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Nürnberg:Menschenrechtspreis für chinesische Aktivistin Sayragul Sauytbay

Sayragul Sauytbay

Der Internationale Menschenrechtspreis geht an Sayragul Sauytbay.

(Foto: dpa)

Die 44-jährige Ärztin setzt sich für bedrohte Minderheiten in China ein. Nürnbergs Oberbürgermeister König ist sich bewusst, dass es in ihrem Heimatland eine Reaktion auf die Preisvergabe geben dürfte.

Von Olaf Przybilla, Nürnberg

Die Diskussion der Jurymitglieder war kontinentübergreifend, auf digitalem Weg und sehr ausführlich. Am Ende waren es dann nicht zuletzt zwei Gründe, die für die Verleihung des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises 2021 an Sayragul Sauytbay gesprochen haben, berichtet Jurymitglied Hilal Elver: Mit ihrem Einsatz um bedrohte Minderheiten in China stehe die 44 Jahre alte Ärztin stellvertretend für die vielen, die um die Rechte von Minderheiten kämpfen, indessen selten im Rampenlicht stehen. Und ein Aspekt sei dabei von zentraler Bedeutung gewesen: Sayragul Sauytbay, die zusammen mit ihrer Familie Asyl in Schweden genießt, bringe die Annahme des Preises "nicht in unmittelbare Gefahr" - ein Kriterium, auf das die neun Jurymitglieder traditionell gesonderten Wert legen müssen.

So ausführlich die Diskussion war, die Entscheidung für Sayragul Sauytbay fiel am Ende einstimmig aus. Mit "bewundernswertem Mut" setze sie sich für die muslimischen Minderheiten in China ein und decke dabei "Verbrechen an Uiguren und Kasachen" auf, urteilt die internationale Jury. Auch hoffe man, dass die Öffentlichkeit, die der mit 15 000 Euro dotierte Preis mit sich bringe, der Ausgezeichneten den notwendigen Schutz biete, um ihre wertvolle Arbeit in Sicherheit fortzusetzen.

Dass es in China "eine Reaktion auf die Preisvergabe" geben dürfte, dessen ist sich Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König (CSU) durchaus bewusst. Trotzdem lasse man sich "nicht leiten" von politischen oder wirtschaftlichen Beziehungen - Nürnberg ist als Partnerstadt seit mehr als zwei Jahrzehnten eng mit der chinesischen Metropole Shenzhen verbunden. Die Stadt Nürnberg hoffe, auch nach der Preisvergabe "in die Diskussion zu kommen" mit China, sagt der Rathauschef. Gerade unter Freunden müsse es möglich sein, sich auch mit Kritik aneinander zu konfrontieren.

Die muslimische Kasachin Sauytbay wurde 1976 in der autonomen Präfektur Ili Kazakh in der chinesischen Provinz Xinjiang geboren. Das liegt im Nordwesten Chinas, ist auch bekannt als Ostturkestan und gilt als Heimat vieler Turkvölker wie der Uiguren oder Kasachen. Sauytbay studierte Medizin, sie arbeitete zunächst als Klinikärztin und wurde später vom chinesischen Regime als Leiterin mehrerer Vorschulen eingestellt. Als die chinesische Regierung hart gegen uigurische und kasachische Minderheiten vorging, wurde sie 2017 als Ausbilderin in einem sogenannten Umerziehungslager zwangsrekrutiert und dort festgehalten. Sie erlebte Folter und bekam während ihrer Inhaftierung Einblick ins Lagersystem. 2018 wurde sie unerwartet freigelassen, musste aber kurz darauf zurück ins Lager - diesmal als Gefangene. Zwar gelang ihr die Flucht nach Kasachstan. Des illegalen Grenzübertritts wegen aber drohte ihr die Auslieferung nach China. Erst eine Medienkampagne ihres Mannes verhinderte die Abschiebung. Seit 2019 wird ihr und ihrer Familie in Schweden Asyl gewährt. Dort ist auf Basis mehrerer Interviews mit der Autorin Alexandra Cavelius das Buch "Die Kronzeugin" entstanden. "Die Welt muss wissen, was in den Lagern vor sich geht und was die Partei wirklich plant", sagt Sauytbay. Auf die Mitteilung, dass sie Trägerin des Menschenrechtspreises werde, habe sie laut OB König geantwortet: "Yeah - ich nehme den Preis gerne an."

Laut Satzung ist der Preis ein Symbol dafür, dass von Nürnberg, einst Stadt der NS-Reichsparteitage, "nur noch Signale des Friedens und der Völkerverständigung ausgehen". Die 14. Preisverleihung soll pandemiebedingt erst 2022 im Nürnberger Opernhaus stattfinden.

© SZ vom 02.03.2021
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