Homosexualität als Thema im Unterricht "Niemand wird wegen des Bildungsplans schwul"

Über den neuen Bildungsplan in Baden-Württemberg, der sexuelle Vielfalt im Unterricht thematisieren soll, wird weiter gestritten. Während der Landesschülersprecher die Pubertät zur "Zeit des Ausprobierens" erklärt, sagt der CDU-Fraktionschef: Homosexualität sollte nicht so im Mittelpunkt stehen.

Im baden-württembergischen Streit um den Umgang mit sexueller Vielfalt an Schulen schlägt sich die Landtagsopposition auf die Seite der Kirchen. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Peter Hauk sagte im Deutschlandfunk, seine Partei begrüße es zwar, Vorurteile gegen Homosexualität abbauen zu wollen. Störend sei jdoch, dass die Landesregierung "ausschließlich die Themen der sexuellen Vielfalt in den Mittelpunkt" rücken wolle. Die regierenden Parteien, die Grünen und die SPD, wollen sich dafür einsetzen, dass die "Akzeptanz sexueller Vielfalt" künftig fächerübergreifend in der Schule thematisiert wird.

Homophobie, sagte Hauk, sei kein Problem der schulischen Erziehung, sondern ein allgemeines gesellschaftliches Problem. "Die, die im Augenblick nicht tolerant sind, ist doch die Landesregierung, die denjenigen, die diesen Leitlinien nicht folgen mögen, Intoleranz und Homophobie vorwerfen", so Hauk weiter.

Der Landeschülerbeirat warnt in der Debatte vor Panikmache: "Die sexuelle Vielfalt ist doch ein Teil unserer Gesellschaft, warum sollte sie nicht im Unterricht vorkommen", sagte der Vorsitzende Christian Stärk zu Spiegel Online. Er ist auch Vorstand der Bundesschülerkonferenz.

Stärk sagte: "Niemand wird wegen des Bildungsplans schwul oder hetero. Die Pubertät ist die Zeit zum Ausprobieren, und da ist es doch befreiend zu wissen, dass alle Richtungen okay sind. Ich finde die Argumente realitätsfern und noch schlimmer: Solche Ablehnung fördert Homophobie."

Am Freitag hatten sich die Landeskirchen in Baden-Württemberg gegen den Toleranz-Unterricht ausgesprochen. Kinder und Jugendliche dürften bei ihrer Suche nach der sexuellen Identität nicht beeinflusst werden, erklärten die katholische und evangelische Kirche. Konkret heißt es in dem gemeinsamen Statement: "Jeder Form der Funktionalisierung, Instrumentalisierung, Ideologisierung und Indoktrination gilt es zu wehren. Dies gilt nicht zuletzt im sensiblen Bereich der sexuellen Identität und damit verbundener persönlicher und familiärer Lebensentwürfe."

Eine umstrittene Online-Petition gegen den Plan hat bereits mehr als 80.000 Unterstützer. Unter dem Schlagwort "Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens" wirbt ein Realschullehrer im Internet um Unterstützer. In der Petition wird behauptet, ein homosexueller Lebensstil bringe negative Begleiterscheinungen mit sich, wie eine "höhere Suizidgefährdung unter homosexuellen Jugendlichen" und eine "erhöhte Anfälligkeit für Alkohol und Drogen". Befürworter von Rechten Homosexueller argumentieren dagegen, dass diese Probleme ihren Ursprung nicht in der Homosexualität, sondern in der Diskriminierung hätten, die damit einher gingen.