Nürnberg:Wie es mit dem Max-Morlock-Stadion weitergeht

Nürnberg: Fans des 1. FC Nürnberg haben sich am Mittwoch vor dem Rathaus platziert, wo der Stadtrat über die Zukunft des Max-Morlock-Stadions berät.

Fans des 1. FC Nürnberg haben sich am Mittwoch vor dem Rathaus platziert, wo der Stadtrat über die Zukunft des Max-Morlock-Stadions berät.

(Foto: Max Weinhold)

Nürnbergs Stadtrat hat am Mittwoch über die Zukunft der baufälligen Spielstätte des Clubs beraten - und dabei eine richtungsweisende Entscheidung gefällt.

Von Max Weinhold, Nürnberg

Die Nürnberger Nordkurve befindet sich am Mittwoch im Stadtzentrum. Drei Männer haben sich vor dem Rathaus platziert, sie tragen ein weißes Banner: "Ihr habt es in der Hand - für Stadt und Verein / Erfüllt den Wunsch nach unserer neuen Heimat!" Ihr, das sind die 70 Stadträte. Sie treffen an diesem Abend eine wichtige Zukunftsentscheidung zu der besagten Heimat: dem Max-Morlock-Stadion, der baufälligen Heimspielstätte des 1. FC Nürnberg.

Vor gut anderthalb Wochen stellten Oberbürgermeister Marcus König (CSU) und Bürgermeister Christian Vogel (SPD) hier, im Rathaus, die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zur Zukunft der Arena und ihrer Umgebung vor. Die Empfehlung, die sich daraus ableitet: ein vollständiger Umbau der Arena. Laufbahn weg, die Fans näher an den Rasen. Dazu mehr VIP-Logen, die dem klammen Club heuer fehlen und eine wichtige Einnahmequelle sind im modernen Fußball. Vorgesehen sind auch zusätzliche Flächen für Leichtathletik sowie Breitensport und solche, die sich gewinnbringend vermieten lassen, zum Beispiel für Kongresse. Dieser Umbau, so die Quintessenz der Studie, ist möglich, ohne die denkmalgeschützte Fassade der Haupttribüne oder die ebenso geschützte achteckige Form des Stadions zu verändern.

Zur Abstimmung steht am Mittwoch eine Beschlussvorlage, die Folgendes vorsieht: mit der Nürnberger Bürgerschaft über die Pläne in den Austausch zu treten. OB König etwa radelt in der kommenden Woche mit Interessierten zum Stadion. Darüber hinaus soll ein nachhaltiges Energiekonzept für das Stadion erarbeitet werden; die schon bestehenden Gremien sollen ihre Gespräche aufrechterhalten.

Der wichtigste Teil der Beschlussvorlage ist aber ein anderer: Ein Gremium aus städtischem Finanzreferat, Club-Vertretern und weiteren Experten soll einen Vorschlag für ein Finanzierungskonzept entwickeln. Denn offen ist bisher die Frage: Wer soll die in der Studie geschätzten Kosten von bis zu 200 Millionen Euro bezahlen? Die Stadt Nürnberg, die Eigentümerin des Stadions ist, hat dieses Geld nicht. Zuletzt brachten Stadtpolitiker eine Bürgschaft des Freistaates ins Gespräch. Die Vorlage sieht außerdem die Prüfung einer sogenannten Stadion-Entwicklungsgesellschaft vor.

In der einstündigen Debatte betreibt OB König erst einmal "Erwartungsdämpfungsmanagement". So nah wie gerade sei man noch nie an einer Lösung gewesen, aber die Machbarkeitsstudie sei nur "der erste Schritt auf einem ganz langen Weg, einem Marathon". Diesem ersten Schritt folgt am Mittwoch der zweite: Die Zustimmung für die Beschlussvorlage fällt einstimmig aus, von der Zuschauerempore im großen Sitzungssaal donnert der Applaus der anwesenden Club-Fans, auch ein Freudenpfiff ist zu hören. Das muss die "fränkische Euphorie" sein, von der hier mehrfach die Rede ist und die Bürgermeister Vogel am Ende sogar noch ein bisschen befeuert - allem Erwartungsdämpfungsmanagement zum Trotz. "Unser Ziel ist es", sagt er, "dass das Stadion 2030 ein neues ist." Die Reisegruppe Nordkurve applaudiert eifrig.

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