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Schulen - Wiesbaden:Schulen stehen nach Herbstferien vor neuen Herausforderungen

Ausbildung
Der hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU). Foto: Frank Rumpenhorst/dpa/Archiv (Foto: dpa)

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Wiesbaden (dpa/lhe) - Wegen der Corona-Pandemie blicken Vertreter von Lehrern und Eltern in Hessen mit Sorgen auf den Schulstart nach den Herbstferien am Montag (19. Oktober). "Wir sehen das kritisch - vor allem mit Blick auf die kalte Jahreszeit", sagte die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Birgit Koch, der Deutschen Presse-Agentur in Wiesbaden. Problematisch werde das Stoßlüften, das laut Hygieneplan alle 20 Minuten für die Klassenräume vorgeschrieben ist. "Schüler frieren ja eh schon grundsätzlich", sagte Koch. Jedes Öffnen der Fenster werde für Unruhe sorgen. "Wir werden es dennoch machen, aber das ist nicht lustig."

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) sieht regelmäßiges Lüften von Klassenräumen in der kalten Jahreszeit als eine sehr wirksame Methode gegen die Verbreitung des Coronavirus. Experten beurteilten es ohnehin eher kritisch, wenn Kinder in stickigen, überhitzten Räumen säßen, sagte er. Nach Einschätzung von Hygienikern sei Lüften das beste Mittel, um Infektionen vorzubeugen.

Beim empfohlenen Stoßlüften alle 20 Minuten sinke die Raumtemperatur kurzzeitig nur um zwei bis drei Grad ab. Kinder- und Jugendmediziner würden ganz klar sagen, dass dies unbedenklich sei. "Das kann man aushalten - und sobald die Fenster wieder zu sind, steigt die Temperatur auch wieder zügig an", erläuterte Lorz.

Zu der Frage, ob spezielle Lüftungsgeräte für Klassenzimmer eingesetzt werden sollen, gebe es auch in der Wissenschaft noch keine abschließende Meinung. "Die Diskussion ist jetzt seit ungefähr vier bis fünf Wochen im Gange. Seither werden wir mit Angeboten von entsprechenden Firmen überschwemmt", sagte der Minister. Das müsse man sich sehr genau anschauen. "Wir brauchen valide Erkenntnisse, um dann gegebenenfalls sinnvoll investieren zu können."

Erste Studien gäben Hinweise darauf, dass bestimmte Techniken unter bestimmten Umständen hilfreich sein könnten. "Experten sagen aber auch, das kann das Lüften nicht ersetzen, sondern lediglich ergänzen", betonte der Minister. "Im Endeffekt braucht auch nicht jeder Klassenraum ein Lüftungsgerät, sondern primär die Klassenräume, in denen Stoß- und Querlüften nicht gut funktionieren."

Die Gewerkschaftsvorsitzende Koch sagte, sie vermisse nach wie vor griffige Konzepte der Landesregierung im Kampf gegen die Pandemie. Der neu aufgelegte Hygieneplan, der nach den Herbstferien gilt, sei im Vergleich zum vorangegangenen nur minimal verändert worden. Sie plädiere für Präsenzunterricht in kleineren Gruppen, auch um solche Kinder besser fördern zu können, die in der Corona-Krise zu kurz gekommen seien, sagte Koch. "Abstand halten ist ja das Gebot der Stunde." Dafür müssten beispielsweise Klassen geteilt werden - während ein Teil Unterricht habe, sollte der Rest in der Schule betreut werden.

Der Vorsitzende des Elternbundes Hessen, Klaus Wilmes-Groebel, sieht den Schulstart nach eigenen Worten "mit großer Sorge und auch mit Angst". Dabei habe er aber nicht nur die Gesundheit der Kinder im Blick - sondern die möglicherweise drohenden erneuten Schließungen von Schulen und Kitas wegen der Pandemie. "Homeschooling hat in Kombination mit Homeoffice in vielen Familien für große Probleme gesorgt", sagte er.

Besonders betroffen seien Alleinerziehende und sozial schwächere Familien. Auch hätten es Grundschüler insgesamt schwerer, zu Hause zu lernen, als ältere Kinder, betonte Wilmes-Groebel. Das zurückliegende Schuljahr habe bereits bei vielen Schülern zu deutlichen Wissenslücken geführt. Er forderte von der Landesregierung spezielle Förderpläne. Im Lehrplan werde der Rückstand nicht berücksichtigt. Zum Elternbund Hessen haben sich rund 300 Eltern zusammengeschlossen.

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