten Feuer fangen, argumentiert der Konzern. Auch fürchtet Apple, dass Nebraska Hacker anziehen könnte, wenn der Bundestaat das Right to Repair alleine durchsetzt. Zudem gebe es schon genug autorisierte Reparaturwerkstätten, wie etwa die Apple-Stores.

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Für das Unternehmen dürften auch finanzielle Erwägungen eine Rolle spielen: Apple verdient gut an seinem Reparaturmonopol, das neben den eigenen Stores nur autorisierte Dienstleister zulässt. So verlangt der iPhone-Hersteller bei manchen Schäden mehr als 300 Euro von seinen Kunden. Auch deshalb verkauft das Unternehmen keine offiziellen Ersatzteile und veröffentlicht keine Reparaturanleitungen für die Käufer.

Wie ist die Gesetzeslage derzeit?

Aktuell gilt: Wer eigenhändig repariert oder eine unautorisierte Werkstatt beauftragt, verliert den Garantieanspruch. In den USA wird nicht zwischen Garantie und Gewährleistung unterschieden, man spricht allgemein von "Warranty". Herstellerfehler oder falsche Werbeversprechen können ab dem Kauf bis zu vier Jahre lang reklamiert werden. Allerdings hängt der genaue Zeitraum vom Bundesstaat ab.

Viele Hersteller bieten zusätzlich eine freiwillige Garantie an, die festschreibt, welche Schäden repariert werden oder an wen man sich wenden kann. Bei Apple gilt diese Regelung ein Jahr lang, sowohl in Deutschland als auch in den USA. Darüber hinaus können Kunden Applecare+ abschließen. Der Service kostet in Deutschland 150 Euro, in den USA 130 Dollar. So können Käufer beispielsweise ein iPhone-Display für 29 statt den üblichen 150 Euro reparieren lassen.

Wem nutzt das neue Gesetz?

Am unmittelbarsten würden die Kunden profitieren. Schließlich könnten sie auf die teure Reparatur durch den Hersteller verzichten und eine günstigere freie Werkstatt wählen. Oder das Gerät gleich selbst reparieren, wenn sie sich das zutrauen. "Die Reparatur ist oft teuer, weil Händler lieber etwas Neues verkaufen wollen", sagt Philip Heldt von der Verbraucherzentrale NRW. Viele Kunden kauften dann gleich ein neues Gerät, sobald etwas kaputtgehe. "Natürlich existieren Sicherheitsrisiken, etwa wenn Elektrik falsch angeschlossen wird, aber es gibt keinen Grund, warum qualifizierte Verbraucher oder freie Werkstätten die Geräte nicht selber reparieren sollten."

Das Right to Repair würde auch kommerziellen Anbieter nutzen. Hinter der Lobbygruppe Repair Association stehen neben Bürgerrechtsorganisation wie der Electronic Frontier Foundation auch professionelle Reparaturwerkstätten wie iFixit. Daneben könnten kleine, ehrenamtliche Reparatur-Cafés von der Regelung profitieren. Sie sind auch in Deutschland zu finden und kämpfen unter anderem gegen den geplanten Verschleiß von Bauteilen.

Wie ist die Lage in Deutschland?

Bevor Kunden in Deutschland ihre Geräte selbst reparieren, sollten sie klären, ob Gewährleistung oder Garantie den Schaden abdecken. Die Gewährleistung greift gegenüber dem Verkäufer: Er muss sicherstellen, dass er funktionsfähige Produkte verkauft. Sie gilt meist zwei Jahre nach dem Kauf. Allerdings findet nach sechs Monaten eine Beweislastumkehr statt: Dann muss der Käufer nachweisen, dass der Mangel bereits zum Zeitpunkt des Kaufs existierte.

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Die Garantie ist dagegen ein freiwilliges Angebot des Herstellers, ihre Dauer variiert. Sie gilt unabhängig von der Gewährleistung und kann teilweise gegen einen Aufpreis verlängert werden. Während sich die Gewährleistung auf Mängel bezieht, die zum Kaufzeitpunkt vorhanden waren, deckt die Garantie oft auch Schäden ab, die erst später entstehen.

Gegenüber dem Verkäufer sollte der Kunde zunächst seine Gewährleistung geltend machen und sich nicht vorschnell an den Hersteller verweisen lassen. Manchmal sind Händler und Hersteller dasselbe Unternehmen sind, etwa beim Apple-Store. Dann sollte man ihn gezielt als Verkäufer anschreiben und auf die gesetzlich vorgeschriebene Gewährleistung verweisen.

Was sagen unabhängige Reparaturwerkstätten?

Hans Peter Kroll betreibt mit seinem Sohn das "Maclabor" in München. Zu ihnen kommen Apple-Kunden meist, wenn die Garantie für das iPhone oder das Macbook nach einem Jahr abgelaufen oder das Gerät älter als fünf Jahre ist. Die häufigsten Fälle sind Display- und Korrosionsschäden (iPhone in die Toilette gefallen) oder mit Staub und Federn verstopfte Lüfter, wenn die Leute zum Beispiel ihre Macbooks im Bett benutzen.

Kroll zufolge wird es immer schwieriger, die Apple-Geräte selbst zu reparieren. Es gebe immer mehr Elektronik, die Bauteile würden immer feiner. Auch nicht gut sei es, wenn jetzt in den Macbooks Pro der Arbeitsspeicher fest verlötet ist. Ersatzteile von Apple bekommen Kroll und seine Mitarbeiter nicht. Gerade bei Displays merke man einen Qualitätsunterschied. Bei Korrosionsrückständen behilft sich Kroll mit einem Lösungsmittel, das Restauratoren verwenden, die alte Kirchen wieder auf Vordermann bringen. Und bei neuen iMacs bohrt er schon mal Löcher ins Plastik, damit der Lüfter wieder seinen Dienst tun kann.

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