Süddeutsche Zeitung

Covid-19:Ein erster Blick auf die Corona-Warn-App

Die App ist einfach zu bedienen. Doch Besitzer alter Handys sind sauer und manche Android-Nutzer fragen sich, ob sie nicht doch verfolgt werden.

Von Jannis Brühl

Die offizielle Covid-19-App zur Warnung potentiell Infizierter ist da. Das Design ist modern minimalistisch, die App läuft ersten Tests zufolge flüssig. Auf den Android- und iOS-Geräten der SZ ließ sich die App auch problemlos installieren und nutzen. Auffällig viel Strom verbraucht sie nicht.

Die Oberfläche führt Nutzer direkt zur entscheidenden Funktion: der Aktivierung des Tracings. Denn erst einmal tut die App gar nichts. Die Berechnung des "persönlichen Ansteckungsrisikos" muss man gezielt anschalten. Es berechnet sich nach Abstand und Dauer des Kontakts zu einem anderen, infizierten Nutzer der App, nach der verstrichenen Zeit seit dem Kontakt und dem individuellen Ansteckungsrisiko, dass die Gesundheitsbehörde dem Infizierten zuschreibt.

Den Abstand misst das Gerät über die Bluetooth-Antennen der beiden Geräte. Die Weltgesundheitsorganisation stuft Kontakte als problematisch ein, sobald sich Menschen für 15 Minuten im Abstand von einem Meter zueinander aufhalten. Hält die App das Infektionsrisiko für zu hoch, warnt sie den Nutzer, in Quarantäne zu gehen und sich testen zu lassen. Unmittelbar nach der Installation liegen dafür natürlich noch nicht genügend Informationen über Kontakte vor, deshalb startet man mit "unbekanntem Risiko". Wer infiziert ist und vom Testlabor einen entsprechenden Code zum Scannen bekommen hat, kann das eigene Testergebnis hochladen. Dann warnt die App gefährdete Kontakte. Das Tracing lässt sich jederzeit ausschalten. Die gesamte App lässt sich komplett zurücksetzen, wodurch alle Daten gelöscht werden sollen.

Irritationen löste am Dienstag eine Besonderheit von Android aus. Die App bat manche Nutzer des Betriebssystems, den "Gerätestandort" zu aktivieren. Das widerspricht scheinbar der Zusage, die Wege der Nutzer nicht zu überwachen. Einem Google-Sprecher zufolge handelt es sich um ein Missverständnis. Die für die Nutzung der App Bluetooth-Abfrage erfolge in den Android-Einstellungen unter der Rubrik "Standort", obwohl es dabei gar nicht um den Gerätestandort gehe. Nur wenn diese Einwilligung gegeben sei, könnten andere Bluetooth-Geräte erkannt werden, aber: "Für COVID-19-Benachrichtigungen wird der Gerätestandort nicht ermittelt und eine Standortbestimmung ist zusätzlich explizit durch die Nutzungsbedingungen mit dem App-Anbieter ausgeschlossen."

Am Dienstag klagten zudem Leser mit älteren Handys der SZ-Redaktion ihr Leid, weil sie die Apps nicht zum Laufen brachten. Nutzer brauchen mindestens ein iPhone 6s oder eines mit Android Version 6. In einigen Fällen kann es helfen, das Betriebssystem unter "Einstellungen" zu aktualisieren. Sind die Smartphones zu alt, gehen die benötigten Versionen des Systems aber nicht. SAP zufolge läuft die App auf mehr als 60 Prozent der Smartphones in Deutschland, was einige Millionen Menschen außen vor lässt. Die iPhone-App lässt sich erst ab 17 Jahren nutzen, sonst bräuchte es eine Einwilligungserklärung der Sorgeberechtigten.

Im EU-Ausland und in Großbritannien lässt sich die App nicht einfach herunterladen. Dafür müssen die Ländereinstellungen auf "Deutschland" geändert werden - womit eventuell andere Funktionen des Handys in dem entsprechenden Land eingeschränkt werden.

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