Leerstand in der Ortsmitte Vier Tage lang gab es keine Geschäfte mehr - das schreckte die Menschen auf

Perlesreut kann fünf Fachärzte bieten, eine Grund- und Mittelschule sowie interessante Geschäfte: Im Ort werkelt Bayerns einzige Zigarrenmanufaktur "Wolf & Ruhland", das vierstöckige Sportgeschäft Michetschläger kennt man sogar in Deggendorf und Regensburg. Dazu: je eine Filiale der Sparkassen- und Raiffeisenbanken. "Gott sei Dank haben wir unsere Banken bisher halten können", sagt Niggl. Im benachbarten Ringelai wurde vor wenigen Wochen die örtliche Sparkasse geschlossen, gegen verzweifelte Unterschriftenaktionen der Bürger. Niggl weiß: "Im Nachhinein ist das Gejammer immer groß."

Auch in Perlesreut war der Schrecken groß, als 2012 der Schlecker schloss. Plötzlich standen mitten im Ort Hunderte Quadratmeter Verkaufsfläche leer, kein Nachfolger war aufzutreiben. Die Perlesreuter Werbegemeinschaft hatte dann ein Konzept erarbeitet, für das der Ort sogar vom Bund ausgezeichnet wurde: In sogenannten Mikroläden sollten sich verschiedene Händler die Verkaufsfläche teilen und über ein gemeinsames Kassensystem abrechnen. Doch die Idee hatte nicht verwirklicht werden können. Nach einigen Jahren Leerstand eröffnete im Mai 2017 zur Erleichterung aller Sandra Putz ihre "Perlesreuter Vielfalt".

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Besuch bei Putz. Wie im Stoffladen von Veronika Öttl, in dem Schlecker zuerst ansässig war, erinnern Neonröhren und Fliesen an die Vergangenheit der Räume als Drogeriefiliale. Auch Putz hat Drogeriewaren im Sortiment, dazu Schmuck, Gewürze, Wein und Geschenkartikel. Das Sortiment soll sowohl Einheimische als auch Touristen ansprechen. Die Produkte sucht sie alle selbst aus. "Ich bin eine Einzelkämpferin", sagt sie. Läuft der Laden? "Es ist immer ein Auf und Ab."

Weil die schriftlichen Appelle der Werbegemeinschaft lange wirkungslos geblieben waren, entschieden sich die Mitglieder im November 2017 für eine radikale Maßnahme: Vier Tage lang verhängten alle Ladeninhaber ihre Schaufenster mit braunem Packpapier. Die Botschaft: Das passiert, wenn ihr uns im Stich lasst. "Es sah aus wie eine Gespensterstadt", erinnert sich Niggl. "Ich habe mich selber erschreckt." Die Aktion traf ins Schwarze. "Die Leute wurden aufgerüttelt." Viele seien froh gewesen, dass es die Läden in echt noch gebe. Der örtliche Elektroladen habe anschließend sechs Waschmaschinen in einer Woche absetzen können.

Unklar ist, ob der Effekt von Dauer ist. Entgegen Niggls Euphorie ist die Stimmung beim Metzger in Perlesreut gedämpft. "Die Aktion hat leider wenig gebracht, die Leute kaufen immer noch draußen bei Penny", sagt eine Mitarbeiterin.

"Wir dürfen uns nicht ausruhen", sagt Niggl. Als nächstes sei ein gemeinsamer Internetauftritt aller Geschäfte aus dem Ilzer Land geplant. Kein Online-Versand, sondern eine Werbeplattform: Sonderangebote sollen die Kunden in die Läden ziehen. "Wir wollen nicht gegen das, sondern mit dem Internet arbeiten. Wir bleiben dran."

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