bedeckt München 15°

Umwelt- und Naturschutz:Wer Bienen retten will, muss bereit sein, mehr für Lebensmittel zu zahlen

Beginn des Volksbegehrens 'Rettet die Bienen'

München: Eine Aktivistin schwirrt über den Marienplatz und macht auf das Volksbegehren aufmerksam.

(Foto: dpa)

Ein Erfolg des Volksentscheids könnte eine tiefgreifende Umstellung der Landwirtschaft mit sich bringen: mit strengen Vorschriften, ehrgeizigen Zielen - und auch einigen Problemen.

Rettet die Bienen! Symboltier und Slogan für das Volksbegehren, das an diesem Donnerstag in Bayern startet, sind in jedem Fall gut gewählt: Wer will schon, dass die Bienen verschwinden? Das kleinste Nutztier des Menschen ist Botin des Frühlings und hat ein hübsches Pelzchen an, fleißig sammelt sie Nektar, bestäubt Obstblüten und Blumen; süßer Honig und duftendes Wachs verschönern seit vielen Tausend Jahren das Leben der Menschen. Und alle, alle lieben die kleine, freche Biene Maja; anders als der Wespe wird ihr verziehen, dass auch sie fies stechen kann.

Eine Million Menschen müssen innerhalb von zwei Wochen ins Rathaus gehen und im Sinne des Begehrens unterschreiben, dann gibt es einen Volksentscheid. Auf den ersten Blick ist das kaum zu schaffen, doch die Aufrufe, den Hintern zu heben zur Rettung der Bienen, verbreiten sich derzeit schneller im Netz als jedes Schnupfenvirus im Büro - die Sache scheint eine Chance zu haben.

Leserdiskussion Bienen-Volksbegehren: Ist die konventionelle Landwirtschaft am Ende?
Leserdiskussion

Bienen-Volksbegehren: Ist die konventionelle Landwirtschaft am Ende?

Das bayerische Volksbegehren "Rettet die Bienen" setzt sich für Artenvielfalt und Naturschutz ein. Landwirte und ihre Verbände reagieren sehr zwiespältig: Während Biobauern die Initiative unterstützen, greifen eher konventionell arbeitenden Landwirte die Initiative massiv an.

Den Initiatoren von der ÖDP und den Grünen, den Umweltverbänden und Kirchengruppen geht es um viel mehr als um die Bienen, wo sich zwar die Nutzbienen-Bestände wieder erholen, die Wildbienen aber sehr gefährdet bleiben. Ihnen geht es um eine andere Landwirtschaft, die viel stärker als bisher auf die Artenvielfalt achtet, den Pestizideinsatz verringert und sich auf Öko umstellt. Das ist gut so - alleine die Bienen retten zu wollen wäre nichts als pelzchenselige Naivität.

Das zeigt aber auch, dass ein Erfolg des Volksentscheids tatsächlich eine tiefgreifende Umstellung der Landwirtschaft mit sich bringen würde, mit strengen Vorschriften, ehrgeizigen Zielen - und auch einigen Problemen: Schon jetzt zum Beispiel haben Bauern Probleme, ihre Bio-Milch loszuwerden, weil die Molkereien ein ruinöses Überangebot fürchten und eben doch im Supermarkt den meisten Konsumenten billig vor öko geht.

Wer in den kommenden 14 Tagen ins Rathaus geht, sollte wissen, was er da tut und will - und dass es nicht reicht, bei der Unterschrift beschwingt zu summen: Ei, wir tun dir nichts zuleide, flieg nur aus in Wald und Heide. Es wird auch nicht reichen, mit dem reinen Gewissen des Städters den Bauern vorzuschreiben, nun anders zu wirtschaften.

Wer die Bienen retten will, muss bereit sein, mehr Geld für Lebensmittel zu zahlen, weil eine Landwirtschaft, die bei Pflanzen und Tieren die Artenvielfalt erhält, ihren Preis hat. Das Umdenken könnte sich dann gleich beim nächsten Einkauf zeigen. Oder im eigenen Garten, der oft genug eine pflegeleichte Steinwüste oder Rasensteppe ist. Mehr Blumen, mehr Unkraut bitte! Und wenn die Nachbarn meckern, kann man ja sagen: Ist alles für die lieben Bienen.

Lesen Sie mit SZ Plus:
Tiere Wilde Bienen

Umweltschutz

Wilde Bienen

Alle schauen auf die geplagte Honigbiene. Dabei leisten ihre wilden Schwestern oft viel mehr.   Von Tina Baier