Prozess "Da gibt es gar nichts zu deuteln"

Für Mollath und seine Verteidiger war diese Aussage ein Geschenk. Das war ja, wenn es stimmte, der Beweis für die bösen Absichten der Frau Mollath. Der Staatsanwalt und das Gericht freilich waren skeptisch. War es nicht seltsam, dass Edward B. den Wortlaut dieses Gesprächs nach mehr als zwölf Jahren noch so genau im Gedächtnis hatte? Aber der Zahnarzt konnte das erklären: Er habe sich damals auf seiner Schreibtischunterlage einige Stichworte notiert, und den Inhalt des Gesprächs wenig später auf einem Schmierzettel niedergeschrieben.

Der Zettel sei leider verloren gegangen, aber die Schreibtischunterlage und seinen Jahreskalender, in dem er das Datum des Anrufs eingetragen hatte, überreichte er dem Gericht. "Dieses Telefonat habe ich noch heute im Ohr", versicherte er. "Da gibt es gar nichts zu deuteln."

Im Juni 2013, mehr als ein Jahr vor dem Wiederaufnahmeprozess gegen Gustl Mollath, hatte Edward B. inhaltlich die gleiche Aussage auch vor dem Mollath-Untersuchungsausschuss des bayerischen Landtags gemacht. Dort musste er allerdings nicht schwören. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Regensburg B. wegen des Verdachts des Meineids und der uneidlichen Falschaussage angeklagt. B. habe gewusst, dass seine Aussage nicht der Wahrheit entsprach, heißt es in der Anklage.

Ihm sei bewusst gewesen, dass Mollaths Ehefrau ihn weder, wie von ihm behauptet, am 31. Mai 2002 angerufen, noch irgendwann sonst die von ihm behauptete Äußerung gemacht habe. Auch die Behauptung, er habe den Anruf auf der Schreibtischunterlage notiert, sei falsch. Diese Notiz habe der Zahnarzt in Wirklichkeit erst Jahre später angefertigt.

Auf welche Beweise sich die Anklage stützen kann, wird man erst in der Verhandlung erfahren, die am 22. März vor dem Amtsgericht Regensburg beginnt. Das Gericht hat acht Zeugen geladen und bisher acht Verhandlungstage für den Prozess angesetzt.

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