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Apple Pay:Burger und Benzin mit der Uhr bezahlen

FILE PHOTO: Man uses Apple Watch to demonstrate mobile payment service Apple Pay at cafe in Moscow

Kunden, die Apple Pay nutzen, können mit ihrem iPhone bezahlen - oder mit der Apple Watch.

(Foto: Maxim Zmeyev/Reuters)
  • Vor gut einem Monat startete der Bezahldienst Apple Pay in Deutschland, Zehntausende Kunden nutzen ihn bereits. Das sind deutlich mehr als zunächst erwartet.
  • Weil mobiles Bezahlen dadurch alltäglicher wird, profitieren auch andere Anbieter von der Entwicklung. Das Bargeld bleibt in Deutschland aber ungeschlagen.

In dem Supermarkt in der Kölner Innenstadt geht es schnell voran. Die Kassiererin zieht in rasantem Tempo die Ware über den Scanner, nennt den Betrag - und stutzt. Was hat der Kunde gerade gesagt, er möchte mit dem Handy bezahlen? Ja, beteuert der, hält sein iPhone ans Kartenterminal, und es macht "Ba-Bing". Knapp einen Monat nach dem Start von Apple Pay in Deutschland ist der Trend des mobilen Bezahlens noch nicht an allen Kassen angekommen - aber bei den Kunden. Banken sprechen von übertroffenen Erwartungen, von Hunderttausenden registrierten Geräten. Zudem hat der Start die Konkurrenz beflügelt.

Seit dem Start des Bezahldienstes aus Cupertino im Dezember können Apple-Kunden in Deutschland endlich auch mobil bezahlen. Kunden müssen ihre Kreditkarte dafür in die digitale Geldbörse, die sogenannten Apple Wallet, legen. Dann können sie online, in Apps und an vielen Ladenkassen kontaktlos mit Smartphone oder Smartwatch bezahlen. Einzige Voraussetzung: Ihr Finanzinstitut muss mit Apple kooperieren.

Zum Start machten das unter anderem die Deutsche Bank, Comdirect, Boon, Unicredit, N26 sowie sieben weitere Banken. Künftig wollen sich auch die DKB, die Consorbank und die ING anschließen. Bereits im Sommer war Google Pay mit großen Partnern wie der Commerzbank gestartet. Die Sparkassen und Volks-und Raiffeisenbanken haben jeweils eigene Produkte auf den Markt gebracht.

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Wie sehnsüchtig die Apple-Jünger offenbar auf das Angebot des Techkonzerns gewartet haben, zeigen Auswertungen knapp einen Monat nach dem Start. Konkrete Zahlen dürfen die beteiligten Banken aber nicht verkünden - Apple verbietet es.

Über Umwege aber kommt man immerhin auf eine Größenordnung. Bei der Direktbank Comdirect schoss die Zahl der Registrierungen bereits am ersten Tag in den fünfstelligen Bereich und übertraf die Erwartungen in der Quickborner Zentrale. Mittlerweile steuern die angemeldeten Geräte auf den sechsstelligen Bereich zu. Bei durchschnittlich drei Geräten pro Person wären das bald 30 000 Anmeldungen. Bei der Deutschen Bank ist der Kreditkartenbestand seit dem Start um sieben Prozent gewachsen. Die Karte brauchen Kunden, um Apple Pay nutzen zu können.

Max Schertel, Chef der Geschäftsprozesse bei der Berliner Digitalbank N26, berichtet derweil von wechselfreudigen Apple-Fans: "Wir konnten einen deutlichen Anstieg von Neukunden verzeichnen", sagt er. Die Hypovereinsbank sieht ein wesentlich größeres Interesse als bei anderen Produkteinführungen.

Eine bankunabhängige Lösung ist Boon. Die App gehört zum Aschheimer Dax-Konzern Wirecard und ist für all jene gedacht, deren Bank nicht mit Apple kooperiert. Sie bekommen dort eine virtuelle Prepaid-Mastercard, die sie in den iPhones hinterlegen. Georg von Waldenfels, Leiter für Konsumentenprodukte, spricht von einer enormen Steigerung der Aufmerksamkeit in Deutschland. Allein in den ersten Stunden sei die Nutzerzahl bei Boon um 20 Prozent gestiegen. Absolute Zahlen darf auch Boon nicht nennen.

