Würzburg:Das Auge kauft mit

Gleichzeitig hat seine Firma sich weiterentwickelt, genauer: neue Druckverfahren entwickelt, vor allem bei Verpackung und Dekor. Es gibt Maschinen für Kartonagen oder Faltschachteln, für Folien, Gläser oder Bleche, für Holz oder Klickfußböden. "Wenn Sie in ein Kaufhaus gehen, finden Sie nichts, das nicht bedruckt ist."

Tatsächlich, wohin man schaut, Barcodes, Logos, Zeichen auf Kassenzetteln, Hüllen, Kronkorken, Lebkuchendosen. Das Auge kauft mit. So werben Getränkehersteller an Weihnachten oder zu Olympia verstärkt mit besonderen Motiven. Um diese flexibel und günstig zu drucken, sind neue Technologien nötig. Ein weiterer Wachstumsmotor ist ausgerechnet die Digitalisierung selbst. Der zunehmende Internethandel verlangt ständig nach kreativen Verpackungen. Für Koenig & Bauer lohnt sich das. Etwa 70 Prozent tragen die neuen Drucktechniken zum Umsatz bei. Laut Jahresbericht stieg der Gewinn 2016 auf 82,2 Millionen Euro - so viel wie nie.

Würzburg: Claus Bolza-Schünemann ist seit 2011 Vorstandsvorsitzender von Koenig und Bauer.

Claus Bolza-Schünemann ist seit 2011 Vorstandsvorsitzender von Koenig und Bauer.

(Foto: Koenig & Bauer AG)

Die Abkehr vom Zeitungsdruck ist etwas Neues in der Firmengeschichte. Und passt trotzdem hinein. Auch Friedrich Koenig wagte Neues, als er 1803 begann, eine Druckerpresse zu konstruieren. Vielleicht war sein Ansatz zu radikal, jedenfalls ging ihm das Geld aus und er selbst nach England. Dort entwickelte er den Prototypen weiter und verkaufte ihn 1814 an die Times. 1817 gründete er mit Andreas Bauer im Kloster Oberzell bei Würzburg eine "Schnellpressenfabrik". Ihre Nachkommen differenzierten nach und nach das Geschäft, sie lieferten etwa 1924 die erste Sammeldruckmaschine für farbige Geldscheine aus. In der Nische Banknotendruck ist das Unternehmen bis heute weltweit Nummer eins.

Bolza-Schünemann ist die sechste Generation auf dem Chefsessel. Ein gelernter Radio- und Fernsehtechniker, der über Umwege zu Koenig & Bauer fand und trotzdem jedes Teil der Maschinen kennt. Auf Messen fachsimpelt er mit Mitarbeitern über Technikdetails. Druck hat Zukunft, da ist er sich sicher. Auf Prognosen lässt er sich trotzdem ungern ein.

Etwa Banknotendruck: Wann Staaten neue Maschinen kaufen, ist oft unklar. Die Anlagen sind langlebig, das Design von Geldscheinen ändert sich selten. Bolza-Schünemann sieht das so: Wenn ein Geschäftszweig wegbricht, besteht die unternehmerische Pflicht, einen neuen zu suchen - indem man die Expertise bei Farben und Drucken möglichst breitbandig nutzt.

Die Digitalisierung lässt sich nicht aufhalten

Herzog Analog wird nie wieder Kaiser sein, die Digitalisierung lässt sich nicht aufhalten. Aber lieber geteilt herrschen als gar nicht. Am Stammsitz in Würzburg ist in diesem Jahr ein Showroom hochgezogen worden. Noch ist der Saal nicht ganz fertig. Oben in der Galerie entsteht eine Cafeteria, unten bauen Techniker eine Musteranlage auf: eine Neuentwicklung im Wellpappendigitaldruck.

Nebenan im Haupthaus hängt eine Vitrine. Bolza-Schünemann zeigt die Palette dessen, was seine Maschinen bedrucken können: Zeitungen, Flaschenetiketten, Schachteln, Pillenverpackungen. Alte Drucktechniken und neue, einträchtig nebeneinander. Wobei, ganz auf dem aktuellen Stand ist die Vitrine nicht. Bolza-Schünemann sagt: "Da müssen noch ein paar neue Sachen rein."

© SZ vom 18.12.2017/vewo
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