Digital spielen:Der Spieler steuert die Vulkanexplosion

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Das Design ist ausgeklügelt. Für die Erde-App mit den Erdbeben haben Sounddesigner eine Frequenz gefunden, bei der die meisten Gegenstände zu vibrieren anfangen. Jede App hat einen Hauptdesigner, der sich um die Arbeit an grafischen Programmteilen und um die Gestaltung von Symbolen und Icons kümmert. Zwischen Recherche und fertiger App liegen sechs bis zwölf Monate.

Die Spiele von Tinybop unterscheiden sich grundlegend vom Standard. Sie fallen auf, weil sie gewisse Spiel-Elemente nicht besitzen. So gibt es keine Titelmusik, die parallel zum Spiel dröhnt, keine Pfeile, die dem Spieler zeigen, wo er als nächstes klicken soll, und keine Animationen. Die Grafik wird algorithmisch erzeugt. Wer das Skelett aus dem menschlichen Körper entfernt, sieht es in sich zusammenfallen. Wie heftig ein Vulkan explodiert, hängt von der Geschwindigkeit ab, mit der ein Spieler die Lava nach oben befördert. Und wer zwei Wolken aneinanderreibt, sorgt für Regen. "Anstatt Kindern zu sagen, was passiert, zeigen wir es ihnen lieber", sagt Gutierrez. Dieses Zeigen passiert zufällig - entweder nach Spiel eins oder hundert. Er nennt es "Design für ruhige Stunden".

Handbücher für unkundige Eltern

"Ich wollte Apps basteln, die Kinder zum Nachdenken anregen", sagt Gutierrez. Seine Anwendungen, die in 155 Länder verkauft werden, sollen nicht alle Fragen beantworten - aber viele aufwerfen, "damit die Kinder zu ihren Eltern gehen, wenn sie etwas nicht verstehen". Teilweise wurden die dazugehörigen Handbücher in 60 Sprachen übersetzt - damit die Eltern auch die richtigen Antworten geben können. Inspiration für seine Ideen liefern Gutierrez wissenschaftliche Kinderbücher, die er früher selbst gern gelesen hat.

Tinybop lädt hin und wieder Kinder ein, damit die Spielmacher ihnen über die Schulter schauen können. "Wir merken oft, das Kinder am Anfang desorientiert sind. Es gibt keine Musik, keine Anleitung." Die Hoffnung ist, dass die Kinder sich die Zeit nehmen, um sich mit der App auseinanderzusetzen. Gutierrez schaut gerne auf die Dauer, die Kinder mit seinen Apps verbringen, nicht so sehr auf Downloadzahlen. Aber auch die können sich sehen lassen. "The Human Body", die erste App von Tinybop, wurde mehr als sechs Millionen Mal heruntergeladen. Heute hat Raul Gutierrez kein Problem mehr damit, wenn sein Sohn am Smartphone spielt.

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