Apple Aus der Garage zur Billionen-Firma

Steve Jobs hat die ersten Apple-Computer in der Garage seiner Eltern im kalifornischen Los Altos zusammengeschraubt.

(Foto: Christoph Dernbach/dpa)

Mitgründer Steve Jobs hat die Grundlage geschaffen, die Apple heute so erfolgreich macht. Wie der Konzern so mächtig wurde - und was ihm jetzt noch gefährlich werden kann.

Von Christoph Giesen und Helmut Martin-Jung

Der Mann im Schlabberpulli (!), kurzen (!!) Hosen und Sandalen (!!!) sagt den Top-Leuten eines weltbekannten Unternehmens, wo es künftig langgehen wird. Die hängen förmlich an seinen Lippen, lachen bei seinen Scherzen, applaudieren spontan. Und sie folgen ihm auf dem neuen Weg. Es ist der Weg zum Erfolg. Dass die Firma, um die es hier geht, der Elektronikkonzern Apple, am Donnerstag als erstes privates Unternehmen überhaupt einen Börsenwert von einer Billion Dollar erreicht hat, ist vor allem das Verdienst des Mannes im Schlabberpulli und seines Weges: Steve Jobs.

Es ist 1997, Jobs ist gerade erst einige Wochen wieder zurück in dem Unternehmen, das er einst mitgegründet und aus dem ihn der Aufsichtsrat einige Jahre zuvor in einer Art Putsch geworfen hatte. In seiner unnachahmlich überzeugenden Art erklärt er der Führungsriege von Apple, warum er mehr als zwei Drittel aller geplanten neuen Produkte gestrichen hat und die betroffenen Mitarbeiter trotzdem begeistert seien. Jobs redet von den zentralen Werten der Firma, die er zu einer der bekanntesten Marken der Welt aufgebaut hatte, die 1997 nur wenige Wochen entfernt ist vom Konkurs.

Am 9. Januar 2007 sagte Steve Jobs „One more thing“ – und präsentierte das erste iPhone.

(Foto: Associated Press)

Und es sind diese Schienen, gelegt von Steve Jobs, auf denen Apple noch heute fährt. Sicher, heute gibt es drei verschiedene Versionen der neuen iPhones, es gibt mehrere Varianten des iPads - sogar welche mit Stift, was Jobs doch immer als überflüssig abgelehnt hatte. Doch das Gleis, das Marketingkonzept, das Apple mit quasireligiöser Inbrunst als etwas Besonderes darstellt, das ist bestenfalls angepasst, aber nie grundsätzlich infrage gestellt worden.

China ist für Apple entscheidend. Deshalb riskiert der Konzern keinen Ärger mit Peking

Und noch etwas kommt dazu. Tim Cook, der Jobs nach dessen Tod 2011 als Apple-Chef folgte, wurde von Jobs persönlich angeworben. Er holt ihn 1998, weil er das Talent Cooks erkennt, Produktion und Lieferketten zu organisieren. Geräte mit dem Nimbus des Besonderen, überteuert verkauft, aber hergestellt in Fabriken mit niedrigen Löhnen und harten Arbeitsbedingungen - auch das ist Teil des Erfolgsrezepts.

Wichtigster Partner für Apple ist dabei China. Die Smartphones etwa werden vom taiwanesischen Konzern Foxconn gebaut, der etliche Produktionsstätten in der Volksrepublik unterhält. Hunderttausende Wanderarbeiter leben kaserniert in den Fabriken und setzen im Schichtbetrieb die Telefone zusammen. Immer wieder wird über die Arbeitsbedingungen geklagt, vor einigen Jahren kommt es zu einer Serie von Suiziden in Foxconn-Werken. Abhängig ist Apple auch von chinesischen Rohstoffen. Das Land steht für mehr als 80 Prozent der weltweiten Förderung jener 17 Metalle, die als seltene Erden bezeichnet werden. Sie sind unerlässlich für ein Smartphone, werden in den Antennen genauso verbaut wie im Akku.

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Die vielen Milliarden, die Apple einnimmt - allein die Barreserven betragen 260 Milliarden Dollar - fließen auch deswegen, weil der Konzern wie viele andere international tätige Unternehmen alle Möglichkeiten nutzt, Steuern zu sparen. Beobachter fragen allerdings auch, ob man das einem Konzern vorwerfen soll, dem seine Anteilseigner im Nacken sitzen. Oder nicht doch eher der Politik, die es nicht einmal innerhalb der EU hinbekommt, Steuerschlupflöcher zu schließen. Apple würde es schon spüren, wenn der Konzern mehr Steuern zahlen müsste, gefährlich würde es ihm aber nicht.

