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OECD-Bildungsbericht:Hörsaal statt Betrieb

Pflegeausbildung

In der Corona-Krise wurde deutlich, wie wichtig gut ausgebildetes Personal im Krankenhaus ist.

(Foto: dpa)

In Industriestaaten haben immer mehr Erwachsene einen Uni-Abschluss, eine Ausbildung reicht vielen nicht mehr - zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der OECD. Was das spätere Gehalt im Job angeht, gibt es nach wie vor große Unterschiede.

Von Henrike Roßbach, Berlin

In den Industriestaaten ist die berufliche Bildung verglichen mit der akademischen auf dem Rückzug. Das geht aus einer aktuellen Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Demnach ist der Anteil Erwachsener mit einem berufsbildenden Abschluss als höchste Qualifikation in der jüngeren Generation um fünf Prozentpunkte gesunken, während der Anteil Erwachsener mit einem Hochschulabschluss oder einer vergleichbaren Qualifikation um zehn Prozentpunkte gestiegen ist.

Die OECD erklärt diese Entwicklung unter anderem damit, dass die Beschäftigungschancen für Akademiker im Laufe ihres Berufslebens besser seien als die von Beschäftigten ohne Hochschulabschluss oder vergleichbare Bildungsabschlüsse. Selbst gegenüber jenen, die nur einen allgemeinbildenden Schulabschluss haben, ist die Beschäftigungsquote von Arbeitnehmern mit beruflicher Ausbildung im späteren Leben nicht mehr höher. Hinzu kommen die Verdienstmöglichkeiten: Im Schnitt der OECD-Länder verdienen Nicht-Akademiker 34 Prozent weniger als Beschäftigte mit Hochschulabschluss. Konkret kommen Bachelorabsolventen auf ein Gehaltsplus von 43 Prozent, mit Master oder Promotion sind es 89 Prozent.

In Deutschland entscheiden sich mit 46 Prozent aller Schülerinnen und Schüler nach wie vor ziemlich viele für eine Berufsausbildung; vier Prozentpunkte mehr als im OECD-Schnitt. Zudem sind duale Ausbildungen - hierzulande Berufsschule und betriebliche Ausbildung - in Deutschland viel verbreiteter als in anderen Ländern. Dreimal so viele Jugendliche machen hierzulande eine solche duale Ausbildung.

Manchmal lohnt sich auch eine Ausbildung

Die aktuelle Krise habe gezeigt, wie dringend Deutschland die jungen Leute braucht, die eine solche Ausbildung machten, sagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU), vom Einzelhandelskaufmann im Supermarkt bis zur Krankenpflegerin.

In den verschiedenen OECD-Ländern unterscheiden sich die beruflichen Bildungswege zum Teil sehr stark. Denn in Ländern "mit gut entwickelten integrierten schulischen und betrieblichen Ausbildungsgängen" - wie etwa in Deutschland - sind die Beschäftigungsquoten für Absolventen beruflicher Bildungsgänge sehr hoch, teilweise sogar höher als die von Akademikern.

Was die Ausgaben für den gesamten Bildungssektor angeht, konstatiert die OECD einen Rückgang gemessen an der wirtschaftlichen Entwicklung: Die Bildungsausgaben der Industrieländer stiegen zwischen 2005 und 2012 mit 17 Prozent langsamer als das Bruttoinlandsprodukt, das um 27 Prozent zulegte.

Welche Rolle spielt Corona?

Untersucht hat die OECD für ihren Bericht auch die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Bildungssektor. Auch wenn Schulschließungen in den Ländern unterschiedliche gehandhabt wurden - teilweise blieben zum Beispiel Grundschulen offen, teilweise gab es keine landesweiten sondern nur regionale Schulschließungen -, zeigt sich, dass Ende Juni in zwei Ländern die Schulen sieben Wochen lang geschlossen waren, in sechs Ländern acht bis zwölf Wochen, in 24 Ländern zwölf bis 16 Wochen und in 13 Ländern 16 bis 18 Wochen. Mehr als 18 Wochen waren die Schulen in China geschlossen.

Auch Bildungsministerin Karliczek betonte mit Blick auf die zurückliegenden Schulschließungen, "wie wichtig es sei, den Kindern jetzt ein vollständiges Schuljahr zu bieten". Laut OECD habe die Krise die Länder in einer Situation getroffen, in der sie noch nicht vorbereitet waren auf die Möglichkeiten des digitalen Lernens. Viele Lehrer hätten Nachholbedarf, was die Weiterbildung in diesem Bereicht angeht. Dennoch kamen in fast allen Ländern - neben Arbeitsblättern und Büchern - in der Krise auch digitale Lernplattformen zum Einsatz, von Bildungsangeboten, die Schüler selbst nutzen konnten, bis zu Echtzeitunterricht in virtuellen Klassenräumen.

Laut OECD birgt die Krise die Chance für grundlegende Veränderungen; es bestehe die Möglichkeit, dass die Staaten nicht wieder zum Status quo zurückkehrten, sondern widerstandsfähiger gegenüber Schocks wie der Pandemie aus der Krise kämen.

© SZ.de/dpa/jerb
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