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Möglicher Interessenkonflikt:Söder verteidigt Ministerin Kiechle

Marion Kiechle

Ministerin Marion Kiechle prüft rechtliche Schritte gegen die Berichterstattung über sie.

(Foto: dpa)
  • Bayerns Wissenschaftsministerin Kiechle hat als Wissenschaftlerin das Produkt einer Firma besprochen, an der sie Anteile hält.
  • Ministerpräsident Markus Söder verteidigt seine Ministerin. Sie habe alle Fragen beantwortet.
  • Die Opposition fordert eine "lückenlose Aufklärung".

Ministerpräsident Markus Söder verteidigt Wissenschaftsministerin Marion Kiechle gegen den Vorwurf, sie habe sich als Wissenschaftlerin nicht korrekt verhalten. Kiechle habe alle Fragen beantwortet, sagte Söder am Freitag am Rande eines Termins: "Ich habe keine Zweifel an der Darstellung." Selbstverständlich bleibe sie im Kabinett.

Kiechle wird vorgehalten, einen Interessenkonflikt nicht offengelegt zu haben und damit gegen die guten Gepflogenheiten der Wissenschaft verstoßen zu haben. Als Professorin für Gynäkologie besprach sie in mehreren Publikationen das Medizinprodukt der Firma "Therawis Diagnostics", an der sie selbst mit zehn Prozent Anteilen beteiligt ist. Es handelt sich dabei um einen neuen Biomarker, der bei der Chemotherapie von Brustkrebs eingesetzt werden soll. Kiechle räumte ein, es wäre besser gewesen, in einer Pressemitteilung von Therawis, "meine Firmenbeteiligung noch deutlicher darzustellen".

Der Opposition ist das nicht genug. Kiechle habe eklatant gegen die Regeln wissenschaftlichen Arbeitens verstoßen, sagte SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher. Er fordert eine "lückenlose Aufklärung". Falls nicht, wittert er eine "Affäre Söder". "Wer im wissenschaftlichen Betrieb trickst und täuscht, scheint mir denkbar ungeeignet für das Amt der Wissenschaftsministerin", sagte Ludwig Hartmann, Fraktionschef der Grünen. Dass Kiechle nicht bereit sei, ihre Firmenanteile zu verkaufen, werfe zusätzliche moralische Fragen auf.

Wolfgang Herrmann, Präsident der TU München, verteidigte Kiechle, die vor ihrem Amtsantritt einen Lehrstuhl an der TU innehatte. Kiechle habe als Wissenschaftlerin exzellent gearbeitet, die Vorwürfe gegen sie ließen "jedes Augenmaß vermissen". Kiechle kündigte an, die Berichte rechtlich prüfen zu lassen, in denen "Tatsachen mit Fehlinterpretationen und Falschbehauptungen vermengt" würden.

© SZ vom 28.07.2018, gla, nell/cck

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