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Provisionen in Apples App-Store:Die erste Million wird billiger

FILE PHOTO: The Apple logo is seen at an Apple Store, as Apple's new 5G iPhone 12 went on sale in Brooklyn, New York

Apple will künftig weniger Provision von kleinen Entwicklern.

(Foto: Brendan McDermid/REUTERS)

Kleinere App-Entwickler sollen ab 2021 nur noch 15 Prozent Provision an Apple zahlen. Die Entwickler atmen auf, Apple dagegen könnte der Schritt auch im Kampf gegen staatliche Regulierung und gegen den "Fortnite"-Macher Epic Games helfen.

Von Max Muth

App-Millionär werden im Apple-Kosmos wird künftig etwas leichter. Der Techkonzern aus Kalifornien will von kleineren Entwicklern und Studios bald geringere Provisionen für Käufe im App-Store verlangen. Bislang kassiert das Unternehmen für Verkäufe, die im App-Store zustande kommen, 30 Prozent. Künftig soll der Beitrag für Studios, die weniger als eine Million Dollar im Jahr verdienen, auf 15 Prozent halbiert werden.

Als Grund für den Schritt nennt Apple die wirtschaftlich schwierige Situation für "Small Businesses", also kleinere Unternehmen, in der Corona-Krise. Das Programm soll aber ungeachtet der Pandemie dauerhaft bleiben. Tatsächlich dürfte es bei Apples Schritt auch um den Streit mit dem Spieleentwickler Epic Games gehen, der vor einigen Monaten medienwirksam gegen die App-Provisionen auf die Barrikaden ging.

Um in den Genuss der reduzierten Provision zu kommen, müssen sich Entwickler bei Apple aktiv um die Ermäßigung bewerben. Apple prüft dann die Einnahmen, die über die ID des Entwicklers generiert wurden. Liegen die im Vorjahr unter einer Million Dollar (nach Abzug der Apple-Provision), wird der Rabatt gewährt. Überschreitet der Entwickler im Jahr darauf die Millionengrenze, wird auf die zusätzlichen Einnahmen der Anteil von 30 Prozent fällig. Im folgenden Jahr wäre wieder die normale Provision fällig, so lange bis die Einnahmen wieder unter die Schwelle fallen.

Apple erhört die kleinen Entwickler

Solche Details könnten bei kleinen aber wachsenden Studios zu einiger Gedankenakrobatik führen. Wer Gefahr läuft, bald knapp über die Grenze zu rutschen, könnte sich gezwungen sehen, neue Apps unter anderem Namen herauszubringen oder anderweitig kreativ zu werden. Auch der Schweizer Entwickler Oliver Reichenstein macht sich darüber jetzt ein paar Gedanken. In erster Linie ist der Chef des Zürcher Studios "iA" aber froh über die Ankündigung: "Ich bin überrascht", sagt Reichenstein am Telefon, "aber ich finde toll, dass Apple zeigt, dass sie auf die kleinen Entwickler hören". Die 30 Prozent Provision hätten meist ziemlich genau seinen Gewinn geschluckt. Die Halbierung der Provision gebe ihm nun endlich mehr Spielraum.

Der Umsatzverlust für Apple dürfte nach Einschätzung Reichensteins eher marginal sein. "In der PR werden wir immer nach vorne geschoben, es ist ja auch eine gute Geschichte, dass wir Kleinen so Geld machen können und nicht für böse Unternehmen arbeiten müssen", so Reichenstein. Das Gros der Einnahmen im App-Store stamme jedoch von großen Gaming-Anbietern, dann folgten Microsoft, Adobe und andere Riesen.

Für Apple ist die Aktion also günstige PR, für die kleinen Entwickler aber gleichzeitig eine spürbare Verbesserung. Win-Win wie es im Buche steht, oder? Klare Verlierer gibt es tatsächlich nicht. Mit etwas Mühe kann man die EU und Epic Games als solche identifizieren. Der "Fortnite"-Macher, weil deren Klage über zu hohe App-Store-Provisionen nun eine Menge Wind aus den Segeln genommen wurde. Viele hatten den Kampf Goliath (Epic) gegen Goliath (Apple) deshalb gutgeheißen, weil auch viele Davids unter den hohen Provisionen zu leiden hatten.

Ähnlich liegt der Fall bei der EU. Da droht den App-Stores von Apple und Google künftig staatliche Regulierung. Ein Argument: Das App-Store-Duopol der beiden US-Unternehmen mit seinen hohen Gebühren verhindere Innovation und das Wachstum kleinerer Unternehmen. Dieses Argument hat, zumindest in Bezug auf Apple, nun einiges an Kraft eingebüßt.

© SZ/mri
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