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Uni-Atlas Bayern:Von der Uni Würzburg in den Orbit

Würzburg: Campus UNIVERSITÄT

Gut ein Viertel der 125 000 Einwohner ist an einer Hochschule in Würzburg eingeschrieben,

(Foto: Johannes Simon)

Wer sich für Außerirdisches interessiert, ist in Würzburg genau richtig: Das Weltall ist ein Schwerpunkt an Bayerns ältester Uni. Studenten wird es leicht gemacht, fächerübergreifend zu lernen.

Von Ferdinand Otto, Würzburg

Vom Main in den Orbit: Ein Satellit, so klein und leicht wie ein Tetrapack Milch, ist vielleicht das beste Beispiel dafür, was die Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) so besonders macht. Seit zehn Jahren umkreist die fränkische Weltraumsonde UWE-1 die Erde. Gebaut wurde sie von internationalen Studenten unter der Leitung des Lehrstuhls für Robotik. Denn neben Wein, Festung, Residenz und Mainbrücke bestimmt längst die Spitzenforschung das Bild von Würzburg.

Wenn sich Würzburg selbst stolz auf seinen Stadtschildern "Universitätsstadt" nennt, ist das mehr als Stadtmarketing. Gut ein Viertel der 125 000 Einwohner ist an einer Hochschule eingeschrieben, jedes Wintersemester kommen beinahe 5000 Erstsemester dazu. 10 000 Würzburger Arbeitsplätze hängen an der Uni mit ihrem Klinikum. Das sind nicht ganz Wolfsburger VW- oder Leverkusener Bayer-Dimensionen, eine ganze Menge Geld und Renommee bedeutet das für die kleine Großstadt aber allemal.

Zurück auf die Erdumlaufbahn zu UWE-1. Der hat zwar inzwischen ganz regulär seinen Dienst eingestellt und wartet nur noch auf sein Verglühen in der Atmosphäre, ist aber immer noch der Stolz der Uni. Das Projekt sticht heraus, weil nicht etwa nur Astrophysiker an der Kapsel gearbeitet haben - das Projekt war angesiedelt am Institut für Informatik.

Raumfahrt im Großen wie im Kleinen ist Teamwork: Ingenieure, Physiker und Informatiker müssen Hand in Hand arbeiten. Inzwischen ist Würzburg eine echte Hochburg fürs Weltall. Mit fünf europäischen Unis bietet Würzburg den einzigartigen Studiengang mit dem klangvollen Namen "Spacemaster" an. Längst hat UWE-1 Gesellschaft von Nummer 2 und 3. Und wer im Bachelor zwar was mit Informatik machen will, sich aber auch fürs All interessiert, kann Luft- und Raumfahrtinformatik studieren.

"Wir ermuntern unsere Studenten, über den Tellerrand hinauszuschauen", sagt Hendrik Beierstettel von der Zentralen Studienberatung. Neben einer ganzen Vielzahl solcher Crossover-Fächer können Studenten sich ganz individuell ihre Schwerpunkte zusammenbasteln. Konkret heißt das: Bachelor-Studenten dürfen seit 2006 bis zu 30 ECTS-Punkte im Rahmen ihres Studiums beinahe ohne Beschränkung frei wählen. So können Juristen ihre Englischkenntnisse aufbessern, Betriebswirte belegen Kurse in Interkultureller Kommunikation, wenn sie das wollen, Biologen studieren Chemie, falls es sie interessiert, und Politikwissenschaftler besuchen Vorlesungen wie "Bürgerliches Recht für Nicht-Juristen". "Für diesen frei wählbaren Bereich brauchen sich Studenten nicht neu einzuschreiben, sondern einfach nur die Kurse zu belegen", erklärt Beierstettel.

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