Mitten in Bayern Zweifelhafter Flüssig-Lohn für Brauer

Ein Brauerei-Mitarbeiter steht neben einer Abfüllanlage.

(Foto: Florian Peljak)

Bier als Zahlungsmittel? Das hat laut der Drogenbeauftragten der Bundesregierung keine Zukunft. Das sehen die Brauer, die derzeit etwa 36 Liter Freibier im Monat bekommen, allerdings ganz anders.

Kolumne von Johann Osel

Wer in einer Brauerei arbeitet, bekommt in der Regel einen Haustrunk, das beliebte Mitarbeiter-Freibier. 36 Liter im Monat sollen es laut dem Tarifvertrag der Branche mindestens sein, fast vier Tragerl. Viele Brauereien gönnen der Belegschaft aber deutlich mehr. Man kann damit Verwandten und Nachbarn Gutes tun, zudem lässt sich der Freitrunk auch in Limo und Wasser ergattern. Nur wenige saufen alles höchstpersönlich. Ein Brauer, der stolze zehn Kisten kriegt, wurde mal gefragt, was er mit dem Rest mache. Das sei kein Problem, meinte der Gefragte - den Rest kaufe er sich dann im Supermarkt dazu.

Nun aber ist die heile Brauereiwelt in Aufruhr. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler von der CSU, hat sich kürzlich zu Wort gemeldet. "Zahlungsmittel in Europa ist der Euro", sagte sie der Bild-Zeitung, "ich bin mir sicher, dass es Alkohol als Lohnbestandteil in zehn Jahren nicht mehr geben wird." Zu sehen sei das daran, dass laut Statistik stets weniger Haustrunk fließt. In der Zunft wurde das als Angriff gewertet.

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Bernhard Sailer, der Senior vom Hofbräuhaus Traunstein, prognostizierte im Bayerischen Rundfunk gar eine "Revolution". Dass der Bayer an sich, wenn es ums Bier geht, bierernst wird, ist ja bekannt. Man denke nur an die Krawalle, als sich König Ludwig I. 1844 traute, den staatlich festgesetzten Bierpreis um einen Pfennig zu erhöhen. Da ist die Prognose aus Traunstein wohl keine Utopie.

Und dass beim Thema Bier jetzt eine "Drogen"-Beauftragte gescheit daherredet, gilt vielen Betroffenen mindestens als mittlere Unverschämtheit. "Die Brauer sind stolz auf ihre Produkte und werden nicht zulassen, dass versucht wird, diese Tradition infrage zu stellen", heißt es bei der Nahrungsgewerkschaft NGG. Die Argumente Tradition und Stolz klingen sinnvoll. Wirtschaftshistoriker wissen, dass bayerische Brauereien im Jahr 1880 bis zu zehn Liter am Tag pro Mann ausgaben. Damals ging der Arbeitstag von 3.30 bis 19.30 Uhr, da brauchte man das wohl allein zum Flüssigkeitsverlustausgleich. Und auch die Verbundenheit mit dem Produkt will ja gepflegt werden; ein besoffener Brauer ist ein Qualitätsausweis wie ein gwamperter Koch.

Drogenbeauftragte Mortler fühlt sich derweil missverstanden, sie habe lediglich auf die sinkenden Haustrunkabsätze hinweisen wollen. Denn 2016 zahlten deutsche Brauereien viel weniger Flüssig-Lohn als noch in den Neunzigerjahren - mickrige 14 Millionen Liter Bier.

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