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Regensburger Korruptionsprozess:Nur einmal blitzt bei Unternehmer Tretzel Selbstkritik durch

Volker Tretzel geht es vor allem darum, das Gericht zu überzeugen, dass nicht nur sein eigenes Geld an Wolbergs floss. Neben Tretzel selbst, seiner Firma und seiner Schwiegermutter haben ja auch acht seiner Mitarbeiter gespendet. Rund drei Dutzend mal, je 9900 Euro. Parteien müssen ihre Spenden erst ab 10 000 Euro veröffentlichen.

Die Staatsanwaltschaft hält das für ein Strohmannsystem, das Tretzel installierte, um seine Spenden zu verschleiern. Ein früherer Geschäftsführer der Tretzel-Firma, der auch angeklagt ist, soll dieses System im Auftrag seines Chefs organisiert haben. Oder wie Tretzel selbst am Telefon zu Wolbergs sagt: "Er hat sich halt drum gekümmert, dass die Jungs auch eine Spende abdrücken, so wie ich das eigentlich erwartet habe."

Die Tretzel-Mitarbeiter haben vor Gericht gesagt, dass sie aus eigenem Antrieb eher nicht gespendet hätten. Darauf deutet auch hin, dass die Firma immer wieder Beträge um die 20 000 Euro an die Mitarbeiter überwies. Nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben hatten die Mitarbeiter dann jene rund 10 000 Euro auf ihren Konten, die sie an den von Wolbergs geführten SPD-Ortsverein überwiesen. Eine Rückvergütung? Nein, sagen die Tretzel-Verteidiger. Tretzel habe den Mitarbeitern dieses Geld später wieder von deren Gewinnbeteiligungen abgezogen. Manche Mitarbeiter haben diese Theorie vor Gericht gestützt, andere weniger. Tretzel jedenfalls beharrt darauf, "dass die Jungs das aus eigenem Vermögen" spendeten, das sagt er am Telefon auch zu Wolbergs.

Nur einmal blitzt bei Unternehmer Tretzel Selbstkritik durch. "Na ja, diese Spenden hätte es vielleicht doch nicht gebraucht", sagt er. Der Politiker am anderen Ende der Leitung ist weniger kritisch. Die Spenden seien "zulässig", sagt Wolbergs. Was er offenbar auch für zulässig hält: dass sein ebenso angeklagter Parteigenosse Norbert Hartl, früher Fraktionschef der Rathaus-SPD, sich mit Tretzels Firma per E-Mail über Ausschreibungskriterien für städtischen Baugrund austauschte. Dass die E-Mail auch an ihn selbst ging, daran könne er sich nicht erinnern, sagte Wolbergs. Geht es nach Tretzel, ist das ohnehin eine Petitesse: Dass "Hartl den Kriterienkatalog ein bisschen maßgeschneidert hat, das spielt ja keine Rolle", sagt er am Telefon. Wolbergs pflichtet bei: "Ein Politiker muss ja wissen", dass er nicht "völlig auf dem Holzweg" sei.

Dass die Staatsanwaltschaft auch hinter Tretzels Finanzspritzen für den SSV Jahn Regensburg eine Einflussnahme auf die Politik sieht, kann Wolbergs ebenfalls nicht nachvollziehen. Das neue Stadion, in dem der Fußballklub spielt, gehört der Stadt. Statt zu ermitteln, müssten die Kripo-Ermittler "Ihnen die Füße küssen für Ihr Engagement beim Jahn", sagt der OB zu Tretzel, denn bei der Kripo gebe es ja auch Stadiongänger.

In einem weiteren Telefonat sagt Tretzel zu Wolbergs, dass er ihm "finanziell aus der Patsche helfen" wolle. Worum es konkret geht, wird nicht klar. In einem späteren Gespräch vereinbaren die beiden dann ein persönliches Treffen, offenbar bei Tretzel zu Hause. Da "essen wir eine Kleinigkeit", sagt Tretzel, da seien auch "mein Sohn, meine Schwiegertochter und meine Enkelin da". Ganz familiär also. Da "komme ich gerne", sagt Wolbergs.

© SZ vom 21.11.2018/axi
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