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Provinzposse in Friedberg:"Man versucht, mich lächerlich zu machen"

Wittelsbacher Schloss ab 1257, heutige Anlage 1552-79

Negative Schwingungen sollen im Schloss in Friedberg herrschen. Wegen einer Feng-Shui-Beratung herrscht jetzt auch in der Stadt schlechte Stimmung.

(Foto: Franzfoto)
  • Der Friedberger Bürgermeister engagiert eine Feng-Shui-Beraterin für das Schloss, spricht jedoch mit niemandem über die Kosten.
  • Jetzt gerät er unter Druck, Kritiker werfen ihm Scharlatanerie und Hokuspokus vor.

Von Hans Kratzer

So mancher Politikerhund hat Geschichte geschrieben, allen voran die Dogge des Reichskanzlers Bismarck, die 1878 solange in den russischen Außenminister hineinbiss, bis der bloß noch in Fetzen dastand. So eine Gemeinheit würde Ares, der nach einem Kriegsgott benannte Hund des Friedberger Bürgermeisters Roland Eichmann (SPD), nie begehen. Jeder kennt ihn als friedfertigen Gesellen. Nur an einem Ort reagiert er sensibel, wie der Bürgermeister kundgetan hat: "Wenn ich das Schloss betrete, wird der Hund unruhig." Wegen dieser Sensibilität ist Ares nun zum Urheber für eine Posse geworden, deren Kern jedoch weniger beim Hund als vielmehr im Gerangel um das Friedberger Schloss zu suchen ist.

Die Lokalzeitung witterte wegen des merkwürdigen Verhaltens des Hundes sogleich ein Schlossgespenst. Der spukende Geist eines mittelalterlichen Recken wäre insofern vorstellbar, als das Schloss einst die Grenzbefestigung der Wittelsbacher gegen die Reichsstadt Augsburg markierte. Doch realistisch betrachtet, hat die Geschichte weniger einen gespenstischen als einen politischen Hintergrund.

Der Bürgermeister sagt, er glaube nicht an Feng Shui

Im Jahr 2007 hatte die Stadt das historische Bauwerk dem Freistaat Bayern abgekauft - für die symbolische Summe von 110 000 Euro. Es sollte sich jedoch als eine Art Danaergeschenk erweisen. Zwar formulierte der damalige Bürgermeister Peter Bergmair (parteilos) eine große Vision: "Wir wollen ein modernes Kultur- und Bürgerzentrum schaffen." Doch war schnell absehbar, dass dieser Umbau teuer wird. Zurzeit stehen Kosten von 21 Millionen Euro im Raum.

Bergmairs Nachfolger Roland Eichmann, der nun mit dieser Erblast leben muss, gilt als Gegner des Projekts. Stoppen konnte er es bislang nicht. Logisch, dass die Lokalzeitung fragte: "Hofft er nun auf Unterstützung beim Schlossgespenst?" Und sie unterstellte ihm gleichzeitig, er habe aufgrund finsteren Mächte, die sein Hund im Schloss spüre, eine Feng Shui-Beraterin engagiert. Eichmann weist dies zurück. Bei dem Auftrag für eine energetische Beratung sei er lediglich einer Empfehlung aus der Stadtverwaltung gefolgt, selber glaube er eher nicht an Feng Shui. Mit dieser chinesischen Lehre sollen Störfaktoren beseitigt und positive Energie in die Räume gelenkt werden. Doch unterlief Eichmann ein Fehler. Er hat die Beraterin für die im Rahmen der Geschäftsordnung erlaubte Summe von 5000 Euro engagiert, dies aber niemandem mitgeteilt, was im Stadtrat Ärger entfacht hat.

Angriffe in den sozialen Netzwerken

Nun umkreisen die Störfaktoren den Bürgermeister. In der Lokalpresse und in den sozialen Netzwerken wird Eichmann angegriffen, ihm wird Scharlatanerie und Hokuspokus vorgeworfen. Die Bayerische Architektenkammer sieht das nüchterner. Feng Shui sei beim modernen Bauen durchaus ein Trend, der freilich nichts anderes umsetze als die alten Bauernregeln. "Die sind früher beim Bauen automatisch beachtet worden."

Auch der Rosenheimer Planer Ingo Stofft sieht in Feng Shui nichts anderes als die Anwendung des gesunden Menschenverstands. In Asien werde fast jedes Großprojekt mit Feng Shui geplant. "Gute Experten kosten aber richtig viel Geld." Bürgermeister Eichmann sieht sich indessen als Opfer von Feng Shui. "Man versucht, mich lächerlich zu machen." Auch die Eingangshalle des Kreiskrankenhauses sei nach Feng-Shui- Prinzipien gestaltet worden, sagt er. "Da hat sich niemand aufgeregt."

© SZ vom 31.03.2015/tau

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