Handys in der Schule:Schüler-Handys sparen Kosten

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Auch das Moerser Gymnasium Filder-Benden stellte sich unter diesem Gesichtspunkt die Frage, ob ein Handy-Verbot eigentlich sinnvoll ist. Nein, erklärt der stellvertretende Schulleiter Wilhelm Derichs, "denn es gehört zum Alltag der Schüler, auf dem Schulhof und im Gebäude". Unschlagbar ist aus seiner Sicht auch das Kostenargument: Zurzeit verfügt die Schule über drei PC-Pools, kommt damit auf einen Computer für 16 Schüler und sei "am Limit der Finanzierung" angekommen.

Didaktisch sinnvoll wäre Derichs zufolge ein Computer für vier Schüler, was mit festinstallierten Geräten quasi nicht bezahlbar ist. Bis zum Sommer soll die Oberstufe einen drahtlosen Online-Zugang für eigene Geräte bekommen, in der Schlussphase des Projekts alle 1100 Schüler. Inklusive Begleitunterricht: Auch wenn die Geräte zum Alltag der Schüler gehören, sagt Marc Lachmann, Lehrer für Medienerziehung in Moers, "heißt das noch lang nicht, dass sie sich wirklich damit auskennen".

Spielen, Facebook, Youtube-Videos - das kann jeder aus der Netzgeneration. Präsentationstechniken und derlei aber kaum.

Schüler helfen Schülern

In Xanten gibt es dafür "Medienscouts", eine Schüler-AG, die sich um Beratung und technische Hilfe kümmert. "Wir klicken nicht weg", heißt ihr Slogan. Er steht auf einem Transparent über der Ausleihe, einem Raum mit Regalen voller schuleigener Notebooks, in dem die Scouts in jeder großen Pause Dienst schieben.

Das Argument, wegen einer eher mauen IT-Ausstattung am BYOD-Projekt teilzunehmen, gilt hier offenbar nur bedingt. Fast immer herrscht Hochbetrieb, Schüler leihen Hardware aus oder bringen sie zurück, manche stellen Fragen. Die Scouts leisten noch mehr: In der Unterstufe werden sie von Lehrern angeheuert, um den Kindern beim Einstieg in das Arbeiten mit Computern zu helfen.

"Die tägliche Medienwirklichkeit von Jugendlichen und die schulische Arbeit mit digitalen Medien klaffen immer weiter auseinander", meinen die BYOD-Forscher aus Duisburg. Das Potenzial ihres Konzepts liege weniger in der Debatte um schulische IT-Ausstattung, sondern betreffe die Weiterentwicklung von Schulalltag und Unterricht generell.

Auch wenn in Xanten erst ein Bruchteil der Schüler durchgängig Handys im Unterricht einsetzt, hat der Wegfall des Handy-Verbots die Atmosphäre verändert. Man gehe entspannter miteinander um, sagt die Schulleitung. Und: Ärger um Handy-Missbrauch im Unterricht sei fast kein Thema mehr.

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