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Oberpfalz:Fünf Millionen für ein Schloss - in Postbauer-Heng

Schloss von Karl-Heinz Kago

Das Privatschloss des früheren Ofenunternehmers Karl-Heinz Kago hat jetzt einen neuen Besitzer.

(Foto: dpa)
  • Das Schloss des früheren Kaminofenbauers Karl-Heinz Kago in der Oberpfalz ist für fünf Millionen Euro versteigert worden.
  • Der Zuschlag ging an eine Immobilienfirma aus München.
  • Bislang gebe es aber noch keine Pläne, was mit dem Schloss nun passieren soll.

Von Olaf Przybilla, Nürnberg

Zunächst wird mal aufgezählt, was alles ersteigert werden kann, das ist in solchen Fällen so üblich vor Gericht. Etwa 20 Minuten lang geht das so, unter den Hammer kommen im Nürnberger Justizpalast etliche Flurstücke, eine Orangerie, Wege, Freiflächen und ein Schloss sowie eine Privatstraße, die "Kago-Allee". Am Gericht wird das Anwesen des Mannes versteigert, den die Bunte mal den "deutschen Kachelofen-König" genannt hat.

Karl-Heinz Gonschorowski hieß er einst mit bürgerlichem Namen, ehe er zum Karl-Heinz Kago und Kachelofenunternehmer wurde. Sein Privatschloss mit Suiten im japanischen und französischen Stil hat er sich nicht an der Loire bauen lassen, sondern in Postbauer-Heng, einer ansonsten nicht übertrieben zum Glamourösen neigenden Gemeinde in der westlichen Oberpfalz. Als der Ofen aus war mit Kagos Firma, begann das große Schachern ums Schloss. Eher eine Problemimmobilie, wie sich herausstellte, der Gerichtstermin war schon der zweite Versteigerungsversuch.

Immerhin diesmal klappt es, etwa fünf Minuten vor Ablauf der halbstündigen Versteigerungs-Prozedur steht ein Mann mit Einstecktuch auf und hinterlegt sein Angebot: fünf Millionen Euro. Es ist erst das dritte vor Gericht, die ersten beiden lagen deutlich darunter, das Angebot sorgt dann auch für Erstaunen im Saal. Dort sind allerlei Immobilienfachleute versammelt, einige machen aus ihrer Meinung keinen Hehl, dass ein Loire-Schloss in Postbauer kein wirklicher Renner wird auf dem Immo-Markt.

Sveta Todorovic, der geschäftsführende Gesellschafter einer Immobilienfirma in München, sieht das offenbar ganz anders. Er bietet fünf Millionen und erhält den Zuschlag. Was er genau mit jenem Anwesen machen will, das mal für seinen Tierpark mit Stallungen für Zwergponys und Schnee-Eulen und den Indoor-Pool bekannt war, weiß er noch nicht. "Ich schließe nichts aus", sagt er, erst mal wolle er sich das Schloss nun genau anschauen. Und ja, schiebt er hinterher, es sei sein "erstes Schloss", das er sozusagen im Portfolio habe. Würde es in München stehen oder am Starnberger See, wäre das eine Top-Immobilie, davon ist Todorovic überzeugt.

Ja, das Schloss steht aber in Postbauer-Heng, viele halten das für das Problem. Bürgermeister Horst Kratzer ist dann auch erleichtert, dass es nun vorwärts geht, zumindest grundsätzlich. Demnächst will man den Verkauf des Schlosses - am Ortseingang gleich rechts - im Gemeinderat erörtern, zuvor hofft Kratzer mit Todorovic kurz über dessen Pläne reden zu können. Wenigstens mal über die Richtung, in die es gehen könnte: ein Hotel, eine Klinik, ein oberpfälzischer Alterswohnsitz für Extrem-Besserverdienende? Mal sehen, der Ort sei jedenfalls für alles offen.

Kago selbst war beim Termin nicht im Gericht. Auch in Postbauer, wo er noch wohnt, nicht aber im Schloss, sehe man ihn selten, sagt der Bürgermeister, "er zieht sich zurück". Kagos Frau aber war im Saal, Einspruch gegen den Zuschlag für fünf Millionen erhebt sie ebenso wenig wie die anwesenden Gläubiger.

© SZ vom 31.08.2016

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