Cloud-Speicherdienste Ob die Daten auf einem privaten Server wirklich besser abgesichert sind?

Theoretisch könnten sich die Nutzer auch ohne die großen US-Anbieter behelfen. Sie könnten daheim einen privaten Server betreiben, also einen Computer, der ständig läuft und mit dem Internet verbunden ist, um seinem Besitzer auf der ganzen Welt die darauf hinterlegten Daten zur Verfügung zu stellen. Dafür ist aber eine besonders stabile Internetverbindung erforderlich, die allein schon oft teurer ist als die Cloud-Angebote. Hinzu kommen Anschaffungskosten, Wartung und das Risiko eines Datenverlusts. Der Betrieb eines eigenen Servers erfordert einen versierten Nutzer - erst recht, wenn ihm daran gelegen ist, dass die Daten vor möglichen Hackerangriffen auch ausreichend geschützt sind.

Den meisten Anwendern ist diese Alternative deshalb zu aufwendig. Für sie soll das Internet so funktionieren wie das Produkt eines Stromanbieters: Wenn man einen Schalter umlegt, soll das Licht angehen. Oder eben, wie in diesem Fall, die Daten griffbereit liegen. Wo diese Daten dann herkommen, spielt dabei offenbar keine so große Rolle, wie nach den Enthüllungen von Edward Snowden weithin angenommen wurde. Inmitten all der Berichte über Geheimdienste und deren Machenschaften befürchteten die US-Anbieter eine Zeit lang, dass sie daran Schaden nehmen würden. Wer sollte schon seine Daten übergeben, wenn Firmen wie Google, Amazon und Microsoft rechtlich zur Herausgabe an Geheimdienste verpflichtet sind? Der tatsächliche Effekt auf die Geschäftszahlen der Online-Konzerne scheint aber minimal zu sein. Auch in Deutschland ist die Nachfrage so groß, dass Amazon Ende Oktober hier zwei Rechenzentren eröffnet hat.

Ob die Daten auf einem privaten Server wirklich besser abgesichert sind als bei Google und Amazon ist durchaus zweifelhaft. Immerhin können es sich die Konzerne leisten, hohe technische Sicherheitsstandards zu pflegen. Die New York Times entschied sich deshalb im vergangenen Jahr dazu, die eigenen E-Mails künftig über Google abwickeln zu lassen. "Es ist sicherlich so", sagt Dr. Matthias Söllner, Wirtschaftsinformatiker an der Universität Kassel, "dass Amazon und Google die Top-Leute in ihre Reihen geholt haben, um die Systeme zu sichern." Seit den Snowden-Enthüllungen verschlüsselt Google den Datenverkehr zwischen seinen Rechenzentren. Das hilft zwar nicht gegen geltende Gesetze, erschwert die Arbeit für Sicherheitsdienste hingegen durchaus, da die Daten nicht mehr so einfach abgesaugt werden können.

Der Weg in die Cloud lockt mit Bequemlichkeit und Effizienz

Dafür entsteht eine neue Gefahrensituation: Sind die Daten erst einmal im Netz, werden auch Hacker aufmerksam. Diese suchen und finden oft genug Wege, um sich in Konten von fremden Personen einzuklinken. Die ohne Erlaubnis veröffentlichten Nacktfotos von Jennifer Lawrence sind nur ein Beispiel. Unbekannte haben die Antworten auf die von Lawrence hinterlegten Sicherheitsfragen erraten ("Was ist Ihr Lieblingssport?") und sich so Zugriff verschafft. Auch der Journalist Mat Honan des Technik-Magazins Wired schilderte eindrücklich, wie sämtliche Online-Konten übernommen und geleert wurden. Die Fotos des neugeborenen Babys? Die waren weg. Zwar konnte Honan mit großem Aufwand weite Teile seiner Daten wiederherstellen, das kostete ihn aber viel Zeit und Geld.

Die Beispiele zeigen: Der Weg in die Cloud lockt mit Bequemlichkeit und Effizienz. Auch dieser Text, ein Gemeinschaftsprojekt zweier Autoren, ist mithilfe von Cloud-Software entstanden. Nur: Wer seine Daten einem Konzern anvertraut, sollte dabei nicht jegliche Vorsicht fallenlassen. Bequemlichkeit allein erleichtert zwar den Alltag. Aber ein effektiver Schutz ist das nicht.