Tradition in Bayern:Sachpreise locken niemanden zu Turnieren

Manche Behörden haben den Spielern durchaus in die Karten geschaut. Erich Rohrmayer nennt einen Fall in Train (Landkreis Kelheim), wo der örtliche Fußballverein vor einigen Jahren vom Landratsamt aufgefordert wurde, "die Turnier-Modalitäten noch kurzfristig zu legalisieren". Andernfalls, so wurde den Veranstaltern angedroht, müsste "bei einer Durchführung des Turniers wie angekündigt die Mainburger Polizei anrücken".

Bis vor gut 15 Jahren gab es bei Watt-Wettbewerben in der Regel nur Sachpreise zu gewinnen. "Irgendwann aber konnte man damit niemanden mehr motivieren", sagt Kaser. "Wenn einer die sechste Bohrmaschine im Keller stehen hat, juckt ihn so ein Gewinn nicht mehr." Ein Geldpreis sei für die Teilnehmer ein weitaus höherer Anreiz. "Die Chance, einen Hunderter zu gewinnen, das zieht noch", das wissen Veranstalter wie Kaser aus Erfahrung.

"Wenn auf Geldpreise verzichtet wird, kommt der Verdacht der Illegalität erst gar nicht auf", sagt Rohrmayer. Er rät zur Vorsicht, vor allem mit Blick auf einen Satz im Online-Lexikon Wikipedia, der nach der neuesten Erfahrung so nicht stimmt: "Obwohl beim Watten nicht alle Karten ausgegeben werden, gilt es in Bayern aus traditionellen Gründen auch dann nicht als unerlaubtes Glücksspiel, wenn um Geldeinsätze gespielt wird."

Die Erlaubnis eines Watt-Turniers sei eine Einzelfallentscheidung, die regional unterschiedlich interpretiert werden könne, sagt Rohrmayer. Das Polizeipräsidium München rät, ein Turnier auf alle Fälle bei den zuständigen Behörden (Gemeinde, Landratsamt) zu beantragen. Schon deshalb, weil Verstöße gegen das Glücksspiel-Verbot generell unter Strafe stehen und das Strafmaß nicht unerheblich ist. Wer für ein öffentliches Glücksspiel wirbt, kann sich eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe einhandeln.

Wenn nicht um Einsätze gespielt wird, ist das Watten strafrechtlich nicht relevant. Wird also an den Veranstalter ein Betrag gezahlt, der nur dem Erwerb der Spielberechtigung und der Abdeckung von Unkosten dient, liegt kein direkter Spieleinsatz vor. Eine solche einmalige Zahlung wird als Startgeld aufgefasst, das über 15 Euro nicht hinausgehen sollte. Rohrmayer rät künftigen Veranstaltern: "Setzen Sie keine Geldpreise aus und werben Sie nicht damit. Beschränken Sie sich auf Sachpreise. Vermeiden Sie es, einen Teil des Startgeldes als Gewinn auszuschütten."

Kaser will das künftig beherzigen. "Man kann es weiterhin wie bisher probieren und schauen, ob jemand reagiert. Ich riskiere es aber nicht mehr." Man kann auch aufs Schafkopfen ausweichen. Das ist zwar komplexer und stressiger als das Watten, aber es droht strafrechtlich weniger Gefahr.

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