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Kampfmittelbeseitigung:Bombenfunde sind meist Zufall

In den vergangenen Jahrzehnten wurden Luftbilder freigegeben, die wichtige Anhaltspunkte für die Beseitigung von Blindgängern geben. Die Fotos der amerikanischen und britischen Streitkräfte sind Momentaufnahmen der Kriegsereignisse. Sie zeigen Stellungen, Laufgräben, Bunker, zerstörte Gebäude oder Krater, wo Bomben explodierten. Was sie jedoch nicht offenbaren, sind konkrete Informationen über verlorene, weggeworfene oder vergrabene Munition.

SZ-Grafik; Quelle: Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung

Manfred Popp vom Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung erläutert den Umgang mit den zur Verfügung stehenden Luftbildern. Man dürfe die Bilder wegen eines Vertrages nur zweckgebunden, etwa für die Bombensuche und Altlastenbeseitigung, und nur an Behörden weitergeben. "In Bayern ist die Kampfmittelbeseitigung aber privatrechtlich organisiert", ergänzt Popp.

Die Vorsicht bei der Herausgabe von Luftbildern erklärt sich wohl aus der Sorge, dass Privatleute auf eigene Faust losziehen und gezielt nach Munition suchen könnten. Im unterfränkischen Estenfeld gibt es ein weltweit einzigartiges Unternehmen: die Luftbilddatenbank Dr. Carls GmbH. Die Fachfirma verwaltet und recherchiert Luftbilder aus dem Zweiten Weltkrieg und wertet sie zu Zwecken der Kampfmittel- und Altlastenerkundung aus. Mehr als 500 000 Luftbilder von 1938 bis 1955 sind im eigenen Archiv gelagert, auch bietet die Datenbank einen gezielten Zugriff auf circa zehn Millionen weitere Bilder in amerikanischen und englischen Archiven.

"Die Bilder zeigen uns, wann und wo Bomben gefallen sind. Ist dies der Fall, muss immer mit Blindgängern gerechnet werden", sagt der Inhaber Hans-Georg Carls. Eine große Hilfe bei der Suche sind die Bildinformationen. Sie zeigen wann, wo und mit welcher Nummer ein Flug stattfand, machen Angaben über den Maßstab oder geben Auskunft über das Wetter zum Zeitpunkt des Fluges.

Eine Luftbildauswertung muss immer durch eine Aktenrecherche und durch Sondierungen im Gelände ergänzt werden. Wie aufwendig ein typischer Einsatz abläuft, beschreibt Robert Dürr, der als Truppführer für den Kampfmittelräumdienst Dürr im niederbayerischen Mengkofen arbeitet: "Ein Kampfmittelräumer geht mit einer Sonde die Fläche komplett ab." Dies geschehe mit Detektoren, die Anomalien im Erdmagnetfeld oder im Boden feststellen. In vielen Fällen sei es jedoch nicht möglich, bestimmte Bereiche aufgrund der fortschreitenden Bebauung zu sondieren. "Dann werden die Baggerarbeiten beaufsichtigt", sagt Dürr.

Wenn die unterirdische Gefahr überall lauert, warum geht man nicht flächenhaft vor und sucht mittels dieser Hinweise nach hochexplosiven Altlasten? "Das Hauptprobleme sind die Kosten", wendet Hans-Georg Carls von der Luftbilddatenband ein. Deshalb beschränke man sich heute meist auf die Erkundung von Baustellen aller Art. So vergeht kaum eine Woche ohne Bombenalarm. Zuletzt mussten am Sonntag in Kiel 800 Menschen ihre Wohnungen verlassen, nachdem in einem Schrebergarten eine 250-Kilo-Bombe gefunden worden war.

Davor gab es alleine im November Einsätze in Berlin, Köln, Bremen, Hamburg, Nordhorn. Wieder einmal ging alles gut aus.