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Wohnungsunternehmen:Neuer Name, besseres Image? Aus der GBW wird die Dawonia

GBW Wohnungsunternehmen Dawonia

Die GBW will mit einem neuen Namen ihr Image aufpolieren.

(Foto: dpa)

GBW steht für Gemeinnützige Bayerische Wohnungsgesellschaft - Attribute, mit denen das Unternehmen offenbar nicht mehr in Verbindung gebracht werden möchte.

Glosse von Anna Hoben

Von wegen, Namen seien Schall und Rauch. Namen können über Biografien bestimmen. Das wissen wir spätestens, seit es Studien gibt darüber, was es bedeutet, in einer deutschen Schulklasse ein Kind mit dem Namen Kevin zu sein. Namen wecken Assoziationen, im Fall von Kevin: frech, auffällig, schwieriges Elternhaus. Im Fall des Wohnungsunternehmens GBW: Modernisierung, Mieterhöhungen, Untersuchungsausschuss im Bayerischen Landtag zum Verkauf der einst staatlichen Gesellschaft mit ihren 30 000 bezahlbaren Wohnungen.

Höchste Zeit also für einen neuen Namen, ein frisches Image. Von Januar an heißt die GBW-Gruppe Dawonia. GBW stand einmal für Gemeinnützige Bayerische Wohnungsgesellschaft. Attribute, mit denen das Unternehmen offenbar nicht mehr in Verbindung gebracht werden möchte. "Der Name GBW passt nicht mehr zu unserer aktuellen Unternehmensstrategie", verkündet Geschäftsführer Claus Lehner. "Wir sind längst auch außerhalb Bayerns aktiv und seit vielen Jahren nicht mehr gemeinnützig."

Letzteres haben viele GBW-Mieter in den Jahren seit dem Verkauf zu spüren bekommen. Künftig können sie mit einem melodiöseren Namen über ihren Vermieter klagen. Auch wenn sich das ein PR-Stratege vermutlich anders ausgemalt hat, etwa so: Treffen sich zwei Mieter, sagt der eine begeistert: "Dawonia? Da wohn' i a." (Da wohne ich auch.) Für all jene, denen sich der Name nicht gleich erschließt, gibt es als Verständnishilfe immer noch den unveränderten GBW-Slogan: "Hier bin ich zu Hause."

Dazu passt eine Studie, die ebenfalls am Mittwoch veröffentlicht wurde. Sie fördert die ziemlich bahnbrechende Erkenntnis zutage, dass 97 Prozent der Deutschen mit dem Zuhause Geborgenheit, Gemütlichkeit und Privatsphäre verbinden. Für die Erhebung hat ein Vermittler privater Baufinanzierungen "qualitativ-psychologische Tiefeninterviews" durchgeführt, wie es in einer Mitteilung heißt. Die hätten ergeben, dass die Immobilienträume der Deutschen eher zurückhaltend sind. Nur 15 Prozent träumen von einem Penthouse, zehn Prozent von einer Villa oder einem Schloss. Und die restlichen 75 Prozent? Hätten wohl einfach gern eine bezahlbare Wohnung. Zum Beispiel bei Dawonia? I wo, nicht da.

© SZ vom 20.12.2018/vewo
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