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Honorar:Was Bernhard zu dem Fall sagt

Der CSU-Abgeordnete und Jurist äußert sich wegen seines Anwaltsgeheimnisses nicht zu dem Fall. Aus Ermittlungsunterlagen geht hervor, dass Bernhard umfangreiche Beratungsdienste für das Augustinum erbracht haben will und sich im Recht sieht. Bernhards Ansprechpartner im Augustinum war der damalige Chef Kurt Wilkin, der zugleich die Tochterfirma ASG leitete, die so großzügig zahlte.

Wilkin ist einer der Hauptbeschuldigten bei der Staatsanwaltschaft in einem großen Verfahren wegen der Immobiliendeals, das sich teils um Betrug, teils um Untreue oder Korruption dreht. Wilkin wurde 2014 vom Augustinum entlassen, saß in Untersuchungshaft, streitet aber alle Vorwürfe ab. Er war derjenige, der sich von Bernhard angeblich beraten ließ, vor allem bei Treffen in nicht immer billigen Restaurants. Als Wilkin weg war beim Augustinum, endete auch Bernhards lukrativer Auftrag.

Ob der CSU-Politiker einfach nur dem falschen Mann vertraut hat oder ob er sich hat großzügig aushalten lassen, das muss sich noch zeigen. Schön ist das alles jedenfalls nicht für den CSU-Abgeordneten und seine Partei.

Angefangen hat die so ertragreiche Beziehung zum Augustinum und zu Wilkin für Bernhard just dann, als seine Karriere einen Knick bekommen hatte. Der Finanzexperte sitzt seit 1990 für den Münchner Westen im Landtag, 2005 wurde er Staatssekretär im Umweltressort und 2007 dort sogar Minister. Aber nur bis zum Herbst 2008. Nach dem CSU-Desaster bei der Landtagswahl musste Bernhard das Kabinett verlassen. Kurz darauf folgte der Beratungsauftrag für den Augustinum-Konzern, der über die Tochtergesellschaft ASG abgewickelt wurde. Die kümmert sich vor allem um die Versorgung der konzerneigenen Heime und Stifte mit Speisen.

Bei welchen Themen Bernhard beraten haben will

Warum die kleine ASG zahlte und nicht die große Konzernmutter, ist schleierhaft. Möglicherweise sollten Bernhards Honorare im Augustinum nicht weiter auffallen. Licht ins Dunkel bringen könnte vor allem Wilkin, doch der äußert sich nicht dazu. Bernhard jedenfalls will das Augustinum bei vielen Themen beraten haben: Pflege- und Heimrecht, Schulen, Fachkräftemangel, Migrationsrecht, Energierecht, Stiftsklinik, Markt für Seniorenstiftung, Förderung der Altenbetreuung, Rechtsentwicklungen und so weiter. Abgerundet worden sei das Beratungsverhältnis durch einen "kontinuierlichen Austausch" über allgemeine Entwicklungen beim Augustinum. Das ließ Bernhard Mitte des Jahres die Anwaltskanzlei des Sozialkonzerns wissen, die CMS, nachdem die üppigen Honorarrechnungen aufgefallen waren.

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Merkwürdig nur: Pflege- und Heimrecht, Senioren, Migration, also einiges von dem, was Bernhard als Beratung geleistet haben will, ist auf seiner Anwalts-Internetseite gar nicht als sein Rechtsgebiet genannt. Dort sind etwa Energie, Umwelt und Bau erwähnt. Bernhards Leistungsverzeichnis für das Augustinum überzeugte die CMS jedenfalls nicht. Die Kanzlei rügte im Juli in einem Schreiben an die Staatsanwaltschaft, in dieser Auflistung werde in keiner Weise näher erläutert, zu welchen konkreten Fragen und in welchem Umfang welche Beratungsleistung erbracht worden sei. Bernhard sei offenbar zu einem "geordneten Bild" über seine Tätigkeit nicht in der Lage.

Auf weitergehende Informationen von dem Anwalt und CSU-Politiker wartet das Augustinum nach eigenen Angaben bislang vergeblich. "Bis heute haben wir keine Aufklärung erhalten", weder von Bernhard, noch von Wilkin, teilte der gemeinnützige Sozialkonzern auf Anfrage mit.