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Artenvielfalt:Wer Millionen in Wald und Wiesen investiert

Merinoschafe am Roßdacher Hang im fränkischen Jura - dass diese Landschaft so prächtig dasteht, hat viel mit dem Engagement der Bürger, Verbände und Behörden zu tun.

(Foto: LPV Bamberg/oh)

Der Bayerische Naturschutzfonds ist praktisch nur in der Fachwelt bekannt, er wirkt im Hintergrund. Doch die Förderung für lokale Projekte sorgt dafür, dass es in Bayern vielerorts wieder summt und brummt und blüht.

Von Christian Sebald

Malerische Wacholderheiden, blütenreiche Salbeiwiesen, steile Magerrasen, bizarre Felsen, glucksende Bäche: Der fränkische Jura nahe Bamberg ist die meiste Zeit des Jahres eine farbenfrohe Landschaft, in der es summt und brummt. Dass sie so prächtig dasteht, hat viel mit dem Engagement der Bevölkerung, den Naturschutzverbänden und allerlei Behörden zu tun. Vor allem aber mit dem Bayerischen Naturschutzfonds. Die staatliche Stiftung hat im Lauf der Jahre 330 000 Euro in Naturschutzprojekte in der Region investiert.

Das Geld ist vor allem in die Schäferei geflossen. Denn Jahrhunderte lang haben Schäfer mit ihren Herden die Wacholderheiden, Salbeiwiesen und Magerrasen kurz gehalten und so für die einmalige Vielfalt an Flora und Fauna im Jura gesorgt. Mit dem Aussterben der Wanderschäferei drohten die Weiden zu verbuschen und zuzuwachsen. Fast wären so besondere Pflanzen wie der Bienen-Ragwurz oder der Fransenenzian, aber auch der Warzenbeißer und andere seltene Heuschrecken komplett verschwunden aus dem Jura.

Wenn es um den Naturschutz geht, denkt jeder sofort an den Bund Naturschutz (BN) oder den Landesbund für Vogelschutz (LBV) mit ihren Tausenden Ehrenamtlichen. Auch die Landschaftspflegeverbände spielen eine gewichtige Rolle im Freistaat. Und natürlich machen sich immer wieder Kommunen um die Biotope auf ihren Fluren verdient. Der Bayerische Naturschutzfonds dagegen ist praktisch nur in der Fachwelt bekannt. Das liegt daran, dass er im Hintergrund wirkt.

Zwei Scheckenfalter - die Art ist gefährdet und entsprechend selten.

(Foto: LPV Bamberg/oh)

Dabei könnten die Naturschutzverbände und die Kommunen sich ohne die staatliche Stiftung nicht so erfolgreich einsetzen für Flora und Fauna. Denn von ihr kommt sehr viel Geld für deren Projekte. "Der Naturschutzfonds ist eine tragende Säule, wenn es um die biologische Vielfalt geht", sagt Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler), der kraft Amtes Vorsitzender des Stiftungsrates ist. "Dank seiner Fördergelder können so tolle Projekte wie das im fränkischen Jura zum Erhalt unserer vielfältigen Natur und Heimat umgesetzt werden."

Der Naturschutzfonds zählt zu den ältesten staatlichen Naturschutzstiftungen Deutschlands. Er wurde 1982 eingerichtet. Stiftungszweck ist einzig die Förderung von Naturschutzprojekten. Das tut der Fonds vor allem dadurch, dass er Verbände und Kommunen beim Pachten oder Kauf von "Grundstücken zu Zwecken des Naturschutzes und der Landschaftspflege unterstützt", wie es in Artikel 50 des bayerischen Naturschutzgesetzes heißt, der den Fonds regelt. Die acht Mitarbeiter der Stiftung und Stiftungsvorstand Georg Schlapp beraten außerdem Verbände und Kommunen bei der Konzeption von Projekten, bei Forschungen und in der Bildungsarbeit. Schlapp, 62, Diplombiologe, hat in seinem Berufsleben alle Bereiche der Naturschutzverwaltung durchlaufen. Seit dem Jahr 2007 steht er an der Spitze der Stiftung.

Sechs bis sieben Millionen Euro hat der Naturschutzfonds im Jahr zur Verfügung. Davon stammen eine bis 1,5 Millionen aus Erträgen des Stiftungskapitals von 18,5 Millionen Euro. Hinzu kommt ein Viertel der Erlöse der Wohlfahrtslotterie Glücksspirale in Bayern. Sie machen 2,5 bis drei Millionen pro Jahr aus. Der Freistaat überweist weitere 2,5 Millionen im Jahr. "Alles in allem kommen bis zu sieben Millionen Euro pro Jahr zusammen", sagt Schlapp, "Nach Abzug der Personal- und Sachkosten, wie das bei Stiftungen üblich ist, können wir 5,5 bis sechs Millionen Euro im Jahr an Projekte ausschütten."

