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Augsburg:"Es ist unglaublich, was diese Aktion ausgelöst hat"

Marco Dinaro, 29, ist Streifenpolizist in Augsburg. Als er sich seine Haare für einen guten Zweck wachsen lassen wollte, war sein Chef einverstanden und fand die Aktion sogar gut.

(Foto: privat)

Der Polizist Marco Dinaro hat sich die Haare wachsen lassen, um sie an Krebskranke zu spenden. Auslöser war eine Begegnung während eines Streifengangs.

Vor gut zwei Jahren hatte der in Augsburg lebende Streifenpolizist Marco Dinaro ein Erlebnis, das ihn tief aufwühlte. Danach beschloss er, sein Kopfhaar wachsen zu lassen, um es krebskranken Kindern für eine Echthaarperücke anzubieten zu können - eine Spende, die jeder mit langen Haaren machen kann. Nun, da sein Haar eine Länge von gut 30 Zentimetern erreicht hatte, ging Dinaro zum Friseur.

SZ: Vorher lange Haare, und dann auf einmal alles wieder kurz. Wie erlebten Sie diesen Moment vor dem Friseurspiegel?

Marco Dinaro: Das war heftig. Eineinhalb, zwei Jahre lang hatte ich lange Haare. Und dann war plötzlich kaum noch was da, als ich mit den Händen so durchgefahren bin.

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War das wie der Abschied von einer lieben Gewohnheit?

Vor dem Haarschnitt war es jeden Morgen so, dass ich erst mal ins Bad gegangen bin, um meine langen Haare zu kämmen. Und auf einmal muss ich jetzt gar nicht mehr so viel machen. Ungewohnt!

Was sagen Ihre Frau und ihre beiden Töchter dazu, dass Sie Ihre Haare für ein krebskrankes Kind gespendet haben?

Die stehen voll dahinter. Meine Kids, acht und zehn Jahre alt, haben jetzt auch vor, sich die Haare so lang wachsen zu lassen, dass sie davon etwas spenden können.

Die Kinder machen es Ihnen also nach?

Nicht nur die. Es ist unglaublich, was diese Aktion ausgelöst hat. Eben erst hat mein Friseur bei mir angerufen und gesagt, dass gerade wieder eine Haarspende abgegeben wurde. Einige schneiden sich das Haar zu Hause ab und bringen nur den Büschel vorbei.

Haben Sie Ihren Töchtern erzählt, welche Krankheit dahintersteckt, wenn anderen Kindern die Haare ausfallen?

Nicht, dass man über den Tod spricht. Nicht so hart. Aber ich habe ihnen gesagt: "Es gibt Krankheiten, da muss man eine ganz krasse Medizin nehmen, und dann fallen einem die Haare aus."

Wie haben die Mädchen darauf reagiert?

Die sagten: "Boa, dann müssen wir jedem Kind Haar geben!" Kinder sind da viel einfacher gestrickt.

Als Polizist sind Sie eine Autoritätsperson. Gab es Leute, die Sie aufgrund der langen Haare schwach angeredet haben?

Nein, im Gegenteil. Von den Frauen habe ich nur Komplimente bekommen.

Und die Männer?

Meinten alle: "Das sieht echt cool aus. Mal ein Polizist mit langen Haaren."

Aber die Vorgesetzten ...

Als ich meinem Chef mitteilte, dass ich mir die Haare wachsen lassen möchte, um sie zu spenden, antwortete der: "Mach das, zieh das durch!" Das geht also, wenn der Chef sozial sehr kompetent ist. Und so einen Chef habe ich zum Glück.

Beamter bleibt jedoch Beamter.

Klar, als Beamter steht immer ein gepflegtes Erscheinungsbild im Vordergrund. Aber ich bin ohnehin modisch interessiert, lasse mir jeden Freitag den Bart trimmen und - wenn nötig - die Haarspitzen schneiden. Das machen nicht viele Männer!

Haben Sie den anderen Kollegen von Ihrer Aktion erzählt?

Ich bin ganz ehrlich - zunächst habe ich das keinem erzählt. Weil ich selbst ein bisschen Angst hatte zu scheitern. Damals waren meine Haare gerade mal zwölf Zentimeter lang. Und da wurde mir bewusst: Die müssen jetzt noch mal so lang werden, ohne dass ich sie mir schneiden lassen kann. Aber von den Kollegen wollte mir halt auch nicht sagen lassen: "Jetzt hast du es doch nicht durchgezogen."

Wie sind Sie überhaupt auf die Idee gekommen, Ihr Haar für ein fremdes, krebskrankes Kind zu spenden?

Bei einem Streifengang bin ich einer Mutter mit ihrem Kind begegnet. Die sagte: "Heute bringt uns nichts mehr aus der Ruhe, weil wir unsere neuen Haare haben." Und da habe ich es erst bemerkt: Das Mädchen hatte aufgemalte Augenbrauen und eine Echthaarperücke auf. Haare zu haben, das ist für ein Kind ein Riesenschutzschild. Vor allem für ein Mädchen. Die ist halt eine Prinzessin, und eine Prinzessin ohne Haare, das gibt es nicht.

Das hat Sie zum Nachdenken gebracht?

Als ich vom Dienst nach Hause kam, sah ich das lange Haar meiner Mädels. Sogar ihre Puppen hatten lange Haare. Für mich war es regelrecht ein Schock zu realisieren, dass es Kinder gibt, die keine Haare mehr haben, die sie flechten können. Haare, mit denen sie herumspielen können. Ich hatte da also sozusagen ein Schlüsselerlebnis.