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Wahlkampf:Seehofer und Merkel: Herrmann kann loyal zu beiden sein

Herrmann macht dann, was er immer macht: Er lächelt gemütlich wie Balu, der Bär aus dem Dschungelbuch - den Spitznamen haben ihm Parteifreunde verpasst. Für die Kanzlerin hat er sogar geklatscht, als Seehofer sie beim berühmten CSU-Parteitag 2015 schurigelte. Herrmann schafft es wohl als einziger, zu beiden loyal zu sein, ohne sich zu widersprechen. Kritik äußert er dort, wo sie seiner Meinung nach hingehört: hinter verschlossenen Türen. In der CSU erinnert sich keiner, dass Herrmann jemals jemanden verletzt hätte.

Eine Stunde redet Herrmann in Emskirchen, zehn Autominuten von seiner Heimatstadt Erlangen entfernt. Der heikelste Part nach den Ortsburschen wartet gleich zu Beginn. Es ist der Wahlkreis von Christian Schmidt, der als Minister wohl keine Zukunft mehr hat. Schon gar nicht, sollte der andere Mittelfranke Herrmann das Innenressort übernehmen. Beide kennen sich seit dem Jura-Studium, beiden nehmen die Zuhörer ab, dass sie trotz neuer Konkurrenz Freunde sind. "Ich sage herzlichen Dank, dass du menschlich ein anständiger Kerl geblieben bist", ruft Herrmann.

Karl-Theodor zu Guttenberg Der gefallene Held der CSU ist wieder da
Guttenberg

Der gefallene Held der CSU ist wieder da

Für die Anhänger Guttenbergs geht es gar nicht mehr um das Ob und Wann seiner Rückkehr, sondern nur noch um ein mögliches Amt. Das sagt viel aus, auch über den Wahlkampf.   Kommentar von Wolfgang Wittl

Ein CDU-Mann dürfte sich über die Pläne aus Bayern noch weniger freuen. Vor vier Jahren musste Thomas de Maizière als Verteidigungsminister seiner drängelnden Parteifreundin Ursula von der Leyen weichen, nun macht ihm erneut ein Rivale das Amt streitig.

Vorige Woche trafen sie bei einer Konferenz aufeinander. De Maizière hatte das erste Wort, Herrmann das letzte. Bis heute haben sie eingehalten, was sie sich offenbar versprochen haben. "Wir haben persönliche Beschädigungen vermieden", sagt Herrmann. Und: "Wir haben es beide nicht in der Hand." Erst entscheiden die Wähler, dann die Parteichefs.

Aber ist man mit dieser Haltung wirklich ein Alphatier? Ein solches wollte Seehofer ja nach Berlin schicken. Die oberste Sprosse in der Politik erreicht man durch Zugreifen, nicht durch Zuwarten - erst recht in der CSU. Vor neun Jahren wollte Herrmann Ministerpräsident werden. Geworden ist es Seehofer, weil sich die Favoriten der Landtagsfraktion neutralisierten. Also: Warum hat er für seine Spitzenkandidatur jetzt nicht den Parteivorsitz eingefordert? Herrmann beantwortet jede Frage höflich. In diesem Fall sagt er: "Horst Seehofer und ich haben miteinander gesprochen, aber ich sage nichts."

Herrmann fehle das "Macht-Gen", behaupten sogar Parteifreunde, die mit einem CSU-Chef Herrmann gut leben könnten. Man müsse bloß den Wahlkampf anschauen, sagen sie. Wie der USA-Exilant Karl-Theodor zu Guttenberg von der Parteispitze gepuscht werde - und der Spitzenkandidat damit ins Abseits gedrängt. Wie Guttenberg bei seiner Heimpremiere alle Aufmerksamkeit auf sich ziehe - und Herrmann bei einem gleichzeitigen Auftritt mit der Kanzlerin kaum mediale Beachtung finde. "Seehofer und Guttenberg dominieren den Wahlkampf", sagt einer, "Herrmann wird jetzt schon relativiert."

"Das werde ich dem Joachim nicht vergessen", sagt Seehofer

Andere entgegnen, Guttenbergs Tour bringe der ganzen CSU Stimmen. Herrmann, gläubiger Christ und durch Katastrophen kraft Amtes emotional gefestigt wie nur wenige in der CSU, sagt, er habe damit "keine Probleme", fühle sich "nicht vernachlässigt". Er ist lange genug dabei, um zu wissen, dass Dinge sich schnell drehen. Er staunt höchstens über Verrenkungen, die ein Wahlkampf mit sich bringt. Seine Partei inszeniert ihn ohne sein Zutun als Schwarzen Sheriff, die Bunte wollte ihn mit Cowboyhut am Kopf fotografieren. Am Schluss hielt er ihn in der Hand, "ein mühevoller Kompromiss".

Zum Wahlkampfstart vor sieben Wochen sagte Seehofer: Dass Herrmann ins Risiko gegangen sei und Verantwortung übernehme, "das werde ich dem Joachim nicht vergessen, und auch die Partei nicht". Ob das doch etwas für den CSU-Vorsitz bedeutet, etwa nach einer gewonnenen Wahl? Bislang hat der Parteisoldat Herrmann noch jeden Posten angetreten, auf den er gestellt wurde. Nur einmal nicht, 2011, als er aus familiären Gründen ablehnte, Bundesinnenminister in Berlin zu werden.

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