bedeckt München 17°
vgwortpixel

Staatsbürgerschaft:Warum immer mehr Menschen Deutsche werden wollen

Einbürgerungsurkunden an fünf neue deutsche Staatsangehörige. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann stellt Einbürgerungsstatistik 2016 vor im Innenministerium, Odeonsplatz 3

Hat jetzt offiziell zwei Pässe: die Britin Gillian Margaret Bernadette Schimming.

(Foto: Florian Peljak)
  • 14 394 Menschen wurden 2016 in Bayern eingebürgert, das sind acht Prozent mehr als im Vorjahr.
  • Mehr als ein Drittel der neuen Staatsbürger stammt aus Mitgliedsstaaten der Europäischen Union.
  • Besonders auffällig ist der Anstieg bei den Briten, die eine deutsche Staatsbürgerschaft bekamen.

Gillian Margaret Bernadette Schimming ist der Liebe wegen nach Bayern gekommen. Und geblieben. Die 41-Jährige ist eine von fünf neuen deutschen Staatsbürgern, die am Donnerstag ihre Einbürgerungsurkunden von Innenminister Joachim Herrmann überreicht bekamen. Bei der Feierstunde stellte Herrmann zudem die Einbürgerungsstatistik 2016 vor. Sie zeigt: im Vergleich zum Vorjahr wurden in Bayern knapp acht Prozent mehr Menschen eingebürgert, insgesamt 14 394.

Mehr als ein Drittel der neuen Staatsbürger stammt aus Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Rumänen, Polen und Kroaten bilden dabei die Spitzengruppen. Als "bemerkenswert" bezeichnete der Innenminister den Anstieg der Zahlen bei britischen Staatsangehörigen. Hatten sich im Jahr 2015 noch 86 Briten einbürgern lassen, waren es 2016 bereits 313 - das entspricht einem Anstieg von knapp 264 Prozent. Als Grund für das Plus vermutet Herrmann die Austrittsentscheidung des Vereinigten Königreichs aus der EU.

Gillian Schimming ist eine von diesen 313 Briten. Sie lebt mit ihrem Mann, einem Deutschen, und zwei Kindern in Regensburg, ist gerade in Elternzeit und wird von September an wieder in ihrem Beruf als Englischlehrerin arbeiten. Schimming verbindet seit ihrer Jugend viel mit Deutschland: der Deutschunterricht in der Schule, ein Auslandessemester in Osnabrück, das Kennenlernen ihres Mannes in Berlin.

Vor acht Jahren entschied sie schließlich, dauerhaft nach Deutschland zu ziehen, weil sie es leid gewesen sei, eine Fernbeziehung zu führen und alle drei bis vier Wochen ins Flugzeug zu steigen. Über ihren Wunsch, deutsche Staatsbürgerin zu werden, sagt Schimming: "Natürlich war auch der Brexit mit ein Grund, aber in erster Linie plane ich einfach meine Zukunft in Deutschland." Schimming besitzt nun wie ihre beiden Kinder zwei Pässe, den deutschen und den britischen.

Damit profitiert die Deutsch-Britin von der noch bestehenden EU-Mitgliedschaft Großbritanniens. Denn nur Bürger aus EU-Mitgliedsstaaten sowie der Schweiz haben den Anspruch, in Deutschland eingebürgert zu werden und dennoch ihre bisherige Staatsangehörigkeit zu behalten. Grundsätzlich nämlich gelte die "Vermeidung von Mehrstaatigkeit" als Grundpfeiler des deutschen Staatsangehörigkeitsrechts, sagte Herrmann. Er halte dies "für wichtig und notwendig", sagte der Innenminister. Neben EU-Bürgern erhalten deshalb nur Menschen, die aus "Staaten mit asylrechtlicher Relevanz" kommen und denen daher eine Kontaktaufnahme mit dem früheren Verfolgerstaat nicht zumutbar sei sowie Menschen, denen ihr Herkunftsland die Entlassung aus der Staatsangehörigkeit verweigert, die doppelte Staatsbürgerschaft.

Der Einbürgerungstest sei nicht so schwer gewesen

Diese Regelung betrifft auch Mohamed Salem El Haillaji, der seine ursprüngliche Staatsbürgerschaft für die deutsche aufgeben musste. Der 28-jährige Softwareentwickler aus Augsburg lebt seit neun Jahren in Deutschland. Für seine Entscheidung, die mauretanische gegen die deutsche Staatsbürgerschaft einzutauschen, habe er mehrere Jahre gebraucht, erzählt er. Letztlich sei sein Entschluss aus Überzeugung gefallen. Einerseits, weil er für Mauretanien "wenig Hoffnung" sehe, Korruption dort allgegenwärtig sei, andererseits, weil er die Vorteile der deutschen Staatsangehörigkeit schätze: "Die Freizügigkeit in der EU, die Demokratie, dass man einen Job nicht wegen seiner politische Einstellung bekommt, allgemein das Leben hier."

Einbürgerungsurkunden an fünf neue deutsche Staatsangehörige. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann stellt Einbürgerungsstatistik 2016 vor im Innenministerium, Odeonsplatz 3

Neu-Bayer: Mohamed Salem El Haillaji erhielt seine Einbürgerungsurkunde von Innenminister Joachim Herrmann. Der gebürtige Mauretanier musste seine Staatsbürgerschaft für die deutsche aufgeben.

(Foto: Florian Peljak)

Die meisten Eingebürgerten aus Ländern außerhalb der EU waren 2016 wie schon in den Jahren zuvor türkische Staatsbürger, obwohl die Tendenz seit einigen Jahren rückläufig ist. So stammten knapp 13 Prozent aller in Bayern Eingebürgerten der Statistik zufolge aus der Türkei. Danach kamen die meisten außereuropäischen neuen deutschen Staatsbürger aus Nachfolgeländern des ehemaligen Jugoslawien, der Ukraine und dem Irak.

Um erfolgreich eingebürgert zu werden, müssen Kandidaten über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen sowie die deutsche Rechts- und Gesellschaftsordnung kennen, die im sogenannten Einbürgerungstest abgefragt wird. Gillian Schimming beurteilt den Test als "nicht so schwer". Einige Fragen seien eindeutig gewesen, andere habe sie auswendig gelernt. Das waren dann solche, zu denen selbst ihr deutscher Mann Tobias Schimming sagt: "Auch ich wäre nicht bei allen Fragen sattelfest gewesen." Besonders schätzt Schimming an ihrer neuen Heimat übrigens, dass "die Leute freundlich sind und alles so ordentlich ist. Und die Umweltfreundlichkeit". Am meisten vermisse sie neben ihrer Familie das Einkaufen in England: "Kindersachen sind dort billiger und die Auswahl in Supermärkten ist besser."

© SZ vom 12.05.2017/eca

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite