bedeckt München 32°

Ingolstadt:Ex-OB Lehmann legt in Korruptionsprozess Teilgeständnis ab

Prozess gegen Ingolstadts Ex-OB Alfred Lehmann

Ingolstadts Ex-OB Alfred Lehmann im März vor dem Landgericht.

(Foto: dpa)

Seit mehr als vier Monaten läuft der Korruptionsprozess gegen den ehemaligen Ingolstädter Oberbürgermeister. Kurz vor dem Urteil ändert er überraschend seine Verteidigungsstrategie.

In einem Prozess um Korruption bei Immobiliengeschäften hat der angeklagte Ex-Oberbürgermeister von Ingolstadt, Alfred Lehmann, überraschend ein Teilgeständnis abgelegt. Der 69 Jahre alte CSU-Politiker räumte am Dienstag ein, dass er Ausbauleistungen bei erworbenen Immobilien zu günstig erhalten habe. Als damaliger Amtsträger hätte er die Angebote nicht annehmen dürfen, sagte er vor dem Landgericht Ingolstadt.

Lehmann wird vorgeworfen, seiner Familie durch mehrere Immobilienkäufe finanzielle Vorteile in Höhe von etwa einer dreiviertel Million Euro verschafft zu haben. Zu Beginn des Korruptionsprozesses hatte er die Vorwürfe zurückgewiesen. Der Vorsitzende Richter Jochen Bösl sagte in einer ersten Reaktion, dass Lehmann nur das einräume, was die Beweisaufnahme in dem seit März laufenden Prozess ergeben habe. "Mit einem Geständnis hat das überhaupt nichts zu tun", kommentierte auch der Staatsanwalt die Erklärung des Politikers.

Die Strafkammer unterbrach zunächst das Verfahren, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Eigentlich sollten am Dienstag die Plädoyers gehalten werden, das Urteil war bislang für diesen Freitag vorgesehen. Bösl hatte vor dem Teilgeständnis von Lehmann erklärt, dass bei einer Verurteilung des Politikers offen sei, ob eine Haftstrafe zur Bewährung ausgesprochen werden könne.

Lehmann war von 2002 bis 2014 Oberbürgermeister in der oberbayerischen Großstadt. In dieser Funktion saß er auch in zwei Aufsichtsgremien, die für jene Immobiliengeschäfte zuständig waren, um die es in dem Verfahren geht. Nach dem Verkauf von öffentlichen Flächen in den sanierten Wohnanlagen hatte Lehmann privat Immobilien erworben. Dabei soll er die Objekte deutlich unter dem Marktpreis erhalten haben.