Hessisch für Anfänger Vom Bembel ins Gerippte

Ebbelwei-Express: Eine bunt bemalte historische Straßenbahn, mit der man Stadtrundfahrten machen kann, inklusive Bewirtung an Bord.

Geripptes: Vom Bembel ins Gerippte, das ist der Weg, den Apfelwein nehmen sollte, bevor er getrunken wird. Das Gerippte ist ein Glas mit einem speziellen netzartigen Muster. Die üblichen Größen sind 0,25 und 0,5 Liter, vereinzelt stößt man noch auf 0,3-Liter-Versionen. Geripptes ist auch der Spitzname für den "Westhafen Tower", ein Hochhaus, an dem vorbeikommt, wer vom Hauptbahnhof zum Main geht, und dessen Glasfassade an das Muster der Apfelwein-Gläser erinnert.

Grie Soß: Ist eine, wenn nicht die regionale Spezialität. Die "grüne Soße" basiert auf einer Mischung aus sieben Kräutern (Borretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer und Schnittlauch), die man im Gemüseladen oder auf dem Markt als kleines Paket kaufen kann. Klein gehackt werden sie mit Schmand oder saurer Sahne und einigen anderen Zutaten vermischt. Über die Details der Zubereitung führen Fachleute erhitzte Diskussionen. Wenn man es halbwegs richtig macht, entsteht eine aromatische Soße, die meist mit Kartoffeln und hartgekochten Eiern oder Tafelspitz gereicht wird.

Gude/Gude wie/Ei, gude wie: Der Bayer sagt "Servus" oder "Griaß di", der Norddeutsche "Moin" und der Frankfurter "Gude", eine Kurzform von "Guten Tag". Die Ergänzung um ein "Wie" gibt dem Gegenüber die Möglichkeit zu antworten, wie es ihm geht - das wird aber nicht unbedingt erwartet. In der Langversion mit einem vorangestellten "Ei" signalisiert die Grußformel Freude oder Überraschung, das Gegenüber zu sehen. Wer als Zugezogener solchermaßen begrüßt wird, hat es also geschafft in der neuen Heimat.

So lebt es sich in der Uni-Stadt Frankfurt

Frankfurt ist nicht nur Bankenstadt, sondern auch Studentenstadt. Neulinge fragen sich: Welches Viertel ist hip? Was, bitte, sind Bembel? Und wo hat man die beste Aussicht auf die Skyline? Der Ratgeber von SZ.de und jetzt.de liefert Antworten. Von Sebastian Reuter (Text) und Katharina Bitzl (Illustration) mehr ... Studentenatlas Frankfurt am Main

Handkäs mit Musik: eine weitere Säule der regionalen Küche, die jedes Ebbelwoi-Lokal im "Kleine Gerichte"-Portfolio hat. Der für Hessen typische Sauermilch-Käse wird dafür in Scheiben geschnitten und in einer Mischung aus Essig, Öl und Kümmel eingelegt. Darüber wird ein kleiner Berg aus gehackten rohen Zwiebeln gestreut - die "Musik" im Gericht. Das Wort "Musik" ist übrigens ein schönes Beispiel dafür, wie sich der Klang des Frankfurterischen vom Hochdeutschen unterscheidet. Denn hier wird Musik auf der ersten Silbe betont, wie so ziemlich jedes andere Wort auch, zum Beispiel Cousin oder Chaussee.

Hibbdebach und dribbdebach: Diesseits und jenseits des Mains liegen die zwei Teile Frankfurts. Die Perspektive ist von der historischen Altstadt aus gedacht: Hibbdebach ist der nördliche Teil, dribbdebach ist im wesentlichen Sachsenhausen, der inzwischen größte Stadtteil Frankfurts, der besonders für die hohe Dichte an Ebbelwoi-Lokalen bekannt ist.

Kreppel: ein Stück Teig, in Fett gebacken, oft gefüllt mit Marmelade und bestäubt mit Puderzucker. Die Bayern nennen es Krapfen, die Norddeutschen Berliner und die Berliner Pfannkuchen. In Frankfurt ist es: ein Kreppel.

SGE: Jedes Kind in Deutschland kennt Eintracht Frankfurt - oder sollte sie kennen. Warum? Wo soll man da anfangen: Jay-Jay Okochas unfassbares Tor gegen Oliver Kahn, Anthony Yeboah, einst der beste Stürmer der Bundesliga (seine Fans sind die Zeugen Yeboahs), der serbo-hessische Trainer Dragoslav Stepanovic mit Trenchcoat, Schnäuzer, Zigarillo und einem Satz für die Ewigkeit: "Lebbe geht weider". Um nur ein paar Beispiele zu nennen. In Frankfurt ist oft nur die Rede von der "SGE", das steht für Sportgemeinde Eintracht Frankfurt.

Wäldchestag: ein spezieller Frankfurter Festtag, immer am Dienstag nach Pfingsten. Früher schlossen Geschäfte und Büros am Mittag und die Leute gingen "ins Wäldche", zu einem Jahrmarkt im Stadtwald. Der Charakter des Frankfurter Nationalfeiertags ist inzwischen weitgehend abgeschliffen. Aber das insgesamt viertägige Volksfest gibt es immer noch.

Wasserhäuschen: So heißen in Frankfurt Kioske oder Trinkhallen. Manche sind etwas windschiefe Hütten, die wie zufällig auf einer Verkehrsinsel stehen, manche sind kleine Prachtbauten, die repräsentativ am Eingang zu einem Park liegen. In Wasserhäuschen gibt es auch zu sehr früher oder sehr später Stunde Getränke, Snacks, Zeitschriften und anderes Lebensnotwendiges zu kaufen. Die Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten hat die Wasserhäuschen allerdings um ihr Alleinstellungsmerkmal gebracht.