Was kann einem solchen Giganten also überhaupt gefährlich werden? Da ist zum einen das Verhältnis zu China. Der Konzern lässt nicht nur in der Volksrepublik produzieren, der chinesische Markt ist auch einer der wichtigsten für Apple. Entsprechend vorsichtig agiert das Management daher, um ja keinen Konflikt mit Peking zu riskieren. So löschte der Konzern vor gut einem Jahr mehr als 600 sogenannte VPN-Programme aus seinem App-Store in China. Mithilfe dieser Apps ist es möglich, die strenge chinesische Internetzensur zu umgehen, jetzt ist es schwieriger. Die Daten der chinesischen Nutzer speichert der Konzern inzwischen auf Servern in der Volksrepublik.

Zahlen mit Apfel

Für viele Apple-Jünger ist es das Ende der Durststrecke, der Durchbruch. Für die Menschen, die kein iPhone oder keine Applewatch haben, ist es nur ein unverständlicher Hype: Noch in diesem Jahr startet Apple seinen Bezahldienst Apple Pay auch in Deutschland. Damit können die Nutzer der Geräte des US-Konzerns an Deutschlands Kassen, im Internet und in Apps bezahlen. Die einzige Voraussetzung ist, dass die eigene Bank mit an Bord ist. Öffentlich bekannt haben sich in Deutschland unter anderem die Deutsche Bank, die Hypo-Vereinsbank, die Digitalbank N26 und der Wirecard-Ableger Boon. Die Sparkassen sind sich noch nicht einig, was sie eigentlich wollen und Zurückhaltung herrscht bei der ING Diba und den Volks- und Raiffeisenbanken. Letztere fordern gar, dass Apple die Schnittstelle in seinen Geräten öffnen müsse, damit Banken ihre eigenen Apps darüber anbieten können. Bisher erlaubt der Konzern nur dem eigenen Bezahldienst den Zugriff auf die NFC-Schnittstelle, über die Daten zwischen Kasse und Smartphone ausgetauscht werden. Das übrigens ist - wie bei anderen Smartphones auch - genauso sicher wie mit der Karte zu bezahlen. Die Daten sind in beiden Fällen verschlüsselt und beim Einkauf sogar teilweise anonymisiert. Sollten Kriminelle das Smartphone klauen um damit auf Shoppingtour zu gehen, muss der Kunde für den entstandenen Schaden nur bis zu maximal 50 Euro selbst einspringen. Nils Wischmeyer

Die größte Gefahr für Apple aber ist der Handelskonflikt zwischen den USA und China. US-Präsident Donald Trump soll Apple-Chef Cook zwar zugesichert haben, dass die US-Regierung keine Zölle auf die in China gefertigten iPhones erheben wird, dennoch sind die Sorgen groß, zwischen den Stühlen zu sitzen. Warum? Das schrieb bereits wenige Tage nach Trumps Wahl die Parteizeitung Global Times: Im Falle eines Handelskriegs werde China "eine Charge von Boeing-Aufträgen durch Airbus ersetzen, amerikanische Autos und iPhones hätten es schwer in China, die Importe von Sojabohnen und Mais würden gestoppt", skizzierte die Zeitung. Sojabohnen sind inzwischen mit Strafzöllen belegt.

Ansonsten kann Apple sich nur selbst besiegen. Durch Behäbigkeit oder durch Hybris. Wenn der Konzern das nächste große Ding verpasst. Alle zehn, 15 Jahre ist es so weit: Eine neue Technologie bricht sich Bahn, stellt ganze Branchen auf den Kopf. Apple hat das mehrere Male geschafft. Der Konzern brachte die Musikindustrie dazu, Songs einzeln online zu verkaufen, erfand das Smartphone von Grund auf neu - mit nahezu unabsehbaren Folgen. Und Apple schuf einen neuen Wirtschaftszweig, die App-Ökonomie, und platzierte sich mehr als jeder Mitbewerber in deren Zentrum. Wer mag und es sich leisten kann, bekommt in Apples Universum - manche nennen es auch einen goldenen Käfig - alles, was er an Unterhaltung braucht.

Doch Apple ist zwar groß und mächtig, aber keinesfalls ohne Konkurrenz. Gute Smartphones bauen auch andere, Musik aus dem Netz gibt es schon lange auch anderswo, genauso wie schicke Computer und Tablets. Dafür, dass Apple so erfolgreich ist, muss man es nicht bestrafen. Auch nicht dafür, dass man es sich leisten kann, viel an Forschungsaufwand den Zulieferern aufzubürden. Gefährlicher als die Marktmacht Apples sind die Konzerne, die ihr Geschäft nahezu ausschließlich auf Daten aufbauen. Unseren Daten.

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