Forschung in Weihenstephan:"Ein echter Gewinn für die Landwirtschaft in Bayern"

Forschung in Weihenstephan: Am Campus in Weihenstephan soll die Zusammenarbeit in den Agrarwissenschaften zwischen TU München, Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und Landesanstalt forciert werden, dafür setzt sich auch die Politik ein.

Am Campus in Weihenstephan soll die Zusammenarbeit in den Agrarwissenschaften zwischen TU München, Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und Landesanstalt forciert werden, dafür setzt sich auch die Politik ein.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Weiterentwicklung der Agrarwissenschaften ist für Martin Schöffel seit Jahren ein wichtiges Thema, für sein Engagement erhält er nun die Max-Schönleutner-Medaille. Die Reform des Agrarstandorts Weihenstephan hält er für eine große Chance.

Interview von Petra Schnirch, Freising

So gute Voraussetzungen für die Agrarforschung gibt es an kaum einem anderen Standort: Am Campus in Weihenstephan sind TU München (TUM), Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) und Landesanstalt für Landwirtschaft nur einen Steinwurf voneinander entfernt. Ein Expertenteam bewertet derzeit Vorschläge der drei Präsidenten für eine engere Zusammenarbeit. Der Reformprozess hat anfangs aber auch Befürchtungen laut werden lassen, dass die drei Partner künftig nicht gleichberechtigt agieren könnten, das wurde bei einer Anhörung im Landtag dementiert.

Einer, der sich seit Jahren für die Agrarwissenschaften einsetzt, ist der CSU-Landtagsabgeordnete Martin Schöffel, seit Kurzem Staatssekretär im Finanzministerium. Für sein Engagement verleiht ihm die Max-Schönleutner-Gesellschaft Weihenstephan kommenden Dienstag die Max-Schönleutner-Medaille. Schöffel habe auf eine politische Neuaufnahme des Themas Agrarwissenschaften auf die Tagesordnung der Regierung gedrängt, heißt es in der Begründung. Die SZ sprach mit ihm über die Zukunft der Landwirtschaft und was ihm die Ehrung bedeutet.

SZ: Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung? In der Würdigung heißt es ja, dass Sie sich intensiv mit den Agrarwissenschaften in Bayern auseinandergesetzt haben.

Martin Schöffel: Die Auszeichnung der Max-Schönleutner-Gesellschaft empfinde ich - insbesondere auch mit Blick auf die bisherigen Preisträger - als große Ehre. Die bayerische Landwirtschaft liegt mir seit jeher am Herzen. In den letzten 15 Jahren durfte ich mich in verschiedenen Funktionen für sie einsetzen. Um beste Bedingungen für den Landwirtschaftsstandort Bayern beizubehalten, sind innovative Hochschulen als Heimat einer zukunftsfähigen und praxisnahen Ernährungs-, Gartenbau- und Agrarwissenschaft unerlässlich.

Ein Blick in die Zukunft: Wie sollte die Landwirtschaft in Bayern in 20 Jahren aussehen?

Die Landwirtschaft wird auch künftig eine unschätzbare Rolle für Lebensmittelproduktion, lebendige Dörfer, vielfältige Kulturlandschaften, Biodiversität, Dekarbonisierung und Energieproduktion in allen Teilen Bayerns spielen. Wie bei anderen Wirtschaftssektoren auch müssen wir bürokratische Hürden abbauen und der unternehmerischen Eigenverantwortung mehr Raum geben. Hierdurch fördern wir familiengeführte Höfe als Rückgrat unserer Landwirtschaft und Garant für eine regionale Lebensmittelerzeugung am besten. Auch die Tierhaltung wird ihre Rolle als Grundlage der Ernährungssicherung und naturnaher Nährstoffkreisläufe beibehalten. Persönlich wünsche ich mir, dass auch künftig junge Landwirte ihre Betriebe nach den regionalen Voraussetzungen, individuellen Interessen, den Marktgegebenheiten und der guten fachlichen Praxis ausrichten können und eine hohe Wertschätzung der Verbraucher genießen.

Forschung in Weihenstephan: Die Max-Schönleutner-Gesellschaft Weihenstephan zeichnet Staatssekretär Martin Schöffel für sein Engagement für die Agrarwissenschaften aus.

Die Max-Schönleutner-Gesellschaft Weihenstephan zeichnet Staatssekretär Martin Schöffel für sein Engagement für die Agrarwissenschaften aus.

(Foto: privat)

Was könnte, sollte der Forschungsstandort Weihenstephan dazu beitragen?

Der Forschungsstandort Weihenstephan ist zentral für die wissenschaftliche Begleitung unserer Landwirtschaft in Bayern und mit den Einrichtungen der TUM, der HSWT und der Landesanstalt für Landwirtschaft einzigartig in Deutschland. Weihenstephan bietet unseren künftigen Führungskräften in der Agrarwirtschaft, in staatlichen Einrichtungen, in heimischen und internationalen Organisationen eine Top-Ausbildung. Agrarwissenschaften müssen als Systemwissenschaften gedacht und organisiert werden. Dazu muss die Kooperation zwischen Wissenschaft und Praxis auch künftig fortgeführt und intensiviert werden, dies fördert nachhaltig den Landwirtschaftsstandort Bayern. Die beratende Funktion für die Agrarpolitik sehe ich als wichtige Aufgabe der Wissenschaft.

Warum ist eine Reform des Standorts aus Ihrer Sicht notwendig?

Durch die ehrgeizige Reform sichert sich Bayern langfristig einen agrarwissenschaftlichen Standort der Spitzenklasse, der nicht nur von den Studenten akzeptiert wird, sondern auch Hand in Hand mit der Praxis arbeitet - ein echter Gewinn für die Landwirtschaft im Freistaat.

Kann dies gelingen, ohne dass einer der Partner "untergebuttert" wird?

Natürlich kann dies gelingen - das muss auch klares Ziel sein. Nur durch Nutzung der unterschiedlichen Kompetenzen in Weihenstephan können wir Synergien heben und neue Herausforderungen der Ernährungssicherung und der Landwirtschaft wissenschaftlich begleiten.

Soll, darf sich die Politik in diesen Prozess wirklich einmischen?

Wir brauchen mehr Vernetzung, Abstimmung, Zielvorstellungen und Teamplay. Der bayerische Landtag und die Staatsregierung haben dazu extra ein sogenanntes Sounding Board, also ein Gremium mit externen Experten, ins Leben gerufen. Aufgabe des Boards ist es, Vorschläge für die Zukunft der Agrarwissenschaften zu unterbreiten und diese sollen in den Reformprozess einfließen. Ich glaube, wir sind da auf einem sehr guten Weg. Die Landwirtschaft gehört untrennbar zu Bayern - das wird auch in Zukunft so sein!

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