Bildung:Israel-Bild in deutschen Schulbüchern nicht ausgewogen

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Ein Lehrer steht im Unterricht an der Tafel. (Foto: Marijan Murat/dpa/Symbolbild)

Der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern gehört zu den kompliziertesten weltweit. Was erfahren Schüler dazu im Klassenzimmer? Eine Analyse geht mit dem Lehrmaterial ins Gericht.

Direkt aus dem dpa-Newskanal: Dieser Text wurde automatisch von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) übernommen und von der SZ-Redaktion nicht bearbeitet.

Berlin (dpa) - Israel und der Nahost-Konflikt werden einer neuen Analyse zufolge in vielen deutschen Schulbüchern verkürzt dargestellt. Oft werde Israel die vorrangige Schuld am Konflikt mit den Palästinensern gegeben und eine „David-gegen-Goliath“-Erzählung genährt, heißt es in der Auswertung der Amadeu-Antonio-Stiftung und des Mideast Freedom Forum. Sie wurde am Mittwoch in Berlin vorgestellt.

„Es mangelt an Ausgewogenheit“, erklärte die Amadeu-Antonio-Stiftung dazu auf ihrer Webseite. „So wird Israel darin oft als alleiniger Aggressor dargestellt, dringend notwendige historische Hintergründe werden nicht ausreichend beleuchtet. Jüdisches Leben in Deutschland wird lediglich im Zusammenhang mit der Schoah dargestellt. Dies leistet oftmals Israelbezogenem Antisemitismus Vorschub.“

Gesichtet wurden 16 Geschichts- und Politiklehrbücher der Sekundarstufe I, die in Berlin und Brandenburg verwendet werden. Empfehlenswert finden die Autoren nur zwei: „Einzig den Büchern „Geschichte und Geschehen 9/10“ von Klett (2017) und „Projekt G 9/10“ von Klett (2013) können wir eine multiperspektivische, nicht tendenziöse Schilderung eines Israelbilds attestieren“, heißt es in der Studie.

Für die übrigen Bücher empfehlen die Autoren eine Überarbeitung. Auch dazu geben sie Hinweise, und zwar unter anderem: Der Nahostkonflikt solle grundsätzlich nicht als Religionskonflikt zwischen Juden und Muslimen beschrieben werden. Die Darstellung sollte zwischen dem Konflikt Israels mit den Palästinensern und mit den arabischen Nachbarstaaten unterscheiden.

Die den Konflikt bestimmenden Interessen sollten erläutert werden ebenso wie die antisemitische Haltung einiger radikaler Palästinensergruppen. Auch eine differenzierte Darstellung der Friedensprozesse sei nötig, einschließlich gemachter und ausgeschlagener Kompromisse.

Der Berliner Antisemitismus-Beauftragte Samuel Salzborn sagte der „Welt“: „Aus internationalen Studien ist bekannt, dass Schulbücher nach wie vor die wichtigste Autorität für Schülerinnen und Schüler im Schulunterricht darstellen - insofern ist eine antiisraelische Schlagseite doppelt problematisch.“ Die Jugendlichen könnten so keine sachlich fundierte Position erarbeiten. Zudem könnten antisemitische Positionen mit Blick auf Israel verfestigt werden.

© dpa-infocom, dpa:230614-99-56392/2

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