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Inzidenz unter 165:Warum in Günzburg die Grundschulen zu bleiben

Von Mittwoch an gilt am Sitzplatz keine Maskenpflicht mehr für Grundschüler.

Bis zu einer Inzidenz von 165 dürfen Grundschüler wieder in den Präsenz- oder Wechselunterricht zurückkehren. Außer in Günzburg.

(Foto: Matthias Balk/dpa)

Eigentlich, so hat es die Staatsregierung beschlossen, sollen Grundschüler bei einem stabilen Inzidenzwert unter 165 wieder in den Unterricht dürfen - in Günzburg aber ist weiter Homeschooling angesagt.

Von Florian Fuchs

"Totales Unverständnis", "Schlag ins Gesicht", das sind die Reaktionen, die Canan Nagl von Eltern zu hören bekommen hat. Nagl ist selbst Mutter eines Erstklässlers, sie ist Marktgemeinderätin und Jugendbeauftragte des Markts Ziemetshausen sowie Leiterin der örtlichen Hebammenpraxis - sie teilt das Unverständnis darüber, dass der Landkreis Günzburg seine Grundschulen trotz Inzidenz unter 165 für die Jahrgangsstufen eins bis drei geschlossen hält.

Eigentlich, so hat es die bayerische Staatsregierung beschlossen, sollen Grundschulen bei einem stabilen Inzidenzwert unter 165 wieder öffnen. Weil, so argumentierte Ministerpräsident Markus Söder, das Homeschooling für die kleinsten Schüler am belastendsten sei. Reihenweise haben die bayerischen Landkreise in den vergangenen Tagen deshalb ihre Schulen wieder geöffnet, sobald es die Inzidenz zuließ. Das schwäbische Günzburg geht einen anderen Weg: Allein die vierte Jahrgangsstufe als Übergangsklasse darf zurück ins Schulhaus.

"Wir haben es uns mit dieser Entscheidung nicht leicht gemacht", sagt eine Sprecherin des Landratsamts, die darauf verweist, dass ihr Kind gerade auch nicht in die Schule darf. Die Inzidenz sei zuletzt immer mal wieder leicht gestiegen, am Mittwoch lag sie bei 131,5. Der Landkreis wolle deshalb kein Risiko eingehen. Mit Wechselunterricht könnten die Schüler ohnehin nur zwei Tage in die Schule gehen. In der Abwägung sei das Risiko für diesen kurzen Zeitraum zu groß.

"Was passiert, wenn ein Schüler infiziert in die Schule geht? Dann müssen die anderen Schüler aus der Klasse in den Ferien in Quarantäne." Damit, so die Argumentation, wäre den Eltern auch nicht geholfen. Günzburg wolle lieber sicherstellen, dass die Inzidenz nun langfristig und nachhaltig sinkt. Es gebe Rückmeldungen aus Schulen und von Eltern, die diesen Weg unterstützten.

Nagl zum Beispiel kennt eher die gegenteiligen Reaktionen, die Schule ihres Sohnes hätte gern geöffnet. "Jeder Tag zählt doch jetzt für die Kinder." Sie hat sogar kurz eine Klage in Erwägung gezogen, ihrer Ansicht nach ist der Günzburger Weg "ein fatales politisches Signal". Zumindest eines signalisiert das Landratsamt aber: Nach den Ferien gibt es keinen Sonderweg mehr. Liegt die Sieben-Tage-Inzidenz dann zwischen 5o und 165, findet Wechselunterricht statt.

© SZ vom 20.05.2021/van/infu
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