Studium:"Bisher war das ein reines Expertenthema"

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Das scheint nötig zu sein. Denn an vielen Lehrstühlen sind noch dicke Bretter zu bohren. So erklären sich die Bemühungen vor allem der Politik und der Wirtschaft, die Hochschulen beim Thema Digitalisierung auf Trab zu bringen. "Bisher war das ein reines Expertenthema", erläutert Ralph Müller-Eiselt, Fachmann für digitale Bildung bei der Bertelsmann-Stiftung. "Nun müssen wir in die Breite gehen, nämlich hin zu den Lehrenden: Wo kann der einzelne Professor welche digitalen Hilfsmittel einsetzen?"

Die Lehrenden, das zeigt eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung, sind mit Onlinekursen, Präsentationstools und Social Media hinlänglich vertraut. Allerdings stehen die Dozenten nur bedingt hinter dieser Art der Lehre: Sie äußerten Skepsis gegenüber der Wissensvermittlung durch Videos (86 Prozent), sehen ungelöste rechtliche Probleme (62 Prozent) und beklagen den hohen Aufwand in der Vorbereitung (60 Prozent). Drei von fünf Professoren fühlen sich gestört, wenn Studierende in den Vorlesungen Laptops benutzen.

Datenkompetenz

"Data literacy" ist die Fähigkeit, Daten bewusst einsetzen, hinterfragen und auswerten zu können. Das Hochschulforum Digitalisierung sieht darin ein zentrales Gut der Wissensgesellschaft und sucht nach Wegen, sie den Studierenden an den Hochschulen zu vermitteln. Der Erwerb von "Data literacy" sei entscheidend dafür, in der digitalen Welt fachspezifisch Wissen und Kompetenz aufbauen und einsetzen zu können. Das Hochschulforum hat eine Studie ausgeschrieben, die nationale und internationale Beispiele von Fächern, Vermittlungsformaten und Strukturen an Hochschulen mit Blick auf die Vermittlung von Data literacy untersuchen soll. Die Studie soll Wege aufzeigen, wie die neue Basiskompetenz in alle Disziplinen und Curricula integriert werden kann. Christine Demmer

Die fehlende Technik ist nicht der Punkt. Mit der Ausstattung der Hörsäle sind die Studenten zufrieden. "Noch sind sie es", warnt Ralph Müller-Eiselt. Er äußert sich in ähnlicher Weise wie Dräger: "Sie sind gewohnt, das zu nehmen, was ihnen geboten wird. Sobald die Studenten gute digitale Lernkontexte erfahren haben, fordern sie sie als selbstverständlich ein." Nicht jede Hochschule müsse alles digitalisieren. Aber jede brauche eine Strategie für den technologischen Wandel. Diese könne sich auf neue didaktische Angebote und Lehrformen richten. Müller-Eiselt nennt ein Beispiel: "Wenn man sich neue Zielgruppen wie Studierende aus bildungsfernen Familien erschließen will, können digitale Medien helfen, mit der Vielfalt der Studienanfänger und ihrer Vorkenntnisse umzugehen und alle möglichst schnell auf einen ähnlichen Stand zu bringen."

Das Hochschulforum Digitalisierung spendiert jährlich sechs Hochschulen eine kostenlose Strategieberatung. Aus den 56 Hochschulen, die sich zum Programmauftakt im Frühjahr dieses Jahres darum beworben hatten, wählte eine Jury die Hochschule Bochum, die TU Braunschweig, die Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden, die Universität Göttingen, die Pädagogische Hochschule Heidelberg und die Universität Stuttgart aus. Ihre Erfahrungen sollen später allen Hochschulen zugänglich gemacht werden.

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