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Schule:Schulbuch des Jahres: das mBook

2011 begannen Sochatzy und Ventzke mit den ersten Entwürfen, zunächst für ein belgisches Schulbuch. Es war die Gründungszeit des Instituts für Digitales Lernen, einem Zusammenschluss, in dem viel Uni drinsteckt. Sochatzy und Ventzke dozierten damals an der KU Eichstätt und rekrutierten Studenten für ihr Team. Das Institut ist aber eine eigenständige Firma, für die Sochatzy mittlerweile seine Dozentenstelle an der Uni gekündigt hat.

Das mBook wurde auf der Leipziger Buchmesse zum Schulbuch des Jahres gekürt und auf der Frankfurter Buchmesse mit dem eBook-Award ausgezeichnet. Anklang findet das Konzept auch bei bayerischen Geschichtslehrern: Der Aufbau des mBooks ist eher klassisch. Aber dadurch, dass Schüler Filme oder Tondokumente immer wieder anklicken können und nicht auf die einmalige Vorführung im Klassenzimmer angewiesen sind, sei individuelleres Lernen möglich, sagt David Denninger, der Vorsitzende des Bayerischen Geschichtslehrerverbands.

Noch positiver findet er, dass Buben und Mädchen eigene Gedanken ins Buch schreiben können - das ist bei den Leihbüchern der meisten Schulen streng verboten. "Dadurch entwickeln die Schüler einen engeren Bezug zum Stoff, das ist ein Riesenvorteil", sagt Denninger. Den Fokus auf selbständiges Lernen sieht er aber kritisch: "Das Buch erweckt den Anschein, dass die Schüler sich den Stoff mit diesem Material alleine beibringen könnten." Das gehe zu weit.

Bisher ist das mBook noch in keinem Bundesland zugelassen. Das Genehmigungsverfahren dauert in Bayern bis zu fünf Monate, bei digitalen Büchern noch länger. Das Kultusministerium lässt neue Schulbücher von ausgewählten Fachlehrern prüfen.

Geschichtslehrer Denninger bezweifelt, dass sich das mBook rasch durchsetzen wird. Die Infrastruktur vieler Schulen sei nicht bereit für ein multimediales Geschichtsbuch. Solange das Handyverbot gilt und nicht alle Schulen Wlan haben, sei ein browsergestütztes Programm kaum massentauglich. Und sofern eine Schule nicht allen Kindern Tablets stellen kann, macht ein individuelles Lernprogramm für Denninger wenig Sinn. Dass das Programm auf allen Geräten laufen soll, zerstreut seine Zweifel nicht. "Dann hat ein Kind ein schnelles neues Gerät und das andere ein altes, langsames - das ist keine Lernmittelfreiheit", sagt er.

Für multimediales Lernen müssten ein grundsätzlicher Wandel eingeleitet und alle Schulbücher nur noch digital genutzt werden. Zwar gilt die Digitalisierung als Großprojekte im Ministerium, und in der Online-Mediathek Mebis gibt es bereits mehr als 13 000 Materialien für den Unterricht, aber das gedruckte Buch ist in Bayerns Schulen noch immer erste Wahl.

© SZ vom 06.09.2016/vewo

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