Versteigerung von Hitler-Gemälden Frivol bis widerwärtig

Auch Schloss Neuschwanstein findet sich unter den Motiven, die Hitler malte.

(Foto: Auktionshaus Weidler/AFP)

Ein Auktionshaus aus Nürnberg bringt angebliche Hitler-Bilder unter den Hammer - und verkauft die Versteigerung als karitative Aktion. Man muss schon Zyniker sein, um das anzunehmen.

Kommentar von Olaf Przybilla

Bei der letzten Versteigerung eines angeblichen Hitler-Bildes nannte der Nürnberger Auktionator allerlei mögliche Spendenempfänger. Institutionen, die eine kleine Gabe aus einem Deal mit Hitler-Kitsch bestimmt gerne annehmen würden. Von einer Einrichtung, das wollte der Mann am Hammer betont wissen, sei er sogar ganz sicher, dass diese seine Spende haben will: die Nürnberger Altstadtfreunde.

Dummerweise wusste der Chef dieses Vereins, der sich um die Denkmalpflege in Nürnbergs Altstadt kümmert, nichts von seinem vermeintlichen Glück. Er wehrte sich: Wie der Hitler-Bild-Auktionator auf den verrückten Gedanken komme, sein Verein würde solches Geld annehmen, wisse er nicht. Gesprochen habe er jedenfalls nicht mit ihm. Ablehnen würde er solche Gaben in jedem Fall.

Der Vorgang wirft ein bezeichnendes Licht auf dieses Auktionshaus. Ob man mit NS-Mummenschanz oder Hitler-Devotionalien Geld macht, ist in erster Linie eine Stilfrage. Die Pseudokunstwerke eines pinselnden Dilettanten werden nicht dadurch satanisch, dass sie ein späterer Verbrecher fabriziert hat. Sie zu versteigern ist frivol, sich damit Aufmerksamkeit zu verschaffen, einigermaßen unappetitlich. Widerwärtig aber wird das Ganze durch den karitativen Anstrich, den das Haus sich zu verpassen versucht. Niemand kann ihn kontrollieren, Zahlen werden nicht genannt. Eine hochherzige Spende aus unserm florierenden Hitler-Handel? Man muss schon Zyniker sein, um das anzunehmen.

Für Nürnberg ist vor allem die Argumentation der Auktionatoren ärgerlich: Auf den Gedanken, dass die Stadt die bröckelnden Hinterlassenschaften Hitlers mit Millionenaufwand zu erhalten versucht, um damit Reibach zu machen - darauf muss man erst mal kommen.

Schaden tut dem Haus das Geschäftsgebaren offenbar nicht. Im Gegenteil: Für die Schaufenstergalerie des Hauses lassen sich immer wieder Prominente ablichten, alle scheinen Spaß zu haben. Mit Hitler Geld machen? Ein großes Problem ist das für viele offenkundig nicht.

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