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Doktorarbeit von Franziska Giffey:"Griffig könnte man Teile der Arbeit als "fake science" bezeichnen"

Wie schwer ist das Fehlverhalten im Vergleich zu anderen bekannten Fällen wie Schavan oder dem niedersächsischen CDU-Politiker Bernd Althusmann?

Mit dem Fall Althusmann habe ich mich nie näher befasst. Rein vom Umfang der Plagiate her ist der Fall Giffey mit dem Fall Schavan vergleichbar. Aufgrund der willkürlichen Referenzierungen wiegt das Fehlverhalten aber schwerer als bei Frau Schavan, die "nur" abgeschrieben hat. Frau Giffey führt die Leser jedoch nicht nur in Bezug auf die Urheberschaft des Textes selbst in die Irre, sondern an vielen Stellen auch darüber, welcher Autor was gesagt hat. Griffig könnte man Teile der Arbeit als "fake science" bezeichnen.

Was ist für Sie das Besondere im Fall Giffey?

Die zahlreichen willkürlichen Referenzierungen, die ich so noch in keiner anderen Arbeit gesehen habe. Vereinfacht kann man sich das so vorstellen: Frau Giffey schreibt zwei Sätze aus einem Text von Meier ab, gibt dann aber nicht Meier als Quelle an, sondern Müller. Oder sie gibt zwar Meier an, aber zusätzlich auch noch Müller und Schulze, durch deren Nennung die Aussage jedoch nicht belegt wird. Und da sie das nach meinen Recherchen in einer zumindest im mittleren zweistelligen Bereich anzusiedelnden Anzahl von Fällen macht, ist hierbei von Absicht auszugehen.

Oft sind die Literaturnachweise "Müller" und "Schulze" auch noch aus anderen Arbeiten abgeschrieben, wobei sie in etlichen Fällen auch Fehler in der Schreibweise von Autor oder Titel oder bei der Jahreszahl übernimmt. Das ist eindeutig wissenschaftliches Fehlverhalten, da Frau Giffey die Leser ihrer Arbeit auf diese Weise bewusst hinters Licht führt. Ich kann nur jeden ermuntern, sich die Fragmente in der speziell hierfür angelegten Kategorie "Verdacht auf willkürliche Referenzierung" auf der "Befunde"-Seite bei VroniPlag Wiki einmal anzusehen und die Stellen bei Interesse auch gerne selbst nachzuprüfen. Als Einstieg schlage ich Fragment 085 29 vor.

Arbeiten Sie selbst als Wissenschaftler?

Die Frage möchte ich nicht beantworten.

Sie prüfen nun schon seit Jahren erfolgreich die Dissertationen von prominenten Persönlichkeiten. Warum geben Sie Ihre Identität nicht preis?

Ich ziehe es vor, meine Ruhe zu haben. Wenn mein Name bekannt würde, wäre es damit für längere Zeit vorbei.

Inwiefern verfolgen Sie mit Ihrer Arbeit ein politisches Ziel?

Auch wenn Politiker keine besseren Menschen sein müssen, kann es nicht schaden, ab und zu darauf aufmerksam zu machen, dass es - unabhängig von der Parteizugehörigkeit - in der ersten und zweiten Reihe der Politik doch ein paar Leute gibt, die mir suspekt erscheinen. Einer von ihnen hat massiv in seiner Doktorarbeit abgeschrieben, bekleidet heute das höchste Staatsamt und mimt gerne den Moralisten. Zuvor hatte seine Universität dem, wie es hieß, "hochangesehenen Alumnus" nach einem Prüfverfahren im Rekordtempo einen Persilschein ausgestellt. Der Präsident der Uni ist übrigens zufälligerweise Parteifreund dieses Alumnus.

Sie meinen die Vorwürfe gegen Frank-Walter Steinmeier, welche die Universität Gießen 2013 zurückgewiesen hat.

Ja, derselbe Mann hat dann als Außenminister daran mitgewirkt, dass auf Wunsch der Regierungschefin einer mit ihr befreundeten ehemaligen Bildungsministerin, der sogar gerichtlich bescheinigt wurde, dass ihr der Doktorgrad zurecht aberkannt worden ist, außer der Reihe ein lukrativer Posten als Botschafterin in einem Kirchenstaat zugeschanzt wurde.

... den Annette Schavan bis vergangenes Jahr innehatte.

Und diese Regierungschefin hatte einst erklärt, sie habe ihren plagiierenden Verteidigungsminister nicht als wissenschaftlichen Mitarbeiter eingestellt. Da kann man fast schon froh sein, dass der inzwischen zu höheren Weihen gelangte ehemalige Finanzminister nur einen Koffer voller Schwarzgeld angenommen hat.

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