Tierschutz Wilderer jagen geschützte Tiere in Bayern

14 Luchse, die zu den am strengsten geschützten Tierarten überhaupt zählen, sind seit 2010 spurlos verschwunden.

(Foto: dpa)
  • Seit 2010 sind in Bayern fünf Luchse und drei Fischotter getötet worden.
  • Weitere 14 Luchse, die zu den am strengsten geschützten Tierarten überhaupt zählen, sind in dem Zeitraum spurlos verschwunden.
  • Außerdem sind 85 Greifvögel - darunter Habichte, Falken, Bussarde und Rotmilane - der Wildereien zum Opfer gefallen.
Von Christian Sebald

Es sind traurige Zahlen: Seit 2010 sind in Bayern fünf Luchse und drei Fischotter getötet worden. Weitere 14 Luchse, die zu den am strengsten geschützten Tierarten überhaupt zählen, sind in dem Zeitraum spurlos verschwunden. Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) kann nicht ausschließen, dass auch sie von Wilderern zur Strecke gebracht wurden. Außerdem sind 85 Greifvögel - darunter Habichte, Falken, Bussarde und Rotmilane - Wildereien zum Opfer gefallen.

Für den SPD-Landtagsabgeordneten Florian von Brunn sind aber nicht nur diese Zahlen ein Skandal. Sondern die Tatsache, dass kein einziger Wilderer gestellt worden ist. "Alle diese Fälle sind schwere Naturschutzstraftaten", sagt er. "Aber kein einziger konnte aufgeklärt werden." Tatsächlich wurden nur in zwei Fällen Verdächtige ermittelt. Aber auch gegen sie wurden die Verfahren eingestellt, weil sie nicht überführt werden konnten.

Für den SPD-Mann und Experten wie Norbert Schäffer, den Vorsitzenden des Vogelschutzbundes LBV, sind die Zahlen freilich nur die Spitze eines Eisbergs. "Die Dunkelziffer dürfte gerade bei illegal getöteten Greifvögeln sehr hoch sein", sagt Brunn, der die Zahlen jetzt vom Umweltministerium erfragt hat.

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Als Wilderer kommen für ihn hier nämlich nicht nur einzelne kriminelle Jäger in Frage. Sondern auch Taubenzüchter, Geflügelhalter und Landwirte, für die Greifvögel oft nach wie vor in allererster Linie Feinde ihrer Nutztiere sind. Auch unter den sieben Luchsen, den 15 Wildkatzen und den knapp hundert Fischottern, die seit 2010 als Opfer von Verkehrsunfällen geführt werden, dürften laut Brunn etliche sein, die erst gewildert und dann so am Straßenrand abgelegt worden sind, dass es wie ein Verkehrsunfall aussah.

Dass es das gibt, zeigt der Fall einer jungen Luchsin Ende Dezember 2015 im Bayerischen Wald. Ihr Kadaver war nahe Schönberg in einem Straßengraben entdeckt worden, sodass auch Experten zunächst von einem Verkehrsunfall ausgingen. Erst eine forensische Untersuchung ergab, dass das Tier erdrosselt worden war und danach ein Verkehrsunfall vorgetäuscht werden sollte.

LBV-Chef Schäffer fordert deshalb, dass die Polizei in allen Verkehrsunfällen mit getöteten, streng geschützten Tieren ermitteln soll, ob es sich womöglich um die Verschleierung einer Wilderei handelt. Auf den Biologen und seinen Vogelschutzbund geht es zurück, dass illegale Tötungen streng geschützter Tiere zunehmend in den Fokus rücken. Seit knapp zwei Jahren fahren sie eine Kampagne gegen diese Straftaten und fordern ein entschiedenes Vorgehen von Polizei und Staatsanwaltschaften dagegen.

Dieser Kampagne ist es auch zu verdanken, dass sich Jägerpräsident Jürgen Vocke Wilderei streng geschützter Tierarten inzwischen klar und deutlich "als kriminelle Akte" verurteilt. "Natürlich weiß ich, dass der eine oder andere Jäger Luchse kritisch sieht, so ein Luchs frisst ja bis zu 50 Rehe im Jahr", sagt Vocke. "Aber wer einen Luchs oder ein anderes geschütztes Tier tötet, hat in unserem Verband nichts zu suchen. Mit solchen Kriminellen wollen wir nichts zu tun haben."

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Auch Umweltministerin Scharf verurteilt die Straftaten strikt. Sie hat deshalb schon zwei Mal hohe Belohnungen für Hinweise zur Aufklärung von Luchstötungen im Bayerischen Wald ausgesetzt - freilich ohne Erfolg. Der SPD-Abgeordnete von Brunn und LBV-Chef Schäffer verlangen deshalb, dass Polizei und Staatsanwaltschaften ihre Ermittlungsarbeiten verstärken.

"Wir fordern Fachdezernate für Umweltkriminalität und Artenschutzvergehen bei der Polizei und eine auf solche Fälle spezialisiert Schwerpunktstaatsanwaltschaft", sagt Brunn. "Außerdem brauchen wir eine große Aufklärungs- und Informationskampagne über Artenschutz und Umweltkriminalität." Jedem potenziellen Täter müsse bewusst sein, dass Tötungen streng geschützter Tiere keine Kavaliersdelikte, sondern Straftaten sind.