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Großraum Nürnberg:Warum die Bürger die Metrobahn ablehnen

Erst einmal abgelehnt: die Stadt-Umland-Bahn im Großraum Nürnberg.

(Foto: Stadt Erlangen)
  • Bei einem Bürgerentscheid im Landkreis Erlangen-Höchstadt hat am Sonntag eine Mehrheit den Bau der Straßenbahn von Nürnberg nach Erlangen und Herzogenaurach abgelehnt.
  • Das Votum erscheint kurios - zumindest auf den ersten Blick. Schließlich hatten sich Politiker der großen Parteien klar für die Metrobahn ausgesprochen.
  • In diesem Text lesen Sie, warum die Bürger so abgestimmt haben und wie es mit dem Projekt nun weitergeht.

Bürger lehnen Stadt-Umland-Bahn im Großraum Nürnberg ab

Die Straßenbahn von Nürnberg über Erlangen nach Herzogenaurach gilt als das bedeutendste Infrastrukturprojekt der Metropolregion Nürnberg. Zumindest der Ast nach Herzogenaurach liegt nun aber auf Eis. Im Landkreis Erlangen-Hochstadt haben sich 57 Prozent der Bürger dagegen ausgesprochen, dem Planungszweckverband der Stadt-Umland-Bahn beizutreten.

Die Städte Nürnberg und Erlangen müssen ihre Tram deshalb nun alleine weiterplanen. Ob Herzogenaurach, eine Stadt mit drei Weltkonzernen, in absehbarer Zeit an die geplante Achse der Metropolregion angeschlossen wird, dürfte mehr als fraglich sein. Ein harter Schlag für den Ballungsraum, so interpretieren das alle Befürworter der Bahn. Auf der anderen Seite aber nicht deren Aus.

CSU und SPD hatten für das Großprojekt geworben

Immerhin ist die Verbindung zwischen Erlangen und Nürnberg nicht vom Votum tangiert. Und trotzdem ist dort die Enttäuschung groß: Immerhin haben sowohl die SPD-Oberbürgermeister von Erlangen und Nürnberg, Florian Janik und Ulrich Maly, als auch die CSU-Minister Markus Söder und Joachim Herrmann massiv für die Bahn geworben: ein Projekt, das seit mehr als 30 Jahren diskutiert wird.

Und auch der Deutsche Gewerkschaftsbund und die Industrie- und Handelskammer hatten sich deutlich dafür ausgesprochen, so viel Konsens war selten im fränkischen Ballungsraum. Umso kurioser mag das klare Votum der Bürger im Landkreis wirken. Allerdings nur auf den ersten Blick.

Warum sich viele Bürger gegen die Metrobahn aussprachen

Es gibt wenige Landkreise in Bayern, die so heterogen sind wie Erlangen-Höchstadt. Der Kreis erstreckt sich auf etwa 40 Kilometern, es gibt die industriell geprägte, prosperierende Stadt Herzogenaurach und die ländliche Region um Höchstadt. Vor 40 Jahren wurden die beiden Teile zusammengeführt, eine Zwangsehe zweier Regionen, die bis heute wenig gemeinsame Interessen haben.

Die Debatte um die Metrobahn hat diese Gräben noch vertieft: Die Gegner konnten mit einigem Recht darauf hinweisen, dass Herzogenaurach von der Trasse profitiert - während die ärmeren Regionen sich vor allem als Financiers eines Großprojekts sehen, dessen Kosten auf 400 Millionen Euro geschätzt werden.

Die meisten der 25 Kommunen des Kreises hätten für die Trasse zwar gezahlt, aber keine Haltestelle dafür bekommen. Was ihnen schwer zu vermitteln war. Es gab Orte im ländlichen Teil der Kreises, da stimmte nur einer von fünf Wahlberechtigten dafür. Echte Begeisterung löst die Bahn exakt in einem Ort aus: Herzogenaurach. Dort votierten fast 75 Prozent für die Bahn.

Herzogenaurach will die Pläne nun in Eigenregie vorantreiben

Und so ist es plausibel, was German Hacker (SPD), der Bürgermeister von Herzogenaurach, nun vorhat: Die Kleinstadt will die Bahn nach Erlangen jetzt in Eigenregie vorantreiben. Allerdings müsste der Stadt dafür die Aufgabe, den Öffentlichen Personennahverkehr zu organisieren, vom Landkreis übertragen werden. Und das notwendige Geld.

Einen Extra-Anteil von zehn Millionen Euro hatte Herzogenaurach bereits vor dem negativen Votum der Bürger zugesagt. Wohl wissend, dass man im eigenen Landkreis ziemlich alleine dastehen könnte mit dem Willen zum Metropolbahn. Dass das Votum so klar ausfallen würde, hatte allerdings kaum einer erwartet.

Zum Sieger will sich Ludwig Wahl, der Bürgermeister von Röttenbach und Initiator des Bürgerentscheids nicht stilisieren. Ihm sei es darum gegangen, die Bürger an der Entscheidung über die Bahn zu beteiligen. Das sei geglückt. Wahl betont, dass er beileibe nicht dagegen sei, den öffentlichen Nahverkehr im gesamten Landkreis zu verbessern. Nur befürworte er und seine Kollegen ein ausgebautes Bussystem. Dafür, sagt Wahl, gebe es nun einen klaren Auftrag. Einen Haken allerdings hat die Variante: Mit der Tramverbindung von Nürnberg in Richtung Erlangen wurde längst begonnen.

© SZ.de/tba
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