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E-Ski:Mit Hilfsmotor in die Loipe

Der E-Ski soll mal Langläufer und Tourengeher unterstützen. Noch existiert die Erfindung allerdings nur auf dem Papier.

(Foto: Klaus Munz/oh)
  • Fast jedes Fortbewegungsmittel gibt es bereits in einer Version mit Elektromotor.
  • Nun hat ein 79 Jahre alter Heizungsbaumeister einen E-Langlaufski erfunden.
  • Zwar ist der Ski bereits patentiert, doch die Praxistests fehlen noch.

Große Erfindungen haben es oft an sich, dass sie Zeitgenossen in hemmungslose Bewunderer wie Kritiker spalten. Vielleicht muss man also ein paar erklärende Worte vorausschicken. Zum Beispiel, dass Rupert "Rupp" Grasegger nicht vorhat, den Wintersport zu Grabe zu tragen. Dass er begeisterter Sportler ist, aber, so sagt er, "halt auch schon 79". Dass er jemand sei, der dranbleibe, "wenn mich was interessiert".

Zuletzt interessierte Grasegger, wie sich das Fortbewegen auf, im und durch den Schnee vereinfachen ließe, man könnte auch sagen: Wie er den Skisport revolutionieren könnte. Drei Jahre lang tüftelte er. Das Ergebnis: ein E-Ski. Ein Ski mit Elektromotor, dank dem das Laufen fast wie von selbst geht, patentiert und zum Praxistest bereit. Und wenn alles klappt, wie Grasegger hofft, bald ein Trend auf Bayerns Pisten.

E-Ski-Erfinder Rupert Grasegger aus Garmisch-Partenkirchen

Rupert "Rupp" Grasegger, 79, aus Garmisch-Partenkirchen hat sich die Idee eines E-Skis patentieren lassen.

(Foto: Klaus Munz/oh)

Der E-Ski also. Er wäre eine Weltneuheit, von der man gar nicht weiß, ob die Welt daran Bedarf hat. Es fehlt an Marktstudien. Zumindest noch. Andere Fortbewegungsmittel gibt es schließlich längst in der Stromvariante, E-Autos und E-Loks etwa, E-Skateboards, E-Surfbretter und E-Tretroller. E-Bikes sind ohnehin etabliert im Berg- und Straßenbild - und ein Riesengeschäft. Im vergangenen Jahr wurden laut Branchenverband rund 720 000 Elektroräder in Deutschland verkauft. Auch Grasegger sieht ständig "E-Radln" an seinem Haus in Garmisch vorbeifahren. Die Idee lag nahe: Warum die Technik vom Rad nicht auf den Ski übertragen?

Grasegger ist Heizungsbaumeister, er weiß, dass seine Idee in mancher Ohren ungewöhnlich klingt. Aber im Deutschen Patentamt haben sie die Erfindung akzeptiert, die er auf 18 Seiten skizzierte. "Ski zur gleitenden Fortbewegung", steht in der Patenbeschreibung, "wobei vorgesehen ist, dass die Laufsohlenfläche eine vorzugsweise rechteckige Aussparung aufweist". Und "dass der Ski ein Antriebsmittel aufweist, das durch die Aussparung in einen Antriebseingriff mit dem Schneeuntergrund bringbar ist".

Übersetzt heißt das, dass eine Noppenrolle als Antrieb dient und vor der Bindung des Skis angebracht wird. Die Rolle wird über einen Knopf am Skistock aktiviert; die Noppen fressen sich dann durch den Schnee und ziehen den Ski vorwärts. Eine Art Gangschaltung an den Stöcken reguliert den Grad der Motorunterstützung. Den Strom liefert ein wechselbarer Akku.

Zur Serienproduktion muss ein Partner her

So weit die Theorie. Praktisch getestet wurde der E-Ski noch nicht. Einen Prototypen zu bauen - oder gar eine Serienproduktion zu starten -, wäre teuer. Allein die Anwalts- und Patentkosten beliefen sich bislang auf rund 70 000 Euro. Heißt: Wenn der E-Ski eine Zukunft haben soll, braucht Tüftler Grasegger einen Geschäftspartner. Verkaufsargumente hat er schon gesammelt. Das System eigne sich besonders für Langläufer und Tourengeher, sagt er: Wenn der Anstieg zu steil werde, "drücken 'S auf den Knopf", schon ginge es den Berg hinauf. So ähnlich machten das auch viele E-Bike-Nutzer, sei es, weil sie zu wenig Kraft hätten oder sich welche sparen wollten. Wer keine Unterstützung brauche oder wolle, müsse sie nicht nutzen.

Früher war Grasegger ständig am Berg. Den Aufstieg von Grainau übers Höllental auf die Zugspitze schaffte er mal in zwei Stunden und zehn Minuten, nach eigenen Angaben ein Rekord, der jahrelang Bestand hatte. Im Jahr 1964 nahm er an den Olympischen Winterspielen in Innsbruck teil. Als Anschieber im deutschen Viererbob landete er auf Platz neun. Mit einem E-Ski würde Grasegger wieder eine Tour am Schachen wagen, aber erst müsse ja ein Prototyp her und ein paar Tests, "da kann man sicher was verbessern". In den kommenden Wochen will er damit beginnen, Skifirmen seine Erfindung vorzustellen. Und dann? Rupert Grasegger sagt: "Schauen wir mal."

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