Für Christopher Schmitz, Experte für mobiles Bezahlen bei EY, bringt der Start von Apple Pay in Deutschland das digitale Bezahlen in der Bundesrepublik deutlich voran. Bereits die Ausstattung von knapp 80 Prozent aller Terminals mit einer Funktion zum kontaktlosen Bezahlen, ebenso der Start von Google Pay, seien wichtig gewesen. Apple gebe dem Ganzen nochmal einen kräftigen Schub. "Die Marke bringt viel Aufmerksamkeit mit", sagt Schmitz.

Kunden kaufen mit Apple Pay mehr als mit der Visa-Karte

Genutzt wird Apple Pay insbesondere von Männern. Wirecard zufolge sind etwa 90 Prozent der Kunden männlich und im Durchschnitt 38 Jahre alt. Sie kaufen besonders häufig im Supermarkt, in Fast-Food-Restaurants wie McDonalds und an Tankstellen ein. Für den Handel dürfte eine andere Zahl noch interessanter sein: Die durchschnittlichen Warenkorbwerte sind seit dem Start bei Boon um 12,5 Prozent gestiegen. Bei Comdirect lag der durchschnittliche Monatsbetrag eines Apple-Pay-Nutzers im Dezember bei 225 Euro. Zum Vergleich: Mit einer normalen Visa-Kartenzahlung waren es bisher nur 96 Euro. Das heißt: Kunden kaufen mit Apple Pay mehr.

Der Start des Bezahldienstes von Apple färbt zudem auf andere Angebote ab. Allein der Medienrummel um den Start hat dazu geführt, dass einige Leute auch alternative Bezahldienste heruntergeladen haben. Sie würden es nicht zugeben, aber indirekt haben Sparkassen, Volksbanken und Google vom Start des Konkurrenten profitiert. Gegenüber Apple haben sie zudem den Vorteil, dass ihre Kunden die Girocard hinterlegen können. Das geht bei einem iPhone nicht. Im Vergleich zur Nutzung von Bargeld fällt das kontaktlose Bezahlen auf mobilen Geräte aber noch weit ab und macht bisher nur einen kaum zu erfassenden Teil des Geschäfts aus.

Dass Apple-Kunden in Deutschland so lange warten mussten, ist dem Konzern zuzuschreiben. Jahrelang hat er keine externen Bezahldienste auf seinen Geräten erlaubt und sich mit den deutschen Geldhäusern nicht über seinen Anteil einigen können. Wenn in Europa jemand mit einer Kreditkarte bezahlt, erhält die Bank, welche die Karte ausgegeben hat, bis zu 0,3 Prozent des Umsatzes. Von diesem Anteil verlangt Apple in den USA rund 0,15 Prozent. Für die deutschen Banken, die sowieso unter Kostendruck leiden, war das lange Zeit ein zu hoher Preis. Viele blockten ab.

Konzerne versprechen, anfallende Daten nicht zu nutzen

Auch die Frage, ob man bei Apple Pay nur eine Kreditkarte oder zusätzlich die in Deutschland sehr viel beliebtere Girocard hinterlegen kann, hat Apple viele Diskussionen gekostet. Am Ende haben die Banken sich mit Apple darauf geeinigt, keine Girocard zu akzeptieren, dafür aber Kreditkarten und Debitkarten. Wie hoch Apples Anteil am Umsatz ist, bleibt ein Geheimnis.

Profitieren werden die Banken trotzdem, glaubt Payment-Experte Schmitz von EY: "Wenn nicht über die Umsätze, dann über die Daten." Umso häufiger die Nutzer mit einer Karte bezahlen, desto öfter kann die Bank nachvollziehen, was und wofür ihr Kunde etwas ausgegeben hat. Das versetzt sie in die Lage, ihm auf ihn zugeschnittene Angebote zu machen.

Gläserner wird der Kunde aber dadurch nicht - Banken sammeln die Kreditkartendaten seit jeher. Apple selbst leitet die Daten nur an die Banken weiter, sagt der Konzern. Auch Google verspricht, die Daten nicht zu nutzen, beispielsweise für Werbezwecke.

Ein weiterer Gewinner des Trends könnten kleine Onlinehändler sein. Bisher müssen Kunden dort meist ihre Kreditkartendaten eintippen, was aufwendig ist. Mit Apple Pay spart der Kunde sich das und kauft - so die Hoffnung der Onlinehändler - öfter abseits von Amazon ein.

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