Georg Schlapp ist seit 2007 Stiftungsvorstand.

(Foto: StmUV)

Und zwar an kleine wie an große. "Klassisches Beispiel für ein kleines Projekt ist eine Orchideenwiese oder ein Stück Wald mit alten Bäumen, das eine Kreisgruppe des LBV oder des BN kaufen will, um es als Biotop zu erhalten", sagt Schlapp. "Dann stellt die Kreisgruppe einen Förderantrag an den Fonds. Angenommen das Projekt passt und die Fläche kostet 35 000 Euro, dann übernehmen wir 30 000 Euro. 5000 Euro muss die Kreisgruppe bezahlen."

Das ist eine der Grundregeln des Naturschutzfonds. Er finanziert ein Projekt nie komplett. Sondern fordert immer einen Eigenanteil des jeweiligen Trägers ein. "Schon allein, weil so ein Eigenanteil eine gewisse Garantie ist, dass der Bewerber es ernst meint", sagt Schlapp. Der Eigenanteil beträgt 15 bis 25 Prozent des Projektvolumens. Alles in allem unterstützt die Stiftung etwa 50 kleine Projekte im Jahr.

Große Projekte verschlingen bisweilen mehrere hunderttausend Euro. Der Schutz der Großen Hufeisennasen in Hohenburg etwa. Die Fledermausart ist in Deutschland so gut wie ausgestorben. Eine Kolonie gibt es nur noch in dem Oberpfälzer Ort. Damit die Art eine Zukunft hat, hat der LBV dort Schutzgebiete einrichten lassen, Fledermaustürme aufgestellt, auf dem nahen Truppenübungsplatz eine Ruine als Fledermausunterkunft hergerichtet und sogar eine Forschungsstelle samt Fledermaus-Wochenstube aufgebaut. Das alles hat mehr als eine Million Euro verschlungen. Der Naturschutzfonds hat fast 400 000 Euro davon beigesteuert. Der Lohn: Die Zahl der Hufeisennasen in Hohenburg hat sich mehr als verdoppelt, die Kolonie ist stabil.

Der Fonds ist eine "tragende Säule", wenn es um biologische Vielfalt geht: Blumenwiese mit Amstling im fränkischen Jura.

(Foto: LPV Bamberg/oh)

"Die Großprojekte sind unsere Leuchttürme", sagt Schlapp. "Sie zeigen, dass man im Naturschutz vorankommen kann, wenn man sich richtig dahinter klemmt und bereit ist, Geld zu investieren." Zumal es bei den Großprojekten ja nie nur um die eine Art geht, die offiziell im Vordergrund steht. Sondern um die Aufwertung ganzer Regionen. In Hohenburg etwa haben sie Hinweistafeln aufgestellt, Wanderwege angelegt und ein Infozentrum eingerichtet. Der Naturschutzfonds unterstützt etwa 20 solche Großprojekte im Jahr.

Der Ehrgeiz von Schlapp und seinen Mitarbeitern ist es, dass ihre Projekte möglichst auf ganz Bayern ausstrahlen. So wie das neueste, das 2019 in der Rhön startet. Dort werden der BN und eine Gesellschaft des Bauernverbands und des örtlichen Maschinenrings mit Biogas-Bauern auf bis zu hundert Hektar Ackerland neue Energiepflanzen testen. "Anstelle von Mais, der ja anerkanntermaßen lauter Nachteile für die heimische Flora und Fauna hat, säen sie den Veitshöchheimer Hanf-Mix an", sagt Schlapp. "Das ist eine Blühmischung mit Wilder Möhre, Färberdistel, Rainfarn, Königskerze und vielen anderen zumeist heimischen Pflanzen mit viel Biomasse."

Die Erwartung der Naturschützer ist, dass der Hanf-Mix der Insekten- und Vogelwelt in der Region gut tut. "Wir haben Hinweise, dass sich in so einem Blühacker bis zu 60 Wildbienen-Arten tummeln und dazu Vögel wie die Dorngrasmücke und der Schafstelz", sagt Schlapp. "In einem Maisacker dagegen herrscht gähnende Leere." Natürlich ist so ein Blühacker weniger ertragreich als ein Maisfeld. Deshalb bekommen die Bauern, die mitmachen, 500 Euro Förderung je Hektar und Jahr. "Sollten sich unsere Erwartungen bestätigen und das Projekt auf andere Gebiete übertragen werden können", sagt Schlapp, "dann sind die 300 000 Euro, die wir dafür eingeplant haben, richtig gut angelegtes Geld für die Natur."

© SZ vom 31.12.2018/infu
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