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Naturschutz:Wilde Zeiten

Dreisesselberg

Der 1333 Meter hohe Dreisesselberg mit seinen bizarren Gesteinsformationen und der kargen Vegetation liegt am Rande zum tschechischen Nationalpark Šumava.

(Foto: Sebastian Beck/oh)

Seehofers Versprechen, einen dritten Nationalpark in Bayern zu etablieren, halten selbst Parteifreunde für Wahlkampfrhetorik

Wenn es um einen dritten Nationalpark in Bayern geht, spricht keiner in der CSU so klare Worte wie der Ansbacher Bundestagsabgeordnete Josef Göppel. "Das ist ein Ablenkungsmanöver", sagt Göppel, "ein reines Ablenkungsmanöver davon, dass meine Partei in Bund und Land die weitere Zubetonierung unserer Landschaften forciert durch immer neue Baugebiete und sie damit dramatisch zum Negativen verändert." Göppels Äußerungen sind bemerkenswert. Als Chef des Arbeitskreises Umwelt der CSU ist der studierte Förster der gleichsam oberste Naturschützer seiner Partei. Zudem ist der 66-Jährige inzwischen der letzte namhafte Naturschützer in der CSU. Also sollte sich Göppel freuen über das Versprechen von Ministerpräsident Horst Seehofer, dass es einen dritten Nationalpark in Bayern geben wird. Doch Göppel bleibt bei seinem Urteil. Die Idee für den dritten Nationalpark in Bayern, so lautet seine Überzeugung, wurde einzig deshalb geboren, um in den bevorstehenden Wahlkämpfen zu punkten. "Denn es geht ja auch vielen CSU-Anhängern gegen den Strich, wie schlimm mit unseren Landschaften umgegangen wird", sagt er. "Ihnen gegenüber will man in den Wahlkämpfen jetzt ein positives Projekt vorweisen können."

Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) reist derweil durch die Lande und preist den dritten Nationalpark nicht nur als einmaliges Naturschutz-Projekt an. Sondern auch als "Motor für den Tourismus" und "Riesen-Chance für die jeweilige Region". Und zwar egal wie wütend die Pfiffe und Parolen sind, die ihr von den Nationalpark-Gegnern nicht nur im Spessart, sondern auch in der Rhön, den Neuburger Donau-Auen und im Frankenwald entgegenschallen. Die Naturschutzverbände stehen Scharfs Werbeoffensive relativ ohnmächtig gegenüber. Viele Funktionäre schätzen die Motive der CSU ganz ähnlich wie deren oberster Naturschützer Göppel ein. Zumal Seehofer den hochwertigsten Nationalpark-Anwärter im Freistaat, den fränkischen Steigerwald, von Anbeginn an aus dem Rennen genommen hat, weil sich dort Nationalpark-Gegner und -Befürworter völlig unversöhnlich gegenüberstehen. Aber, so hört man immer wieder in der Szene, kein Naturschutzverband könne es sich leisten, Zweifel gegenüber einem dritten Nationalpark anzumelden - "selbst wenn das Auswahlverfahren unseriös ist".

Seehofer hält derweil unbeirrt fest an seinem Entschluss, sagen Beobachter. Ende Juli wird es so weit sein. Dann will die Staatsregierung bekannt geben, welche Regionen in Bayern in die engere Auswahl kommen. Spätestens am Jahresende soll der endgültige Zuschlag ergehen: Porträts der vier Kandidaten und ihre Chancen, dazu als Vergleich die beiden Nationalparks Bayerischer Wald und Berchtesgaden, geben einen Überblick des Status quo.

© SZ vom 17.06.2017

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