Kabinett Bayern schafft Schulgeld für Therapeutenausbildung ab

Bislang mussten angehende Physiotherapeuten für ihren Schulbesuch zahlen.

(Foto: dpa)
  • Für einige Therapeuten-Ausbildungen müssen Schüler künftig nichts mehr zahlen.
  • Zunächst wird das Schulgeld in Bayern abgeschafft, im Bund wird noch verhandelt.
  • Außerdem wurde im Ministerrat erneut über eine Pflegeplatzgarantie beraten.

Angehende Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Podologen und Logopäden sollen für ihre Ausbildung künftig nichts mehr bezahlen. Als eines der ersten Bundesländer will Bayern das Schulgeld für diese Berufsausbildungen abschaffen. Das hat das Kabinett im Beisein von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Dienstag beschlossen. Es sei "verrückt", sagte Spahn, dass ausgerechnet die Ausbildung in Berufen mit Nachwuchsproblemen noch immer Geld koste, "während das Studium und vieles andere kostenlos ist".

Da über eine bundesweite Abschaffung des Schulgelds noch verhandelt wird, soll in Bayern vom zweiten Schulhalbjahr 2018/2019 an der Freistaat einspringen: Bis zu 15 000 Euro kostet nach Angaben des Gesundheitsministeriums eine Ausbildung, für die öffentliche Hand ergibt sich ein Finanzierungsbedarf von rund 13 Millionen Euro pro Schuljahr.

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Der Bayerische Heilbäder-Verband bezeichnete die Abschaffung des Schulgelds "als wichtigen und richtigen Schritt" für das Gesundheitswesen. Physiotherapeuten leisteten einen bedeutenden Beitrag zu Prävention und Rehabilitation, erklärte der BHV-Vorsitzende Klaus Holetschek.

Weitere Verbesserungen hat der Ministerrat bei der Pflege angekündigt. So soll in den nächsten fünf Jahren eine "Pflegeplatzgarantie" ab Pflegestufe zwei eingeführt werden. "Ich merke aus vielen Gesprächen, dass die Menschen verunsichert sind, wie es mit ihnen im Alter weitergeht", sagte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU), "da wollen wir Beruhigung geben." Der Gesetzentwurf, der Bedürftigen die Betreuung in einem Pflegeheim garantiert, soll zum Beginn der Legislaturperiode in den Landtag eingebracht werden.

Die Höhe der Kosten für den Freistaat soll ein Gutachten klären, für Kommunen ist eine Übergangsfrist vorgesehen. Ulrich Leiner, gesundheitspolitischer Sprecher der Landtags-Grünen, kritisierte die Pflegeplatzgarantie als "Söderschen Schüttelscheck". Viele Einrichtungen seien schon jetzt überbelegt und hätten akuten Personalmangel. Wie die Kommunen diese Garantie schaffen sollten, sei ihm "schleierhaft".

Um die Nachwuchsprobleme in der Altenpflege anzugehen, plant das Kabinett neben Imagekampagnen die Bestellung einer Ombudsperson, die Ausbildungsabbrüche verhindern soll. Um die Anwerbung ausländischer Fachkräfte werde man aber dennoch nicht herumkommen, sagte Spahn, "der Pflegemarkt in Bayern ist leergefegt wie in ganz Deutschland". Man wolle deswegen mit Ländern kooperieren, die weit über den eigenen Bedarf ausbilden: "Philippinen oder Kosovo wären klassische Beispiele."