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TV-Duell Seehofer gegen Ude:Endlich Wahlkampf

Wahlplakate zur Landtagswahl in Bayern

Trotz aller Großplakate: Der Landtagswahlkampf dümpelt dahin. Ändern das Duell Horst Seehofer gegen Christian Ude daran etwas?

(Foto: Daniel Karmann/dpa)

Ein Horst Seehofer hat Wahlkampf nicht nötig. Diese CSU-Taktik ist bislang glänzend aufgegangen. Doch beim TV-Duell kann der Ministerpräsident seinen SPD-Herausforderer Christian Ude nicht mehr ignorieren. Mit welcher Strategie gehen die beiden in das Duell der Lächler? Was muss Seehofer unbedingt vermeiden? Und welche Auswirkung hat diese Begegnung? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Knapp zwei Wochen noch bis zur Landtagswahl in Bayern. Doch der Wahlkampf plätschert fast ereignislos vor sich hin, es fehlen Reizpunkte. Das Münchner TV-Duell könnte hier Abhilfe schaffen. Für viele Menschen in Bayern wird der Wahlkampf damit erst richtig beginnen. Vor allem Herausforderer Christian Ude setzt große Hoffnungen in die Begegnung. Es sind die vielen Unentschlossenen, die er so auf seine Seite ziehen will. Doch Ude braucht einen gewaltigen Schub.

Wie ist die Ausgangslage?

Komfortabel, so sieht die Situation von Horst Seehofer und seiner CSU aus - trotz all der Probleme und Affären, die in den vergangenen Monaten die Partei und die Öffentlichkeit beschäftigten: Der Ministerpräsident liegt vorn. Eine aktuelle Umfrage sieht die CSU stabil bei 47 Prozent, die SPD käme auf nur 18 Prozent. Könnten die Bayern ihren Ministerpräsidenten direkt wählen, läge Seehofer ebenfalls deutlich vorne. 57 Prozent der Wähler würden sich für ihn entscheiden, für Ude nur 34 Prozent. Seehofer gibt sich deshalb nach außen gelassen, doch immer wieder wird deutlich, dass auch der Ministerpräsident, der sich zum ersten Mal in Bayern zur Wahl stellt, nervös ist. Zum Beispiel im Umgang mit Journalisten. Seehofer weiß: 2008 lag die CSU in den Umfragen ähnlich weit vorne - das Ergebnis war dennoch desaströs.

Mit welcher Taktik werden die Kontrahenten agieren?

Wahlkampf war bisher nicht. Und damit ist vor allem Horst Seehofers Taktik aufgegangen. Er will - ähnlich wie Angela Merkel - keinesfalls den Eindruck erwecken, er müsse kämpfen. Viel lieber gibt er den Landesvater, der "seinen" Freistaat bei jeder Gelegenheit belobhudelt. "Die Vorstufe zum Paradies" ist eine der Formeln, die bei kaum einer Seehofer-Rede in den vergangenen Monaten fehlte. Der Ministerpräsident wird auch beim TV-Duell versuchen, den Eindruck zu vermitteln, er habe alles im Griff, als gelte die Gleichung "CSU = Bayern" immer noch.

Allerdings kommt ihm beim TV-Duell ein Detail relativ ungelegen. Er hat einen Gegner. Bislang hat er den geflissentlich ignoriert. Ude ist keiner, der mit mir, dem Ministerpräsidenten, auf Augenhöhe ist, so Seehofers Botschaft. Auf dem Gillamoos-Volksfest zum Beispeil hat Seehofer in seiner Rede Ude oder die SPD mit keinem Wort erwähnt.

Beim TV-Duell wird das nicht funktionieren. Seehofer ist zwar ein paar Zentimeter größer, dennoch: Hier wird auf Augenhöhe diskutiert. Und das ist die Chance für Ude, Seehofer endlich zu packen. Das zumindest muss sein Ziel sein. Endlich auch Seehofer in den Wahlkampf zu verwickeln. Den Ministerpräsidenten auf den Boden holen, mit ihm um Inhalte, und damit um Stimmungen und Stimmen zu ringen. Es ist Udes letzte Chance.

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